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Lockenköpfchen sucht Schokolade

Das Kinderstück des Freilandtheaters feierte am Dienstag Premiere - 03.05.2012 10:04 Uhr

Ein paar Striche genügen, schon wird aus der Lebensmittelmarke 1071 die für Schokolade mit der Nummer 1077.

Ein paar Striche genügen, schon wird aus der Lebensmittelmarke 1071 die für Schokolade mit der Nummer 1077. © Stefan Blank


Viele Kinder und auch einige Erwachsene sitzen auf der bis zum letzten Platz gefüll­ten Tribüne im Hof des Alten Bau­hofs. Gespannt beobachten sie, was sich vor ihnen abspielt. Das diesjähri­ge Kinderstück Lockenköpfchen des Freilandtheaters veranschaulicht dem Nachwuchs die entbehrungsrei­che Nachkriegszeit. Der Krieg ist vorbei, das wenige Essen gibt es nur für Lebensmittel­marken und jeder hat Hunger. Käthe (Katharina Enser) und die kleine Struppi (Mirjam Enser), die als einzi­ge Hosen trägt, nutzen jede Chance, um sich zusätzlich etwas zu Essen zu besorgen. In der Auslage von Koloni­alwarenhändlerin Emmi Ständlein (Marion Schneller) gibt es immer mal wieder was abzugreifen – vor allem, wenn ihre Nichte Renate (Silvia Ferstl) absichtlich wegschaut.

Lebensmittelmarke 1077

Da wird im Radio bekannt gege­ben, dass es für die Marke mit der Nummer 1077 Schokolade gibt. Klar, dass sich die Bande um Käthe, also sie und Struppi, darauf stürzt. Schnell ist die Schokolade aufgeges­sen, doch hat das kleine Stück bei Struppi nur Hunger auf noch mehr gemacht. Außerdem stellt sie fest: „Eine Bande mit nur zwei Kindern ist keine richtige Bande.“ Kurzerhand nehmen die beiden die brave Inge (Clara Schmieg) mit den lockigen Haaren auf – und verlangen als Gegenleistung ihr Stück Schokolade. Denn in einer Bande würde schließ­lich geteilt, so Käthe.

Das Mädchen wehrt sich vergeb­lich, denn schon wird die Schokolade aus ihrer Rocktasche stiebizt und ver­nascht. Das macht die von allen Lo­ckenköpfchen genannte Inge traurig, denn die Schokolade wäre das Ge­burtstagsgeschenk für ihren kranken Bruder gewesen. Schuldbewusst ver­sprechen Käthe und Struppi, beim Besorgen von neuer Schokolade zu helfen.

Dabei schrecken die drei vor nichts zurück: Schwarzhandel, Lebens­mittelmarkenfälschung, Spionage. Ehe sie sich versehen, kommen sie dem Lebensmittelschieber Max Bier­mann (Peter Huber) in die Quere. Ob das wohl gut geht?

Trotz der widrigen Umstände der damaligen Zeit schafft es Regisseurin Luise Weber, dass das Stück vor Fröhlichkeit sprüht. Ob Käthe, Struppi und das doch nicht so brave Lockenköpfchen oder die Erwachse­nen des Dorfes, bei allem Hunger ver­lieren sie nicht ihren Mut und ihre Aufrichtigkeit. Sie setzen sich fürein­ander und gegen Unrecht ein. Dabei kommt es zu zahlreichen verzwickten und lustigen Situationen. Auch Zu­schauer, die dem Kindesalter bereits entwachsen sind, kommen bei dem Freiluftstück auf ihre Kosten.

Überzeugende Schauspieler

Bemerkenswert ist die schauspiele­rische Leistung von Clara Schmieg sowie Katharina und Mirjam Enser. Über die gesamte Dauer von etwas mehr als einer Stunde sind die Kin­der auf der Bühne präsent. Auch die Musik im Stück bringt das Flair der Nachkriegszeit rüber.

Beim Besuch des kurzweiligen Stücks sind eine Kopfbedeckung so­wie ausreichend Sonnencreme bezie­hungsweise eine Regenjacke empfeh­lenswert, denn die Tribüne bietet kei­nen Schutz.

  

SIMONE SCHINNERER

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