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Obernzenn: Berge von Hausrat säumen die Straßen

Die Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser gehen weiter - Samstag Müllabholung - 01.06.2016 17:49 Uhr

Haufen mit kaputten Möbeln und anderem Müll säumen aktuell die Straßen von Obernzenn. © Bastian Lauer


An den Straßen, durch die noch am Sonntagabend die Fluten gestürzt sind, stapelt sich im­mer höher und breiter der Müll, den die Bewohner aus ihren Kellern und Wohnzimmern zutage schleppen. Lastwagen fahren containerweise Schutt und Schlamm aus dem Ort.

Ein Streifzug durch Obernzenn: Über dem Ort liegt der See. Des­sen Pegel geht nur langsam zurück. Zum Glück haben wir den, sonst wäre es noch schlimmer gekommen, hört man überall in den Straßen. Nur die Fußballer sind wohl nicht ganz glücklich: Ihr angrenzender A-Platz steht weiter zu zwei Dritteln unter Wasser.

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Obernzenn nach Unwetter von Wassermassen verwüstet

Die Straßen überflutet, die Pegel bedrohlich hoch: Im Markt Obernzenn (Landkreis Bad Windsheim/Neustadt an der Aisch) kämpften Feuerwehr und THW nach einem schweren Unwetter am Sonntagabend gegen die Wassermassen. Erdrutsche und unterspülte Bauten erschwerten den Einsatz der Einsatzkräfte, zahlreiche Autos standen unter Wasser. Eine Turnhalle war komplett überflutet.


An der Straße, die hoch zum Sportplatz und aus dem Ort hinaus in Richtung Sontheim führt, baggert eine Baufirma das Bankett neu aus. Die Straßengräben seien an einigen Stellen arg in Mitleidenschaft gezo­gen worden, sagt Bürgermeister Mar­kus Heindel: "Das sind Dinge, die können wir gleich machen, aber das wird uns einige Tage beschäftigen."

Wer die Uffenheimer Straße hinun­ter ins Dorf fährt, kann den Weg nachverfolgen, den die Wassermassen am Sonntag genommen haben. Mit jedem Meter mehr Dreck an den Hauswänden, noch kaputtere Gär­ten, mehr Müll auf dem Gehsteig.

Im Ortszentrum, Am Plärrer, dem tiefs­ten Punkt, war es am schlimmsten. Dort lief das Wasser nur langsam ab. Die Brücke über die Zenn bleibt ge­sperrt. Direkt neben der Brücke liegen drei große Müllhaufen: Lampen, Ti­sche, eine Couch. Gegenüber hat der Dönermann seine Bude schon wieder geöffnet. Bei Geschäftsräumen am Platz sieht es schlechter aus. Beim Supermarkt sei das ganze Lager voll­gelaufen gewesen, ist zu hören. Alles kaputt.

Die Überreste einer Friedhofsmauer in Obernzenn. Der weiße Kasten ist ein Herd, der in der benachbarten Halle gelagert war und angespült wurde. © Bastian Lauer


Die Aufräumarbeiten beim benachbarten Baugeschäft laufen auch noch. Hier kann die Feuerwehr nicht mehr viel tun. Sie hat leerge­pumpt, was leerzupumpen war, er­zählt Kommandant Harald Ried zu­frieden. Er sitzt mit einigen Kamera­den auf einer Bank am Gerätehaus in der Nürnberger Straße. "Wir hatten 78 Einsätze. Alle sind abgearbeitet", sagt Ried, stolz aber auch geschafft. 24 Stunden habe sei­ne Truppe mit bis zu 40 Mann ab Sonntag, 19 Uhr, durchgearbeitet. Seit Montagabend wurde es dann we­niger. Den Dienstag verbringen die Floriansjünger mit Kleidung und Ge­räte putzen, mit Ausrüstung warten.

Und mit gesteigertem Medien-Inte­resse. "Das haben wir schon so oft er­zählt", sagt Zwei­ter Kommandant Achim Wagner, der die Einsätze koor­diniert hatte. Fern­sehen, Radio, Printmedien. Alle wol­len sie ihre Geschichten haben. Von Helden und von Opfern. "Wir hatten alle recht wenig Schlaf", entschuldigt sich Ried schon fast. Doch es sei alles gut gelaufen. Wagner zollt ein Lob an alle Firmen, die den Feuerwehrlern den Rücken frei gehalten haben. Ried fügt an: "Und an die Kamera­den natürlich auch. Viele hatten selbst Probleme daheim. Da ist es sehr schwer, die Familie allein da­heim zu lassen."

