17°

Samstag, 22.09.2018

|

Keine Angst vorm Brückensturz im Landkreis

Bauwerke im Landkreis bereiten kaum Kopfzerbrechen - 07.09.2018 18:25 Uhr

Ein Vorbild an Standfestigkeit und "nahezu unzerstörbar": Die 169 Jahre alte Sandstein-Gewölbebrücke in Langensteinach. © Foto: Hans Herbst


Alles im Griff, lautet zusammengefasst die Botschaft der Verantwortlichen für die Standsicherheit der Brücken im Landkreis. Sowohl Peter Holzmann, beim Landratsamt als Sachgebietsleiter zuständig für den Unterhalt der Brücken, als auch Michael Schätzl vom Staatlichen Bauamt Ansbach sehen, von geplanten Baumaßnahmen sowie routinemäßigen Überprüfungen und Instandsetzungen abgesehen, keinen akuten Handlungsbedarf.

Im Gegenteil: "Wir sind insgesamt mit allen Brücken zufrieden", bilanziert Holzmann mit Blick auf die 77 Brücken, welche in der Baulast des Landkreises liegen. Dies liege unter anderem daran, dass "in den vergangenen 15 Jahren viel erneuert wurde". Ein Vorteil sei auch, "dass wir keine Riesenbrücken haben". Das größte zu überbrückende Gewässer sei die Aisch bei Dachsbach, wo eine Brücke eine Spannweite von 15 Meter hat. Zudem spiele den Verantwortlichen in die Hände, dass nahezu alle Brückenbauwerke – von solchen spricht man ab einer Spannweite von mindestens zwei Metern, kleinere werden als Durchlässe bezeichnet und sind hier nicht berücksichtigt – erst ab den 1960er-Jahren entstanden sind, die durchschnittliche Lebenserwartung einer Brücke laut Holzmann aber bei 110 Jahren liegt. Der Methusalem unter den vom Landkreis zu betreuenden Brücken, die 1849 errichtete Sandstein-Gewölbebrücke in Langensteinach, sei ob ihrer Bauweise ohnehin "nahezu unzerstörbar". So ist es nicht verwunderlich, dass der hiesige Landkreis in seinem Investitionsprogramm keinen Euro für den Bau von Brücken eingestellt hat. Für den laufenden Unterhalt sind pro Jahr 50 000 Euro angesetzt. Damit werden Ausbesserungen oder Erneuerungen von Fahrbahndecken bestritten, also Schäden behoben, welche allesamt keine Rolle in Bezug auf die Standfestigkeit der Bauwerke spielen.

Regelmäßig überprüft

Regelmäßige Brückenprüfungen gemäß der Norm DIN 1076 sollen gewährleisten, dass es zu keinen unliebsamen Überraschungen kommt, vielmehr Standsicherheit und verkehrssichere Nutzung der Konstruktion gewährleistet sind. Die Brückenprüfer bewerten den Zustand der Bauwerke nach offizieller Lesart mit Noten von 1 bis 4, unterteilt in sechs Kategorien von "sehr gut" (1-1,4) und gut (1,5-1,9) bis zu "nicht ausreichend" (3-3,4) und "mangelhaft" (3,5-4). Entsprechend wird die Bewertung häufig in Schulnoten von 1 bis 6 "übersetzt".

Der Turnus der Inspektionen ist vorgeschrieben. Halbjährliche Sichtprüfungen sollen offenkundige Schäden aufzeigen, welche soweit als möglich umgehend behoben werden. Alle sechs Jahre steht eine Hauptprüfung an, die bei großen Brücken einen ganzen Tag dauern kann. Dabei wird die Konstruktion beispielsweise mit einem Hämmerchen auf Hohlräume untersucht. Drei Jahre nach der Haupt- ist eine sogenannte einfache Prüfung fällig.

Bilderstrecke zum Thema

Autobahnbrücke in Trümmern: Erschreckende Bilder aus Genua

Das Unglück in Genua erschüttert die Menschen: Die Autobahnbrücke brach am Dienstag in sich zusammen und riss dabei mehrere Fahrzeuge in die Tiefe. Aktuell haben mindestens 42 Menschen durch den Einsturz ihr Leben verloren, etliche sind verletzt. Die Betroffenheit ist nicht nur in Italien groß.


