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"Ickelhaus" verbreitet Wohlfühlatmosphäre in den Ferien

Familie Ulm schafft Gästen auf besondere Weise Entspannung - 03.01.2013 09:17 Uhr

Winfried und Alexandra Ulm auf einem Sofa im Erdgeschoss ihres Ickelhauses. © Christine Berger


Unübersehbare Spuren am Mauer­werk erinnern an die Tierhaltung. Lose Steine, Farbanstriche, die ihren Namen nicht mehr verdienen – da sind die allgegenwärtigen Spinnwe­ben noch das Geringste. Wer Bilder des Hauses vor der Restaurierung sieht, dem fällt der Vergleich mit den gemütlichen Ferienwohnungen schwer. Das viele Mobiliar aus dem 19. Jahrhundert bildet ein stimmiges Bild mit der Umgebung. Der histori­sche Schrank im Schlafzimmer bei­spielsweise oder der gemütliche Stuhl mit dem Herzmuster in der Holzleh­ne. In der Küche weist ein Brot­schrank mit der charakteristisch ge­lochten Metallscheibe zur Belüftung darauf hin, mit welch einfachen und doch wirkungsvollen Mitteln sich die Menschen früher zu helfen wussten.

Holzherde in den Küchen

Der erste Blick in beiden Küchen aber fällt auf die Holzküchenherde. Niedrig, mit wunderschönem Dekor, werfen sie unweigerlich die Frage nach der Funktionsweise auf: Wie viel Holz braucht es für eine Kartof­felsuppe? Wer sich im Urlaub nicht mit derartigen Problemen herum­schlagen will, der findet hinter zwei Holztürchen versteckt moderne Herdplatten. Ebenso hat Winfried Ulm in den Badezimmern seine stren­gen Ansprüche an eine stilgerechte Instandsetzung hintenan gestellt. „Man will seine Ferien ja auch nicht in einer Puppenstube verbringen.“ Die Sofas sind folglich neu, die Wasserhähne fallen im Kontrast zur übrigen Einrichtung durch ihr mo­dernes Design auf. Alles kein Wider­spruch für den Architekten, der im Gegenzug auf Plastik und Beton weitgehend verzichtet hat. Materia­lien also, die den Bauherren vor rund 250 Jahren, als das Gebäude an der Weedgasse entstand, noch nicht zur Verfügung standen. Schon während des Studiums habe er gemerkt, dass er kein Glas-Stahl-Mensch ist, be­kennt Winfried Ulm. Nach einem Aufbaustudium Denkmalpflege hat er in den 1990er-Jahren historische Gebäude durch Notsicherungs-Maß­nahmen gerettet. Viel gelernt hat er zudem während der Arbeit bei einem Restaurator.

Das harmonische Zusammenwirken von historischen Baustoffen und moderner Haustechnik veranschaulicht der Blick in dieses Bad des Gästehauses der Familie Ulm. © Christine Berger


Das Freilandmuseum brachte den Erlanger in die Region, dort begann er 1994 mit der schrittweisen Sanie­rung des Ickelheimer Schlosses, die er 2008 endgültig abschloss. In Binz­wangen hatte Winfried Ulm bereits ein Haus in Augenschein genommen, um Ferienwohnungen darin einzu­richten. Heute ist er froh, dass sich die Chance in Form des früheren Bauernhauses in Ickelheim aufgetan hat. Vor Ort konnte er sämtliche res­tauratorischen Arbeiten mit seinem Mitarbeiter selbst durchführen, kom­plett vergeben hat er dagegen den Bereich Haustechnik.

Mit dem Ickelhaus, wie Alexandra und Winfried Ulm ihr Projekt ge­nannt haben, war es rasch nicht ge­tan. Im Kaufvertrag quasi inklusive war der rückwärtige Teil eines wei­teren Hauses an der Weedgasse. Wäh­rend das eigentliche Wunschobjekt laut Ulm eine Teil­ruine war, war der zweite Neuzugang der Familie gänz­lich baufällig. „Das hatte nur eine schöne Fassa­de, sonst nichts“, erinnert sich Ulm. Seine Frau Alexandra hat sich den­noch in das Haus verliebt, für sie ist es eines der schönsten Gebäude Ickel­heims mit einem ganz eigenen Hän­sel- und-Gretel-Charme. Eine Atmo­sphäre, die in einigen Jahren auch Urlauber spüren können.

Mit Haus Nummer zwei nicht ge­nug, kam Ulm zu seinem dritten Haus in der Weedgasse, vorrangig wegen der Idee einer eigenen Hack­schnitzelanlage. Als das ebenfalls un­ter Denkmalschutz stehende Gebäu­de mit seiner großen Grundfläche zum Verkauf stand, hat das Ehepaar seinen letzten Kauf getätigt. Zwischenzeitlich sind die Häuser der Familie und die einiger Nachbarn auf dem Weg zwischen Weed- und Schlossgasse an die eigene Energie­versorgung angeschlossen.

Im Hof von Haus Nummer drei hat Ulm wie beim Ickelhaus Muschel­kalk- Pflaster gesetzt. Üblicherweise wird es weggeworfen, sagt Ulm und schüttelt den Kopf, er hält das Pflas­ter für einen wichtigen Bestandteil der regionalen Bautradition. Einen, der in einigen Jahren gänzlich aus den Höfen verschwunden sein könn­te, wie er befürchtet.

Die Augen öffnen

Den zusätzlichen Aufwand, die unterschiedlichen Steine auf ein eini­germaßen ähnliches Niveau zu brin­gen, hat Ulm gern betrieben. Und die Handwerker, die auf seinen Baustel­len arbeiten? „Sie haben es mit Fas­sung getragen“, erinnert sich Alexan­dra Ulm und lacht. Ihrem Mann liegt vorrangig die historische Be­wahrung am Her­zen, mit den Auf­lagen der Denk­malschutzbehörde hat er daher noch nie Probleme gehabt. Sind es doch die gleichen Ansprüche, die ihn an­treiben: „Denkmalpflege beschränkt sich nicht nur auf die Außenfassade.“ Dass in den Ferienwohnungen kei­ne Fernseher stehen, hat damit vordergründig erst einmal wenig zu tun. Vielmehr wollen Winfried und Alexandra Ulm die Augen ihrer Feriengäste öffnen. Beispielsweise für die Schönheiten der Natur und die Architektur in der Region, aber auch für die kleinen Dinge des Lebens. Nicht umsonst steht inmitten des Wohnzimmers im Erdgeschoss ein Holzofen als zentraler Blickfang.
  

CHRISTINE BERGER

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