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Im Kleinen zeigen, wie der Regen wirkt

Gewässer-Nachbarschaftstag zeigt Möglichkeiten naturnaher Gestaltung auf – Biber als Chance - 29.10.2017 17:51 Uhr

Gudrun Riedel (links) und Doris Hofmann zeigen am Regensimulator wie sich Pflanzenbewuchs auf die Fähigkeit des Bodens auswirkt, Wasser aufzunehmen. © Foto: Barbara Glowatzki


Gastgeber Illesheim setzt das Bayerische Konzept zur Gewässerrenaturierung als eine von wenigen Gemeinden um, wie bei einer Exkursion am Nachmittag zu erfahren war. Nachbarschaftsberaterin Doris Hofmann eröffnete den Tag mit einem Vortrag über zu viel Feinmaterial in den Gewässern. Zusätzlich zu natürlicher Erosion und Oberflächenwasser tragen heftige Regenfälle den Schlamm aus Landschaft und Äckern ab. Wenn das Gleichgewicht von Absetzen und Forttragen des Feinschlammes gestört sei, lagere sich eine Schlammschicht ab. Diese sei sauerstoffundurchlässig und nehme Kleinorganismen und Fischen den Lebensraum im Kiesbett. Gewässer verlandeten, die freizeitliche Nutzung werde eingeschränkt und auf die Gemeinde kämen Kosten durch erhöhten Unterhaltsaufwand zu.

Dem könne die Gemeinde entgegenwirken, wie Hofmann erklärte: Uferstreifen oder Abflussmulden schaffen Rückhalte- und Speicherflächen für übertretendes Wasser. Die Fließgeschwindigkeit kann gebremst werden, um eine erhöhte Erosion zu vermeiden. Dies geschieht durch Mäander im Gewässer-Verlauf, aber auch durch Totholz oder Störsteine. Ein Biber kann hier wertvolle Hilfe leisten.

Der Regensimulator, den Wasserberaterin Gudrun Riedel vorführte, zeigte eindrücklich die Zusammenhänge zwischen Bodenbedeckung und der Menge an Abfluss- und Sickerwasser bei starkem Regen. Auf einem Boden mit Zwischenfrucht oder Dauergrün, in diesem Fall war es Rotklee, versickert erheblich mehr Wasser im Boden als bei einem Boden mit Zwischenfrucht und Fahrspur, die den Boden verdichtet, oder gar einer frisch gesäten Fläche. Umgekehrt verhält es sich mit der Menge des abfließenden Wassers.

Gewässerbiologin Sigrid Baurmann ging auf invasive, gebietsfremde Arten ein. Am Beispiel der Chinesischen Teichmuschel, die die einheimische Bachmuschel verdrängt, und des Signalkrebses, einem Konkurrenten des Edelkrebses, berichtete sie über Probleme wie das Vermischen der Arten, Krankheitsübertragungen und negative Auswirkungen auf das Ökosystem. Der Bitterling beispielsweise sei zur Laichablage auf die Bachmuschel angewiesen. Verschwinde diese, habe auch der Fisch keine Chance zur Arterhaltung. Als erste Maßnahme rät die Referentin, eine weitere Verbreitung der Eindringlinge zu verhindern und dazu alle Funde zu melden.

Der Vortrag von Horst Schwemmer führte zu einer lebhaften Diskussion. Der Bibermanager für Nordbayern befasste sich mit dem Pro und Contra des umstrittenen Tieres. 1867 war er in Bayern ausgestorben. Zwischen 1966 und 1982 wurden 120 Tiere ausgesetzt. Heute gibt es hier wieder etwa 20 000 Biber, die vielerorts als Last empfunden werden. Sie untergraben Ufer, fressen Feldfrüchte, fällen Bäume und stauen Gewässer auf, wo es nicht erwünscht ist. Andererseits trägt der Biber laut Schwemmer zu Gehölzpflege und -verjüngung bei und bringe wieder Kurven in die Bäche, die dem Problem der Feinmaterialablagerung entgegenwirken. Wo der Biber lebe, steige die Artenvielfalt bei Vögeln, Insekten und Fischen an.

Konflikte mit dem Biber ließen sich durch relativ einfache Maßnahmen eingrenzen, wie Ufersicherung durch Versteinung, Gitter oder Drahtmatten. Drahthosen an Bäumen, Schälschutzmittel, Gitter an Durchlässen, Elektrozäune: Schwemmer nannte viele Möglichkeiten, den Biber von bestimmten Orten fernzuhalten.

Die Entfernung eines Biberbaus bedürfe jedoch einer Genehmigung, so Schwemmer, auf den Kosten der Maßnahmen gegen den Biber bleibe die Gemeinde sitzen, ebenso der geschädigte Landwirt, der nur einen Teil ersetzt bekommt. Wenn man dem Biber und den bewohnten Gewässern Raum gebe, würde er als Schädling jedoch nicht auffallen, resümierte der Experte. 

Barbara Glowatzki

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