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Zerstörung durch die Flutmassen: Das Aufräumen nach den Unwettern

Das schwere Unwetter hat am Sonntagabend im Zenngrund große Schäden verursacht. Nun sinken die Pegel wieder und die Menschen haben mit den Aufräumarbeiten begonnen. Keller wurden ausgepumpt und Straßen vom Schlamm befreit.


Ein paar Meter weiter ist mehr los als an einem Dienstagnachmittag üb­lich. Böse Gerüchte tragen ihren Teil dazu bei: Der Friedhof sei komplett zerstört worden. Viele Grab-Besitzer sehen nach dem Rechten und legen ein wenig Hand an. Doch es ging ganz gut aus. Vereinzelt liegen her­ausgerissene Blumenreste herum, ein dünner Matschfilm bedeckt noch ein paar Grabplatten. Nur eine Handvoll Grabsteine scheint stärker beschä­digt, fast alle stehen aufrecht da. Schlimm erwischt hat es nur die süd­liche Friedhofsmauer. Sie liegt in Einzelteilen da.

Direkt dahinter steht eine Halle mit großem Tor. Ein erster Verdacht erhärtet sich bei der nächsten Station. "Uns hat das Wasser voll getroffen. Hier im Hof stand ein Bus, der wur­de in die Halle geschoben und dann hinten durchs Tor wieder raus. Dann ging alles auf die­se Mauer am Friedhof", erzählt Thomas Ganser. Er wirkt sehr frus­triert. Sein Hof steht voll mit schlammbedecktem Müll, ein Contai­ner ist bereits bis oben hin vollge­stopft.

Zwei Autos stehen mit offe­nen Türen da. Zum Austrocknen. Außerdem einer dieser typischen amerikanischen Schulbusse. In Gelb. Und jetzt auch dreckbraun. Daneben der, der durch die Halle geschoben wurde. Total verdreckt mit allem, was die Wassermassen so mitge­bracht hatten. Ganser betreibt eine Firma, rüstet Autos mit Einzelteilen auf. "Oder manchmal richten wir auch einen Schulbus wieder her. Daraus werden dann Food Trucks", erzählt er und nimmt einen Zug von der Zigarette.

Durchatmen tut ihm gut dieser Tage. Und erzählen. "Da unten in der Gara­ge waren Geschäftsrechner, Einzeltei­le und Werkzeug. Alles kaputt", sagt er. Nur noch Schrott. "80.000 Euro sind nur das, was hier rumliegt“, sagt er. Plötzlicher Sturzregen Ganser ist einer, der einfach Pech hatte. Sein Haus liegt am vorderen Ende der Urphertshofener Straße, der Hof leicht unterhalb. Dort schlug das Wasser auf, das sich aus Egen­hausen wie ein Sturzbach auf Obern­zenn ergoss.

"Ich hab ein Hagelkorn abbekommen und dann begann es unglaublich zu regnen", erzählt er. Er hatte kein gutes Gefühl und begann, seine Bürosachen aus der Garage ins erste Stockwerk zu tragen. "Zwei Gänge habe ich geschafft, dann stand mein Hof schon unter Wasser", er­zählt er, noch immer ungläubig.

Es ist eines von vielen Schicksalen, die man dieser Tage aus der Gemein­de Obernzenn erzählen kann. Im Rat­haus herrscht entsprechend Hochbe­trieb. "Der Bedarf an Beratung ist groß", sagt Bürgermeister Heindel. Denn auf den Schock folgt die Er­kenntnis: "Wir bekommen langsam einen Überblick. Uns wird bewusst: Die Schäden sind enorm."

Die betroffenen Gemeinden Obernzenn und Flachslanden haben  Spendenkonten eingerichtet. Die Spenden werden dann von einem Gremium aus beiden Gemeinderäten nach Schadenshöhe und Bedürftigkeit der Betroffenen verteilt. Für Obernzenn hat sich auch über Facebook Hilfe formiert.

Spendenkonto

Flachslanden:
IBAN: DE14 7655 0000 0000 2305 16
BIC: BYLADEM1ANS
 
Obernzenn:
IBAN: DE82 7625 1020 0430 3001 45
BIC: BYLADEM1NEA

Das Landrats­amt lässt ab Samstag, 4. Juni, kosten­los den Müll abholen. Eine Anmel­dung bei der Abteilung Abfallwirt­schaft unter dem Stichwort Hoch­wassser unter Telefon 09161/92-470 ist erforderlich. 

Bastian Lauer

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