Auch Bahnbrücken werden geprüft

90 Prozent der Prüfungen erledigt der Landkreis mit eigenem Personal, nur bei den fünf Brücken, welche über Bahnstrecken führen, werden die Arbeiten an die Landesgewerbeanstalt (LGA) vergeben. Die arbeite eng mit der Bahn zusammen und setze die vom Landkreis angemeldeten Prüfungen für Zeiten an, zu denen wegen anderer Arbeiten ohnehin der Strom an der Bahnlinie abgeschaltet werde. Mittels mehrfach knickbarer Ausleger eines auf der Brücke stehenden Kranlasters kann der Prüfingenieur in einem Korb unter die Brücke gefahren werden. Eine derart aufwendige Prüfung koste dann schnell mal bis zu 15 000 Euro, sagt Holzmann. Die nächste sei 2019 an der Bahnbrücke bei Gollhofen geplant.

Städte und Gemeinden sind für die Prüfung der in ihrer Baulast liegenden Brücken selbst verantwortlich. Sie bedienen sich bei der Überprüfung oft privater Fachleute oder Institutionen wie dem Technischen Überwachungsverein. Die Stadt Bad Windsheim etwa hat erst im März dieses Jahres die Arbeiten zur Sanierung der Flutgrabenbrücke am Ende der Westheimer Straße sowie der Aischbrücke am Neumühlenweg vergeben.

Brückenerlebnisse der ganz eigenen Art hat Ergersheim hinter sich. Jahrzehntelang hatte es keine Prüfungen gegeben, das Ergebnis einer Untersuchung vom Herbst 2016 war entsprechend alarmierend. Wie berichtet wurde in der Konsequenz die Brücke zwischen dem Staudinger Weiher und der nach Seenheim führenden Ortsverbindungsstraße erneuert, ebenso der Steg am Festplatz in Ergersheim hergerichtet.

Prüfender Blick aufs Holz

In anderen Gemeinden ist die Situation entspannt. In der Stadt Burgbernheim etwa wurden erst 2017 alle Brücken untersucht, wie Wolfgang Käser von der Verwaltung sagt. Im Blickpunkt stehen in Burgbernheim die Straßen und Fußgängerbrücken über die Bahnlinie Würzburg-Ansbach. Sie werden alle drei Jahre vom Tüv inspiziert, entsprechend dem Bericht werde gehandelt, sagt Käser. Um die bei Buchheim über die B 13 führende Brücke kümmere sich, wie um weitere Bauwerke über Bundesstraßen, das Straßenbauamt. Innerörtliche Holzbrücken würden regelmäßigen Sichtprüfungen unterzogen.

Das Staatliche Bauamt Ansbach betreut aktuell 176 Brücken im Landkreis. Eine neue entsteht derzeit beim Bau der Ortsumgehung für Rüdisbronn. Michael Schätzl, Leiter der unter anderem für den Konstruktiven Ingenieurbau zuständigen Fachabteilung K, fasst die Situation wie folgt zusammen: "Im Großen und Ganzen haben wir einen ganz guten Bestand", schließlich seien die meisten Brücken ebenfalls "relativ neuwertig", also ab den 1960er-Jahren entstanden, die älteste stammt von 1900. Nur fünf Brücken entsprächen der Schulnote 5. Eine davon ist die Aischbrücke bei Gutenstetten, sie soll demnächst erneuert werden. In dem Ort befindet sich eine zweite Brücke dieser Einstufung, die anderen stehen in Frankfurt, Mittelsteinach und nahe Langenfeld. Brücken der schlechtesten Kategorie gebe es im Landkreis nicht. Zusammenfassend stellt Michael Schätzl fest: "Akut gefährdet sind unsere Brücken nicht, aber man muss natürlich dranbleiben."

Die Brückenbauwerke entlang der Autobahn 7 im Bereich des Landkreises sind einem vom Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL veröffentlichten Datensatz zufolge überwiegend mit Zustandsnoten um 2,5 eingestuft. "Ausreißer": Die Brücke über die Gollach in Fahrtrichtung Fulda hat eine 3,3 (dort wird gerade gebaut), jene über die Kreisstraße 49 in Richtung Ulm eine 2,0. Die hiesigen Autobahnabschnitte liegen in der Zuständigkeit der Autobahndirektion Nordbayern, ausgebaut und saniert werden sie zunehmend in Projekten Öffentlich-Privater Partnerschaft.

Übrigens: Der Landkreis vergibt keine Noten für seine Brückenbauwerke. Peter Holzmann sagt aber: "Ich würde sie alle in eins bis drei einstufen" (nach dem Schulnotensystem). Oder, anders ausgedrückt: "Wir sind baulich mit den Brücken in einem äußerst zufriedenstellenden Bereich." 

Günter Blank

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Bad Windsheim