Freitag, 22.03.2019

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Kleine Probleme summieren sich zur Heimniederlage

TV-Volleyballer müssen sich am Ende eines begeisternden Spiels der Eibelstädter Drittliga-Reserve knapp geschlagen geben - 06.03.2019 15:05 Uhr

Johannes Küffner (links) setzt zum Schmetterschlag an. Am Ende aber haben die Gäste das bessere Ende für sich, der TV 1860 Bad Windsheim dagegen mit 2:3 das Nachsehen. © Foto: Frank Wiemer


"Ich brauche eigentlich vor den Spielen gar nicht mehr viel sagen", berichtet Xaver Frühwirth, dessen Spieler vier Siege in Folge im Rücken hatten, beim Warmmachen. "Außer, dass wir einfach die Konzentration hochhalten müssen." Gerade mit dieser haben die Sechziger gegen die Drittliga-Reserve aber so ihre Probleme. Jedenfalls in den Abschnitten eins, zwei und vier. "Wir haben es immer wieder schleifen lassen, waren zu wenig konsequent ", sagt Robert Auerochs, den nach dem Spiel seine Tochter aufmunterte.

Platz drei in der Bayernliga ist dem TV Bad Windsheim mit nun 32 Zählern aus 16 Partien weiter noch nicht sicher, da Abensberg Neumarkt mit 3:0 abfertigte. Doch nach der 3:2-Niederlage von Regenstauf beim Primus und wohl sicheren zukünftigen Regionalligisten Amberg ist auch die Vizemeisterschaft theoretisch weiterhin denkbar, auch wenn die Verantwortlichen um Coach Frühwirth und seinen Nachfolger Auerochs nach der Leistung gegen Eibelstadt davon nichts wissen wollen. "Das Thema ist zum Glück jetzt eigentlich durch", sagt Frühwirth.

Es trommelt und klatscht

In Satz eins war die Welt für die Sechziger, bei denen auch Spieler aus der zweiten Reihe viel Einsatzzeit bekommen, noch in Ordnung. Der neu gegründete Fanclub Hyänen Brigade trommelt und klatscht auf der Tribüne, die Wechsler um Libero-Routinier Marco Herrmann tanzen unten vor der Bank, Frühwirth donnert zur Motivation die Hände zusammen und auf dem Feld hält Eibelstadt wirklich gut dagegen. Doch irgendwie hat trotz Gleichständen bei 6:6, 17:17 und 18:18 niemand wirklich Gedanken daran verschwendet, dass die Sechziger nicht gewinnen könnten.

20:18 – zweite Auszeit Eibelstadt und Thorsten Meyerhöfer macht schon mal einen frühzeitigen Diver vor der Brigade. Geißbarth steigt mit einer Lockerheit am Netz hoch, als wenn er sich gleich auch noch ein Bier aus dem Keller holen würde. Klatsch. Der Ball sitzt im Eck. Einmal, zweimal. 22:20. Plötzlich steht es doch 22:22, jetzt zieht auch Frühwirth einen Auszeit-Joker. Mit Erfolg. Geißbarth schlägt auf, sammelt ein Triple ein. 25:22. "Wir haben uns von der Kulisse einschüchtern lassen", sagte TSV-Trainer Jussi Giama später.

Ihre Konsequenz lassen die Kurstädter aber im kurzen Päuschen. 1:4. Jetzt ist irgendwie auch mal Frühwirth unzufrieden. 2:6. Auszeit. Frühwirth nimmt sich Johannes Küffner vor, korrigiert. Frühwirth lümmelt auf seinem Schulbank-Stuhl, streicht sich den Dreitagebart. 3:8. 5:10. 6:13. Vor allem die beiden Außenangreifer Julian Wenig und Christopher Kern kommen immer besser in Fahrt. "Die beiden sind für die Liga schon sehr stark", sagte Robert Auerochs. Coach Frühwirth reagiert, bringt Stamm-Zuspieler Lukas Schwarz und Punktegarant Benjamin Wolff für Johannes Bauer und Auerochs. Aber die Sechziger wirken von der Rolle. 6:15. Frühwirth holt sich sein Team nochmal vor die Bank.

