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Günter Beckstein plauderte über den Politiker-Alltag

Ex-Ministerpräsident folgte einer Einladung unter dem Motto „Christsein in der Politik“ - 01.10.2012 17:28 Uhr

BAD WINDSHEIM  - Christliche Werte leben und gleichzeitig gegen­über anderen Menschen harte, schick­salhafte Entscheidungen treffen. Dr. Günther Beckstein, Politiker und evangelischer Christ, sieht darin kei­nen Widerspruch. Wie sein christli­ches Menschenbild das politische Handeln des Berufspolitikers und ehemaligen Bayerischen Ministerprä­sidenten prägt, davon erzählte Beck­stein bei einem Vortrag am Freitag in der Spitalkirche.


Dr. Günther Beckstein (links) und Hans Herold in der Spitalkirche.
Dr. Günther Beckstein (links) und Hans Herold in der Spitalkirche.
Foto: Hans-Bernd Glanz
Dr. Günther Beckstein (links) und Hans Herold in der Spitalkirche.
Dr. Günther Beckstein (links) und Hans Herold in der Spitalkirche.
Foto: Hans-Bernd Glanz

„Christsein in der Politik“ war die Einladung des Landtagsabgeordne­ten Hans Herold betitelt, auf dessen Initiative Beckstein nach Bad Winds­heim kam. Über 100 Besucher, darun­ter Regionalbischof Christian Schmidt und Dekanin Gisela Bor­nowski sowie Landrat Walter Schnei­der und Zweiter Bürgermeister Die­ter Hummel, waren da, um zu hören, wie Dr. Günther Beckstein sein Han­deln als Abgeordneter, seine Ent­scheidungen als früherer Innenminis­ter des Freistaates, seine Anordnun­gen als Vorgänger von Horst Seeho­fer im Amt des Ministerpräsidenten begründet. Wie beispielsweise oft­mals umstrittene Abschiebungen von Asylbewerbern zu rechtfertigen sind. Oder ein im Gesetz mit „finaler Ret­tungsschuss“ umschriebener Todes­schuss auf einen Geiselnehmer ange­ordnet werden kann, ohne dass es zu einer inneren Zerreißprobe mit dem Christen Beckstein kommt.

Um zu erklären, wie die „spannen­de Verbindung Christsein und Berufs­politiker“ funktioniert, holt Beck­stein, derzeit Vizepräses der 11. Syno­de der evangelischen Kirche Deutsch­lands, weit aus, erzählt aus seiner Ju­gend. Berichtet, wie er in der christ­lichen Jugendarbeit prägende Erfah­rungen, vor allem im Umgang mit an­deren Menschen, sammelte. Erklärt, warum die Christliche Soziale Union seine politische Heimat geworden sei, die er Ende der 1960er Jahre als „un­glaublich modern empfunden habe“, weil sie mit ihrer Schwesterpartei CDU ganz bewusst die Konfessions­grenzen in der Politik überwunden hatte. Zu einer Zeit, als die Kirchen noch „lange nicht so weit waren“, als „Mischehen“ zwi­schen Angehörigen der verschiedenen Glaubensrichtun­gen weit jenseits der Normalität wa­ren, sei das schon bei der Gründung der CSU eine „epo­chale Entscheidung“ gewesen.

Beckstein versteckt sich nicht hinter Worthülsen

Trotzdem sind da immer noch die Unterschriften eines ehemaligen Innenministers unter Abschiebever­fügungen, Entscheidungen getreu den Buchstaben der Gesetze. Klare Aus­sage Becksteins, der dazu vereinfacht die Zwei-Reiche-Lehre Luthers über das Verhältnis vom Reich Gottes und der Welt als Grundlage nennt: „Das Amt eines Innenministers ist es, ein Gesetz durchzusetzen, auch manch­mal bei Härtefällen. Ein Gesetz, das nicht durchgesetzt wird, verliert jede Geltung“. Sein Handeln sei bestimmt von einer Verantwortungsethik, sagt der Politiker, und nicht von einer fal­schen Gesinnungs­ethik. Jemand, der ein solches Amt übernehme, müsse auch die Bereit­schaft haben, Gesetze durchzusetzen, und seine von Gott gegebene Kraft auszunutzen, betonte Beckstein, der die Gesetze auch als ethischen Auf­trag sieht. Gleichzeitig verhehlt er gegenüber seinen Zuhörern nicht, dass es in diesem „sensiblen Amt eine Menge Fragen und Spannung gibt“.

Bei aktuellen Fragen versteckt sich der CSU-Politiker gleichfalls nicht hinter Worthülsen. Lange habe man in der CSU nicht erkannt, sagt er, dass Frauen auch mit Kind wieder berufstätig sein wollen oder aus fi­nanziellen Gründen arbeiten müssen. Dennoch spricht er sich für die „Aner­kennungsprämie“ aus, wenn sich El­tern für eine familiäre Betreuung ih­rer Kinder entscheiden.

„Ich halte es für richtig, das Video zu verbieten“, sagt Beckstein zu dem islamfeind­lichen Video, das vor kurzem welt­weit für Empörung sorgte. Vermisst habe er allerdings, so Beckstein ge­genüber den Zuhörern in der Spital­kirche, diese Empörung bei der Papst­darstellung auf dem Titelbild des Sa­tiremagazins Titanic, „dass der deut­sche Presserat endlich gerügt hat“.

Gotteshäuser ja, aber ohne Minarett

Während er weiterhin für die Auf­nahme von Menschen ist, die wirklich verfolgt werden, ist für Beckstein bei islamistischen Hasspredigern die Grenze erreicht. „Wenn jemand nicht bereit ist, die Grundlagen unseres Staates und unserer Gesellschaft an­zuerkennen, hat er bei uns nichts zu suchen“, so die unmissverständliche Aussage Becksteins. Der im Übrigen „selbstverständlich“ dafür ist, dass Muslime in Deutschland ihre Gottes­häuser bauen dürfen, allerdings mög­lichst ohne Minarett und ohne den Ruf des Muezzins.

Auch in der Diskussion nach dem immer wieder von Beifall unterbro­chenen Vortrag, drückte sich Günther Beckstein nicht um klare Aussagen. Er hätte „nicht für die Möglichkeit gleichgeschlechtlicher Beziehungen in Pfarrhäusern gestimmt“, sagte er auf Nachfrage. „Ich habe mich darü­ber geärgert, aber nicht jedes Bibel­wort ist wörtlich zu nehmen“, ant­wortete er dem Fragesteller.

Es war ein Abend, der interessante Einblicke in die Motive hinter den Entscheidungen eines Dr. Günther Beckstein brachte, der auch durch kurzweilige Anekdoten aus dem po­litischen Alltag („Claudia Roth ist für mich der Prüfstein der Toleranz“) nie langweilig wurde. Und der mit der einen oder anderen kleinen Sti­chelei auf die Oberbayern sogar für Heiterkeit sorgte.

  

HANS-BERND GLANZ


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