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Ohne Pflege hätte Knabenkraut keine Chance

Endspurt für Streuobst-Modellprojekt mit den Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf - 30.12.2018 16:35 Uhr

Die Initiative trägt mit der Verwertung der Früchte zum Erhalt der Streuobstwiesen bei. © Archiv-Foto: Hartmut Assel


"Da können wir nur Vorschläge machen", äußert sich Bocheneck ebenso zurückhaltend wie Projektkoordinator Markus Heinz von den Landwirtschaftlichen Lehranstalten und Burgbernheims Bürgermeister Matthias Schwarz. Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen fand dazu ein Ortstermin mit der Oberen Naturschutzbehörde statt. Die Hoffnung ist, dass sich auch die Pflege alter Streuobstbäume positiv auf das Ökokonto auswirkt und dadurch wieder stärker in den Fokus rücken könnte, unterm Strich soll die sukzessive Flächenreduzierung gestoppt werden. Norbert Metz vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken hat diese für den Zeitraum seit 1965 auf zirka 70 Prozent beziffert, eine große Rolle spielten Rodungsprämien, die bis Mitte der 1970er-Jahre gezahlt wurden. Gelebte Praxis ist die Anrechnung der Verjüngung beziehungsweise Pflege von Streuobstbeständen als Ausgleichsmaßnahme unter anderem in Baden-Württemberg.

Zusätzlich zu Bochenecks Datensätzen aus den drei Gemeinden soll ein Konzept für eine Probefläche von rund acht Hektar in den Abschlussbericht aufgenommen werden, informiert Projektkoordinator Markus Heinz. Darin aufgeführt wird zum Beispiel, wie sich Maßnahmen zur Entbuschung oder Neuanpflanzungen auf die Wertigkeit des Areals auswirken könnten. Dass die Probefläche in Burgbernheim liegt, ist kein Zufall, im Vergleich zu den anderen Projektgemeinden Lehrberg und Wendelstein hat die Stadt einen wesentlich höheren Bestand an Streuobstwiesen. Aber nicht nur das, würdigt Heinz die von verschiedenen Akteuren betriebene Pflege der Kulturlandschaft. Angefangen von der Verwertung der Früchte durch die Streuobstgenossenschaft Mittelfranken West bis zu Baumschnittkursen gebe es mehrere Bausteine, lobt er. "Das ist schon eine Beispielkommune."

Demgegenüber sollen in Wendelstein erst nennenswerte Bestände aufgebaut werden, so wurden als Teil des Modellprojekts speziell alte Baumsorten gepflanzt, erzählt Bocheneck. Dafür wurde auf Edelreiser-Bestände der Lehranstalten zurückgegriffen. In Lehrberg erfasste er viele Streuobstbäume am Straßenrand, die teils von Mitgliedern des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins gepflegt wurden, teils nicht. "Man sieht den Unterschied", begründet Bocheneck die Notwendigkeit von Maßnahmen wie etwa einen regelmäßigen Baumschnitt. Angesichts der weitläufigen Flächen in Burgbernheim und deren Lage braucht es dort laut Bocheneck zusätzlich tierische Unterstützung bei der Pflege: "Der Schäfer hält viele Flächen offen." Nur durch die beständige Beweidung selbst an Hanglagen haben Pflanzen wie Hauhechel mit ihren schmetterlingsförmigen Blüten oder seltene Knabenkraut-Arten eine Chance. "Überall sind unterschiedliche Blumen", gerät er ins Schwärmen.

Ende März läuft das Modellprojekt aus, Bocheneck hofft auf eine Verlängerung, darüber hat ebenfalls die Obere Naturschutzbehörde zu entscheiden. Bis dahin verfasst er seinen Abschlussbericht, in dem nicht zuletzt der hohe Anteil von Zwetschgenbäumen in der Burgbernheimer Flur einfließen wird. Darüber hinaus stieß er auf Besonderheiten wie alte Baumsorten, die sie entdeckten, als Stadtgärtner Ernst Grefig am Bahngleis einen alten Schafpfad freilegte. Sein persönliches Urteil über die Burgbernheimer Kulturlandschaft hat Bocheneck längst gefällt: "Es ist ein Schatz". 

Christine Berger

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