Auch mit Unterstützung der beiden Schiedsrichter holt der TVW auf. Geißbarth-Serie,15:18. Auszeit Eibelstadt. 17:19.

Beim 19:19 egalisiert Bad Windsheim erstmals in dem Durchgang den Rückstand. Eibelstadts Trainer Jussi Giama versteht die Welt nicht mehr. Beim Stand von 22:22 holt Wolff das Katapult raus. 23:22. Die Konzentration beim TVW ist aber immer noch nicht stabil und Eibelstadt erkämpft sich den Satzgewinn. Da ist sogar die DJane überrascht. Doch rasch findet der Fanclub-Clan wieder die Stimmen.

Die knapp 150 Zuschauer reiben sich kurz die Augen. Und im dritten Satz schalten die Sechziger einen deutlichen Gang rauf. Frühwirths einziges Problem ist es nur noch, die Kinder seiner Spieler zu überzeugen, doch bitte nicht genau in Feldnähe zu spielen, wo die Eltern doch gerade dabei sind, die Kräfteverhältnisse zurechtzurücken. 25:11 im absoluten Schnelldurchgang, einer Viertelstunde. Die Sechziger bestellen jetzt schon gedanklich ihre Lieblingspizza samt Kaltgetränk in der Stammgaststätte.

Und das ist das Problem. Nachdem es in Durchgang vier anfangs weiter etwas zu einfach erscheint, drehen die Sechziger ihre Konzentration doch nochmal runter, lassen ein 12:12, ein 12:13 und später ein 14:17 zu, ehe Frühwirth die Geduld verliert, per Auszeit nachjustiert. Doch es hilft wenig. 15:20. 17:21 – Auerochs wird extra für die Angabe eingetauscht. Netz. Bei 18:23 nimmt Xaver Frühwirth die nächste Besprechungspause. Doch Eibelstadt holt sich ein 19:25.

Das Übel nimmt seinen Lauf

Jussi Giama: "Ich habe meinen Jungs nach dem katastrophalen dritten Satz gesagt, sie sollen einfach die fantastische Stimmung hier genießen. Sie dürfen Fehler machen, sollen mehr Risiko gehen und sollen Spaß haben." In Kombination mit dem großen Problemchen des TVW, das "mit der Kopfsache", wie Frühwirth sagt, nimmt das Übel seinen Lauf.

Der Tiebreak ist eine enge Kiste und für jeden Volleyball-Freund ein Genuss. Alle Spieler auf dem Feld geben alles, es ist ein Duell auf Augenhöhe, bei dem die Eibelstädter das glücklichere Ende für sich haben. Beim 13:12 nimmt Frühwirth eine Auszeit, beim 13:14 die nächste. Eibelstadt kämpft um wichtige Zähler im Abstiegskampf, steht kurz vor dem doppelten Punktgewinn. 15:15. Jetzt ist Giama durch, hadert mit den Schiedsrichtern, jubelt, schlägt die Hände vor den Kopf. Geißbarth schlägt frei ins Aus. 16:17. Dann Schwarz kurz auf Meyerhöfer: 17:17. Doch erst stellt Wenig auf 18:18 und kurz darauf macht Kern das 19:21. "Uns ist es wohl wie den Zuschauern gegangen, wir waren uns zu sicher und dann haben wir nicht mehr zurückgefunden", sagt Robert Auerochs. Das Tape für die Seele der Sechziger muss vor dem Spitzenspiel in Amberg dennoch nicht so groß ausfallen, zu gut ist die Allgemeinsituation – auch wenn die Konzentration gegen einen Abstiegskandidaten mal nicht hoch genug gehalten werden kann.

TV Bad Windsheim: Subatzus, Küffner, Bauer, Auerochs, Markus, Geißbarth, Meyerhöfer, Herrmann, Catone, Ringler, Schwarz, Wolff. 

STEFAN BLANK

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