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Handwerker mit vielen Aufträgen und zu wenig Personal

Fachkräftemangel macht sich auch im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim bemerkbar - 13.02.2018 16:32 Uhr

Derzeit wird viel gebaut, auch in Bad Windsheim. So mancher Auftraggeber muss deshalb warten, bis er an der Reihe ist. © Claudia Lehner


Über alle Gewerke hinweg sei die Auftragslage im Handwerk derzeit "sehr positiv", bestätigt Matthias Hirsch, Pressesprecher am hiesigen Landratsamt. Wirtschaftsförderung hat sich das Amt auf die Fahnen geschrieben, mit einer eigenen Abteilung dafür. Da erfreuen die guten Zahlen natürlich. Das positive Geschäftsklima bestätigt auch die Handwerkskammer für Mittelfranken: 91 Prozent der Handwerksbetriebe seien mit ihrer aktuellen Situation zufrieden. 90 Prozent erwarten eine weiterhin positive Entwicklung.

Zahlen für den Landkreis waren von der Handwerkskammer nicht zu bekommen, allerdings wird ein Vergleich gezogen zwischen der Ballungsregion Nürnberg und dem ländlich strukturierten Westmittelfranken, zu dem auch der hiesige Landkreis zählt. Dabei hat das Land klar die Nase vorn. Mehr als zwei Drittel der Betriebe in Westmittelfranken (69,8 Prozent) bewerten ihre wirtschaftliche Situation mit gut, im Ballungsraum sind es lediglich 60,2 Prozent. 59,6 Prozent der Betriebe in der ländlichen Region erwarten eine positive Geschäftsentwicklung, in Nürnberg tun dies nur 53,9 Prozent. Die Handwerkskammer führt dies auf den Neubausektor zurück: Auf dem Land entsteht dort wesentlich mehr, während Baugrund in der Großstadt rar und teuer ist.

Die Bau- und Ausbaubranche hat die Handwerkskammer als die größten Wachstumstreiber identifiziert. Die Kammer Mittelfranken hat für das Bauhandwerk eine durchschnittliche Auftragsvorlaufzeit von mehr als elf Wochen errechnet. Damit gibt es immer wieder Aufträge, die nicht angenommen werden können. "Es tut weh, langjährigen guten Kunden absagen zu müssen", sagt Kreishandwerksmeister Gerhard Gerhäuser. Jahrelang habe man um Aufträge gebettelt und jetzt könne man sie nicht erfüllen.

Das müssten doch goldene Zeiten im Handwerk sein, um besser verdienen zu können. Kann man da nicht bei den Preisen etwas aufschlagen? "Theoretisch ja", antwortet Gerhäuser. Allerdings gebe es andere Faktoren, die ohnehin schon die Preise erhöhten: die Energieeinsparverordnung, ein gestiegener Verwaltungsaufwand. Wegen immer strengerer Vorschriften müsste nun beispielsweise selbst normaler Bauaushub beprobt werden, ein Problem, das auch Kommunen Bauchschmerzen bereitet. Außerdem rechnet er in den aktuellen Tarifverhandlungen mit steigenden Lohnkosten.

Ein großes Problem sind laut Gerhäuser die fehlenden Arbeitskräfte. Das lässt sich auch durch Zahlen der Bundesagentur für Arbeit für den Landkreis belegen. So kamen im Handwerk auf 100 gemeldete sozialversicherungspflichtige Stellen 53 Arbeitslose. Das bedeute weniger als einen Bewerber je Stelle, verdeutlicht Jürgen Wursthorn, Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Fürth, die Dramatik des Fachkräftemangels. Zwischen den einzelnen Branchen gibt es Unterschiede. So hat der Hochbau laut der Statistik mit 84,9 Personen sogar noch etwas mehr potenzielle Bewerber als andere Bereiche, wenn auch nicht genügend. In der Metallerzeugung und -verarbeitung ist mit 15,2 Personen die Zahl der Arbeitslosen je 100 Stellen besonders gering. Seit 2013 hat sich die Situation stark verändert. Damals kamen 120,9 Arbeitslose auf 100 Stellen. Im Hochbau gab es potenziell 247 Bewerber.

Seit vier Jahren sei die Arbeitslosigkeit konstant zurückgegangen, bei gleichzeitig steigendem Stellenangebot, verdeutlicht Wursthorn. Mit Qualifikationen für Arbeitslose und für Menschen im Beruf, für Menschen mit Behinderung und auch für Flüchtlinge versucht die Bundesagentur Abhilfe zu schaffen. Immerhin haben im Landkreis einige mehr junge Leute eine Lehre im Handwerk begonnen. Hirsch spricht von einer "leichten Steigerung". 2016 absolvierten 523 Personen eine Ausbildung im ersten, zweiten oder dritten Lehrjahr, 2017 waren es 544.

Dass sich die Situation, gerade im Bauhandwerk, in absehbarer Zeit ändert, damit rechnet Gerhäuser nicht. "So lange Zinsen so günstig sind und die Möglichkeiten anderer Geldanlagen schwierig, denke ich, wird es so bleiben." Und die Vermietbarkeit der Häuser und Wohnungen sei ja gegeben. 

Claudia Lehner

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