Sonntag, 17.02.2019

|

Kreisel wird auch ohne Zuschuss gebaut

Stadtrat hält im Sinne einer gelingenden Betriebsansiedlung am Projekt an der Illesheimer Straße fest - 04.02.2019 12:21 Uhr

Blick aus der Schwebheimer in die Illesheimer Straße. Hier soll der nächste Kreisverkehr entstehen. © Foto: Günter Blank


Kosten von 540 000 Euro schwirrten am Donnerstag durch den Sitzungssaal, im Haushalt sind bereits seit einem Jahr 600 000 Euro eingestellt. Seit 2009 liegen die Pläne für den Kreisel vor, der beim Ausbau der Illesheimer Straße angedacht war, dann vom Stadtrat wieder verworfen wurde. nun soll er doch gebaut werden, doch Fakt ist auch: Aktuell gibt es für den Kreiselbau der Kurstadt kein Geld vom Staat.

Nun mag sich, wer die Illesheimer Straße in besagtem Abschnitt befährt, durchaus fragen, wozu dort überhaupt ein Kreisel gebaut werden soll. Die momentane Verkehrssituation lässt Sinn und Notwendigkeit nicht erkennen. Der Ist-Zustand ist denn auch "nicht das Problem, das ist klar", sagt etwa Roman Greifenstein vom Stadtbauamt. Allerdings wird sich hier in Bälde einiges verändern. Wie berichtet wird die Firma Hartmann auf dem Areal östlich der Firma Franken Brunnen, zwischen Illesheimer Straße und dem Umspannwerk, ihr neues Domizil errichten und vom bisherigen Standort an der Westheimer Straße dorthin umziehen.

Das wird die Verkehrssituation auf einen Schlag verändern, die Markteröffnung dürfte zu einem deutlich erhöhten Verkehrsaufkommen, vor allem auch an Radfahrern und Fußgängern aus der nahe gelegen Westsiedlung, führen, schlussfolgert nicht nur Roman Greifenstein. Sichere, barrierefreie Übergange seien deshalb vonnöten, zumal an Ortseingängen wie diesem generell (zu) schnell gefahren werde. Geschwindigkeitsmessungen, welche auf Höhe der westlichen Einfahrt zu Franken Brunnen, also noch außerorts in der Tempo-70-Zone, durchgeführt wurden, hätten dies bestätigt. Der sogenannte V85-Wert liege hier bei 95 Kilometer pro Stunde. Das ist per Definition des V85 die Geschwindigkeit, die von 85 Prozent der gemessenen Fahrer eingehalten und von 15 Prozent überschritten wurde. Die ermittelte Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 83 Stundenkilometer. An drei Tagen seien dort 26 000 Fahrzeuge gezählt worden, relativ gleichmäßig über den Tag verteilt. "Hier ist immer Verkehr, hier ist immer was los", fasst Greifenstein die Erkenntnisse zusammen.

Das Problem der Bezuschussung ergibt sich für Greifenstein aus einem Förderkriterium, das da laute: "Wenn der bestehende Knotenpunkt durch den Kreisverkehr eine Verbesserung erfährt, ist er förderfähig." Dies wäre freilich erst der Fall, wenn die durch die Markteröffnung ausgelösten "neuen Verkehrsbeziehungen" bereits bestünden. Oder, wie Altbürgermeister Wolfgang Eckardt es formulierte: "Die Notwendigkeit kommt mit der Maßnahme."

Kurzum: Es gibt kein Geld vom Staat, und so regte sich im Rat vereinzelt neuer Widerstand gegen einen alten Plan. Dieter Hummel von der CSU etwa erinnerte daran, dass der Kreisel ursprünglich auch der Zufahrt zu einem westlich der Schwebheimer Straße geplanten Gewerbegebiet dienen sollte. "Und jetzt zahlen wir 540 000 Euro, um den Verkehr abzubremsen." Dies vermochte er nicht nachzuvollziehen: "Ich bin jetzt insgesamt a weng wirr – muss ich echt sagen." WiR-Fraktionssprecher Jürgen Heckel wollte ebenfalls "nicht 540 000 Euro für einen nicht notwendigen Kreisverkehr ausgeben" und stimmte wie sein Fraktionskollege Dr. Wolfgang Stadler und Hummel gegen die Umsetzung der Pläne.

Alle anderen anwesenden Ratsmitglieder waren zwar nicht glücklich ob der Förderabsage, hielten gleichwohl an dem in ihren Augen sinnvollen Projekt fest. "Es gibt keine Alternative zum Kreisverkehr, wenn wir dort eine vernünftige Betriebsansiedlung wollen", sagte Werner Spieler von der FWG. Rainer Volkert (CSU) stieß ins selbe Horn: "Wir müssen weiterdenken. Die Firma Hartmann wird dort Magnetfunktion haben." Und auch Matthias Oberth (SPD) äußerte zwar seinen Unmut über die Entwicklung, sagte aber: "Dennoch müssen wir dem zustimmen, alles andere wäre ein Schildbürgerstreich."

Für Bürgermeister Bernhard Kisch war der Fall ohnehin klar: Es sei gelungen, die Firma Hartmann in der Stadt zu halten, und man habe Vereinbarungen getroffen – welche laut Stadtbaumeister Ludwig Knoblach die Kostenübernahme für den Bau des südlichen Bereichs des Kreisverkehrs durch den Investor beinhalten. Nun, so Kisch, sollte man "die Dinge so in Einklang bringen, dass es bestenfalls fertig ist, wenn der Markt eröffnet wird". 

GÜNTER BLANK

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Bad Windsheim