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„Christsein in der Politik“ war die Einladung des Landtagsabgeordneten Hans Herold betitelt, auf dessen Initiative Beckstein nach Bad Windsheim kam. Über 100 Besucher, darunter Regionalbischof Christian Schmidt und Dekanin Gisela Bornowski sowie Landrat Walter Schneider und Zweiter Bürgermeister Dieter Hummel, waren da, um zu hören, wie Dr. Günther Beckstein sein Handeln als Abgeordneter, seine Entscheidungen als früherer Innenminister des Freistaates, seine Anordnungen als Vorgänger von Horst Seehofer im Amt des Ministerpräsidenten begründet. Wie beispielsweise oftmals umstrittene Abschiebungen von Asylbewerbern zu rechtfertigen sind. Oder ein im Gesetz mit „finaler Rettungsschuss“ umschriebener Todesschuss auf einen Geiselnehmer angeordnet werden kann, ohne dass es zu einer inneren Zerreißprobe mit dem Christen Beckstein kommt.
Um zu erklären, wie die „spannende Verbindung Christsein und Berufspolitiker“ funktioniert, holt Beckstein, derzeit Vizepräses der 11. Synode der evangelischen Kirche Deutschlands, weit aus, erzählt aus seiner Jugend. Berichtet, wie er in der christlichen Jugendarbeit prägende Erfahrungen, vor allem im Umgang mit anderen Menschen, sammelte. Erklärt, warum die Christliche Soziale Union seine politische Heimat geworden sei, die er Ende der 1960er Jahre als „unglaublich modern empfunden habe“, weil sie mit ihrer Schwesterpartei CDU ganz bewusst die Konfessionsgrenzen in der Politik überwunden hatte. Zu einer Zeit, als die Kirchen noch „lange nicht so weit waren“, als „Mischehen“ zwischen Angehörigen der verschiedenen Glaubensrichtungen weit jenseits der Normalität waren, sei das schon bei der Gründung der CSU eine „epochale Entscheidung“ gewesen.
Trotzdem sind da immer noch die Unterschriften eines ehemaligen Innenministers unter Abschiebeverfügungen, Entscheidungen getreu den Buchstaben der Gesetze. Klare Aussage Becksteins, der dazu vereinfacht die Zwei-Reiche-Lehre Luthers über das Verhältnis vom Reich Gottes und der Welt als Grundlage nennt: „Das Amt eines Innenministers ist es, ein Gesetz durchzusetzen, auch manchmal bei Härtefällen. Ein Gesetz, das nicht durchgesetzt wird, verliert jede Geltung“. Sein Handeln sei bestimmt von einer Verantwortungsethik, sagt der Politiker, und nicht von einer falschen Gesinnungsethik. Jemand, der ein solches Amt übernehme, müsse auch die Bereitschaft haben, Gesetze durchzusetzen, und seine von Gott gegebene Kraft auszunutzen, betonte Beckstein, der die Gesetze auch als ethischen Auftrag sieht. Gleichzeitig verhehlt er gegenüber seinen Zuhörern nicht, dass es in diesem „sensiblen Amt eine Menge Fragen und Spannung gibt“.
Bei aktuellen Fragen versteckt sich der CSU-Politiker gleichfalls nicht hinter Worthülsen. Lange habe man in der CSU nicht erkannt, sagt er, dass Frauen auch mit Kind wieder berufstätig sein wollen oder aus finanziellen Gründen arbeiten müssen. Dennoch spricht er sich für die „Anerkennungsprämie“ aus, wenn sich Eltern für eine familiäre Betreuung ihrer Kinder entscheiden.
„Ich halte es für richtig, das Video zu verbieten“, sagt Beckstein zu dem islamfeindlichen Video, das vor kurzem weltweit für Empörung sorgte. Vermisst habe er allerdings, so Beckstein gegenüber den Zuhörern in der Spitalkirche, diese Empörung bei der Papstdarstellung auf dem Titelbild des Satiremagazins Titanic, „dass der deutsche Presserat endlich gerügt hat“.
Während er weiterhin für die Aufnahme von Menschen ist, die wirklich verfolgt werden, ist für Beckstein bei islamistischen Hasspredigern die Grenze erreicht. „Wenn jemand nicht bereit ist, die Grundlagen unseres Staates und unserer Gesellschaft anzuerkennen, hat er bei uns nichts zu suchen“, so die unmissverständliche Aussage Becksteins. Der im Übrigen „selbstverständlich“ dafür ist, dass Muslime in Deutschland ihre Gotteshäuser bauen dürfen, allerdings möglichst ohne Minarett und ohne den Ruf des Muezzins.
Auch in der Diskussion nach dem immer wieder von Beifall unterbrochenen Vortrag, drückte sich Günther Beckstein nicht um klare Aussagen. Er hätte „nicht für die Möglichkeit gleichgeschlechtlicher Beziehungen in Pfarrhäusern gestimmt“, sagte er auf Nachfrage. „Ich habe mich darüber geärgert, aber nicht jedes Bibelwort ist wörtlich zu nehmen“, antwortete er dem Fragesteller.
Es war ein Abend, der interessante Einblicke in die Motive hinter den Entscheidungen eines Dr. Günther Beckstein brachte, der auch durch kurzweilige Anekdoten aus dem politischen Alltag („Claudia Roth ist für mich der Prüfstein der Toleranz“) nie langweilig wurde. Und der mit der einen oder anderen kleinen Stichelei auf die Oberbayern sogar für Heiterkeit sorgte.

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