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Sonntag, 17.02.2019

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Klosterchor: Sanierung wird zum Millionen-Projekt

Maßnahmenpaket zur Sanierung von Klosterchor und Stadtbibliothek in Bad Windsheim soll mindestens 2,85 Millionen Euro kosten - 08.02.2019 09:24 Uhr

Relativ einfach soll die Instandsetzung des Dachbodens über der historischen Stadtbibliothek werden. © Archiv-Foto: Stefan Blank


Als erster Schritt sollen den Strebepfeilern "Socken" verpasst werden. Bohrpfähle sollen für weitere Sicherung sorgen und die Steifigkeit des Gebäudes am Klosterplatz erhöhen, das dazu tendiert, in südliche Richtung zur Husarengasse hin abzukippen. Die Krux: Die Bohrpfähle müssen überall gleichermaßen gesetzt werden, um nicht neue statische Probleme zu kreieren. "Das ist leider lästig, aber nicht zu vermeiden", sagte Keim.

"In relativ gutem Zustand" befinde sich das Dach des Gebäudes. Deshalb sei dessen Instandsetzung "eine relativ einfache Geschichte". Hoffnung auf eine zukünftige Nutzung des Dachbodens über der Bibliothek machte Keim aber nicht: Es fehle schlicht ein zweiter Fluchtweg.

Vor allem um die Optik geht es bei der Außenfassade. "Dort sind die Schäden zum Teil wirklich beträchtlich", sagte Keim. Das Mauerwerk litt über die Jahrhunderte unter den Zuglasten und auch der Witterung stark, immer wieder wurden Stellen ausgebessert, meist mit höchst unterschiedlichen Materialien. Hauptproblem bliebe auch nach den angepeilten Verbesserungen bei der Statik, dass das Mauerwerk viel Salz zieht, was die Steine beschädigt. Mit sogenannten Salzkompressen soll das Mauerwerk behandelt werden, um die Steine zu pflegen und damit deren Lebensdauer zu verlängern. Auf die Frage, ob die Fassade verputzt oder die bestehende Optik erhalten werden soll, sagte Keim: "Das Gebäude muss seine Haptik behalten." Verputzen komme deshalb nicht infrage, auch kaputte Steine sollen möglichst nicht ersetzt werden. "Das wurde die letzten 700 Jahre so gemacht", das reiche nun. Im Umkehrschluss hieße das aber auch, dass die Instandsetzung der Fassade sehr aufwendig und kleinteilig sein werde. Keim braucht "einen Handwerker, der ein Händchen dafür hat". Für die spätere Ausschreibung werde man deshalb Musterarbeiten anfertigen, an die sich die Firma halten soll.

Im Zusammenhang zu sehen sind Maßnahmen zur Sicherung des Steingewölbes über dem Chor sowie der Kampf gegen den Schimmel in der Bibliothek. Die Last der Bücher liegt auf dem Steingewölbe und sei eigentlich zu hoch für die Gebäudestruktur, sagte Keim. Spannanker zwischen den Etagen sollen für Abhilfe schaffen. Um das Schimmelproblem in den Griff zu bekommen, "wollen wir mal in einem Rutsch dafür sorgen, dass man die Ursachen für den Befall eliminiert": Eine Heizung soll für leicht höhere Temperaturen sorgen und damit die Kondensatbildung an den Wänden verringern, Kalkfarbe wiederum soll die kaum Feuchtigkeit durchlassende Leimfarbe ersetzen.

Aufwendig wird auch die Reinigung der Bücher. Alle auf einmal aus der Bibliothek zu schaffen, würde die Statik des Gebäudes völlig verändern. Also werde es auf eine "Massenrestaurierung" in der Bibliothek hinauslaufen, sagte Keim. Abschnittsweise sollen die Bücher vom Schimmel befreit werden. "Das ist eine ziemliche Quälerei, aber anders geht es wohl nicht."

Wenig sei laut Keim für den Klosterchor geplant, hier und da ein paar Ausbesserungen. Nur eine neue Verbindungstür sei dann noch denkbar, falls ein angedachter Anbau im Klostergarten mit bis zu 30 Quadratmetern Fläche für ein Stuhllager und sanitäre Anlagen verwirklicht werden sollte.

Blieben die Kosten: Trocken deckte Keim die Zahl 2 279 646,82 Euro auf. Da die Stadt auf Zuschüsse hofft, habe man die Kosten für jeden einzelnen nötigen Arbeitsschritt möglichst genau zu ermitteln versucht, erklärte Keim. So sei man bei der Zahl angelangt. "Eigentlich hätte es schlimmer kommen können nach unserem Gefühl", sagte Keim. Etwa 25 Prozent für Planungskosten kommen aber dazu, womit man bei etwa 2,85 Millionen Euro wäre. Nun sei aber der Stadtrat gefragt. Bürgermeister Bernhard Kisch ließ bei seinem Grußwort zur Versammlung durchblicken: "Das wird einiges von uns abverlangen. Aber wir wollen ja nicht bei Schritt A aufhören, sondern jetzt auch B sagen." 

BASTIAN LAUER

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