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Internationale Forschung zum Windsheimer Wald

Eichen, Eschen, Linden und sattes Grün: Im Rittersaal ging's um den Forst - 04.05.2018 19:33 Uhr

Bei der Präsentation ihrer Forschungsergebnisse bekommen die Studenten im Rittersaal der Burg Hoheneck viel Applaus von den Experten. © Fotos: Stefan Blank


Als der Maivogel, einer der am stärksten gefährdeten Tagfalterarten Deutschlands, auf der Leinwand im Rittersaal der Burg Hoheneck erscheint und Applaus ausbricht, nickt Professor Robert Vogl zufrieden. "Es ist wichtig, dass Forschungsergebnisse nicht im Elfenbeinturm der Wissenschaften gefangen bleiben, sondern Forscher lernen, sie zu präsentieren." Vogls Part an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ist Forstliche Bildungsarbeit und Kommunikation, er unterstützte die Studenten dabei, die Ergebnisse in eine Präsentation zu gießen.

Diese hatten die Studenten des Natura-2000 Projektes im Bad Windsheimer Stadtwald aus Deutschland, Frankreich, Finnland und Irland hinter sich gebracht und dafür gesorgt, dass auch ausgewiesene Wald-Experten das eine oder andere Mal die Augenbrauen hochgezogen haben. "Das sind sehr interessante Ergebnisse. Ein großer Schritt vorwärts, um Wälder noch besser zu verstehen", resümierte Stadtförster Sven Finnberg.

Eine Woche lang waren die Nachwuchsforscher in unterschiedlichen Gruppen in Gräf und Kehrenberg unterwegs. Während sich die einen mit Vegetation, Waldstrukturen oder noch nicht genutzten Fördermöglichkeiten beschäftigten, suchten andere nach Vogel-, Fledermaus-, Schmetterlings- oder Amphibienarten. "Das hier ist ein Schatz, ein Kleinod, das es europaweit wohl nur hier gibt." Professor Dr. Volker Zahner, Dozent für Zoologie, Wildtierökologie und Entomologie an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf aus Freising war nach einer Woche im Stadtwald fasziniert. Als "besonders spannend" fand Zahner auch den Austausch mit den Studenten und Professoren aus dem Ausland. Wiederholung wahrscheinlich.

Mit Kronenspiegel und Maßband sind Nachwuchsforscher im Kehrenberg-Wald unterwegs.


Mit finnischer Ruhe in der vom Vollbart geprägten Stimme berichtete Henrik Lindberg, Professor an der Hämeen Ammattikorkeakoulu University im Süden Finnlands denn auch, wie viel Spaß ihm die Gruppenarbeiten gemacht haben und wie beeindruckt der 54-Jährige von der Genauigkeit sei, dass auf Vegetation und Tiere so viel Wert gelegt werde.

Urlaub in der Idylle des mittelfränkischen Waldes war die Woche für die Studenten laut Volker Zahner aber nicht. Die Tage verbrachten die Nachwuchsforscher im Wald. Arbeiteten mit Maßband und Kronenspiegel Eiche um Eiche ab, lauschten im 100Meter-Abstand nach Vogelgesängen. Dabei wurden Halsbandschnäpper oder Mittelspecht auch mithilfe von mit Smartphones abgespielten Audio-Dateien angelockt – oder werteten sogenannte Batcorder aus, mit denen die Rufe von Fledermäusen aufgezeichnet und Arten zugeordnet wurden.

"Der Gesang des Mittelspechts ist sehr schön", fand Maja Gradecak. Die 21-Jährige reiste aus Irland an und nutzte die Abende, um Kontakte zu knüpfen. Kuriose finnische Trinkspiele inklusive, wie Zahner verriet. "Es war super, dass so viele aus unterschiedlichen Ländern da waren", sagte Maja Gradecak. Ebenfalls als "große Chance, einmal in einem internationalen Team zusammenzuarbeiten" bezeichnete das Projekt Patrik Samlelin aus Finnland. Der 23-Jährige war besonders angetan vom Umgang mit Totholz im Wald der Kurstadt und zeigte sich beeindruckt von der Intensität des Forschungsprojektes.

Wieviel Spaß die Gruppe dennoch hatte, wurde schon in der von den unterschiedlichen Dialekten geprägten Präsentation deutlich. Auf den Wunsch von Sven Finnberg hatte sich eine Gruppe damit beschäftigt, einen Faktor zu bestimmen, mit dessen Hilfe künftig aus dem in 130 Zentimeter Höhe gemessenen Stammdurchmesser einer Eiche das von der Krone abgedeckte Areal bestimmen lässt. Die Studenten waren am Ende jedenfalls überzeugt von ihren Berechnungen.

Über den Nachweis von 106 Fledermausindividuen, darunter die seltenen Arten Mopsfledermaus, Brechsteinfledermaus und Großer Abendsegler, wurde referiert und dabei Töne eingespielt, die sich laut den Erklärungen anhand der Intervalle unterscheiden lassen. Da entstand ebenso Waldstimmung im Rittersaal wie beim Fiepsen des Halsbandschnäppers. Student Nils Teufel stellte vor, dass besonders viele Zugvögel angesiedelt seien, die oftmals selten und schützenswert sind. Ein Video eines Hirschkäferkampfes rundete die Filmsequenz ab, ehe noch besprochen wurde, was die Stadt machen müsste, um welche Förderung zu erhalten. Fazit: "Auch beim Naturschutz muss man sich manchmal entscheiden, denn Licht und Schatten an der gleichen Fläche geht nun mal nicht."

Gräf und Kehrenberg sind besonders auch für ihre lichten Flächen bekannt, was eine besondere Artenvielfalt zur Folge hat, wie Professor Volker Zahner erklärte. Und nur wenn diese weiter geschützt würden, könnten sich Forscher und Tiere davon auch künftig begeistern.

  

Stefan Blank

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