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"Mensch vor Profit": ÖDP-Referentin fordert Umdenken

"Eine bessere Welt kommt nicht von alleine", erklärte sie den Gästen - 02.04.2017 20:09 Uhr

Die Bundesvorsitzende der ÖDP, Gabriela Schimmer-Göresz, war Gast beim ÖDP-Kreisverband. © oh


Es sei inzwischen eine fortgeschrittene Demokratiemüdigkeit zu verzeichnen, die sich explosiv auf das Betriebssystem auswirke. Das Aufkommen extremer Parteien sei hier symptomatisch, die Krankheit heiße Postdemokratie mit der Folge, dass nicht mehr politisch, sondern ökonomisch regiert werde. Wichtige Entscheidungen würden zwischen den Eliten aus Politik und Wirtschaft ausgehandelt und Regierungen folgen in vorauseilendem Gehorsam den Unternehmensinteressen. Beispielhaft hierfür bezeichnete Schimmer-Göresz die Freihandelsabkommen CETA, TTIP und TiSA.

Der Welthandel sei fair zu gestalten. "Was wir brauchen, ist ein Wohlstand ohne Gier, der in Kreisläufen wirtschaftet, der klar unterscheidet zwischen Zukunftsfreundlichkeit und Zukunftsfeindlichkeit. Unsere derzeitige Politik ist weder kinder- noch enkeltauglich", so die Referentin. Einer marktkonformen Demokratie erteilte sie eine deutliche Absage. "Wir müssen rein in die Mitentscheidung und brauchen intelligente direktdemokratische Verfahren sowie einen behinderungsfreien Zugang zur demokratischen Teilhabe", so die Rednerin.

"Gutes Leben für Alle"

Die ÖDP fordere eine Abkehr von der Leitkultur der Verschwendung, Zerstörung und Spaltung. Dem Versprechen der Bundeskanzlerin "Wohlstand für Alle" setzt Schimmer-Göresz das "Gute Leben für Alle" entgegen. Die größte Herausforderung im 21. Jahrhundert sei es, allen Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen, ohne dabei den Planeten zu zerstören. Die Botschaft sei einfach: Unser Lebensraum, unsere Erde zuerst! Einzig darin sieht die Referentin eine Chance, den Fluchtgründen Armut, Hunger, Krankheit, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit den Boden langfristig zu entziehen.

Wer Waffen liefere, ernte Flüchtlinge. Wer einer ausgrenzenden Wirtschaft das Wort rede, ernte Flüchtlinge und wer seine Klimaschutzaufgaben nur halbherzig erledige, werde sich vor Flüchtlingen nicht mehr retten können. Daher seien verbindliche Regeln, im Inland per Gesetz und im Welthandel per Vertrag überfällig. Schimmer-Göresz fordert mit Papst Franziskus eine ganzheitliche Ökologie, eine Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialökologie, eine generationenübergreifende Gerechtigkeit und das Prinzip des Gemeinwohls.

Weg von der Spekulationswirtschaft

Sie bezeichnet den Mythos vom ständigen ressourcenbasierten Wachstum als Lebenslüge und fordert eine Wachstumswende, damit auch in Zukunft nachhaltige Arbeitsplätze Einkommen sichern helfen. Die Latte der politischen Forderungen, die den notwendigen Wandel möglich macht, ist lang: Ja zur Gemeinwohlökonomie und zur Anerkennung der familiären Sorgearbeit durch Gehalt und vollen Rentenanspruch. Ja zu einer menschlichen und wohnortnahen Gesundheits- und Pflegeversorgung.

Weg von der Besteuerung der Arbeit hin zur Ressourcenbesteuerung, um die Überhitzung des Klimas zu verhindern. Weg von der Spekulationswirtschaft - hin zur Realwirtschaft. Die Referentin hielt bei der Veranstaltung des ÖDP-Kreisverbands in Ulsenheim eine lange Reihe von Vorschlägen bereit, die samt und sonders mit Gerechtigkeit, Solidarität und Glaubwürdigkeit zu tun hatten und provozierte die Gäste:

"Eine bessere Welt kommt nicht von alleine. Sie wird nur kommen, wenn alle, die sich eine bessere Welt wünschen, auch aktiv dafür einsetzen". 

nb

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