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Montag, 21.01.2019

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Projekt im Freilandmuseum: Synagoge, Bauernhaus, Ausstellungsraum

Teile des Gebetshauses aus Allersheim schlummern im Lager des Fränkischen Freilandmuseums in Bad Windsheim - 03.01.2019 17:08 Uhr

Sorgfältig war die Allersheimer Synagoge im Jahr 2014 von Fachfirmen abgebaut worden. © Archiv-Foto: Dieter Gottschalk


Restaurator Dieter Gottschalk (links) und Museumsleiter Dr. Herbert May wissen die Teile der Allersheimer Synagoge im Bauteilelager westlich des Museumsgeländes gut verpackt. © Foto: Gerhard Krämer


Dem gänzlichen Verfall nahe, fristete ein eigentlich unscheinbares Bauernhaus in der Allersheimer Hauptstraße sein Dasein. Von außen war es vielleicht nur für den Fachmann als Synagoge zu erkennen. Erbaut wurde sie um 1760. Die Synagoge in der Hauptstraße ist die zweite, die es in dem Dorf gab. Wo die erste stand, weiß man nicht mehr so genau.

Es ist der Verdienst des Referenten des Landesamts für Denkmalpflege, Hans-Christof Haas, dass die Allersheimer Synagoge in die Kurstadt kam. Der ausgewiesene Fachmann für Landsynagogen hatte die kulturgeschichtliche Bedeutung des Gebäudes richtig erkannt. Die Nische für die Thora wies das Haus als Synagoge aus. Im Gebälk des Dachstuhls zeigen kleine Bögen noch deutlich, dass dieser Raum einst mit einer Holztonne überwölbt war. Letzter Beweis war der Fund der Mikwe, ein Ritualbad. Als klar war, dass das Gebäude am originalen Standort nicht gehalten werden konnte, stimmte das Landesamt dem Abbruch und der Umsiedlung ins Freilandmuseum zu. Haas hatte zuvor den Kontakt zu Museumsleiter Dr. Herbert May gesucht und ihn auf die Landsynagoge hingewiesen.

"Für uns war das ein Glücksfall", sagt May. Schließlich seien nicht nur Katholizismus und Protestantismus für Franken bedeutsam, sondern auch das Judentum. Das Museum beherbergt die katholische Kapelle aus Rodheim (Gemeinde Oberickelsheim), Exponate zur Volksfrömmigkeit im Bauernhaus aus Kleinrinderfeld und in der Stadt die Spitalkirche mit der Geschichte des Protestantismus in Franken. Mit der Allersheimer Synagoge will das Museum der Bedeutung des fränkischen Landjudentums gerecht werden, zu dem es im Museum bislang keinerlei bauliche Zeugnisse gibt.

Sorgfältig wurde das Haus also abgebaut. Steinwände wurden durchgesägt, L-Schienen von beiden Seiten eingeschoben und miteinander verschraubt, das Ganze wurde mit Holzbalken verschalt und mit einem Kran auf den Tieflader gepackt. In Bad Windsheim angekommen, hob ebenfalls ein Kran die Teile herunter. In der Reihenfolge, wie die Teile für den Wiederaufbau gebraucht werden, sind sie auch gelagert. Auch die Ziegel und Balken sind mitgenommen worden. Sowohl das Landesamt als auch der Restaurator des Museums, Dieter Gottschalk, hatten das Gebäude sorgfältig untersucht.

"Was diese Synagoge so interessant macht, ist deren Geschichte, die vermutlich für viele Synagogen gilt", betont May und weist auf die Umnutzung zum Bauernhaus hin. Denn die Abwanderung der Juden in die Städte hätte Synagogen auf dem Land überflüssig gemacht. Bei der Allersheimer Synagoge gebe es zudem das komplette Raumprogramm wie Betraum, Wohnraum des Rabbiners, die vom Grundwasser gespeiste Mikwe und eventuell einen Schulraum, was aber noch nicht letztlich geklärt ist.

1911 war das Gebäude an einen Landwirt verkauft worden, das vermutlich nur bis etwa 1880 als Synagoge genutzt wurde. Der hatte das ursprüngliche Holztonnengewölbe, das den Betsaal überspannte, abgebaut. Doch der Großteil der alten Deckenbretter wurde für die Decke "zweitverwendet", freut sich Dieter Gottschalk. "Ich war enttäuscht, dass die Bretter nicht so farbig waren", gibt der Restaurator zu, nur auf einigen wenigen hat er Farbspuren gefunden. "Vielleicht war die Gemeinde nicht so reich", mutmaßt Gottschalk.

Dass der ursprüngliche Betraum nicht mehr vorhanden ist, macht May nichts aus. "Wir wissen, wie es ausgesehen hat." Zwar will man beim Aufbau den Betraum wieder andeuten, letztlich wird er jedoch Ausstellungsraum, ergänzt Gottschalk.

Der Teufel steckt im Detail

Doch das dauert noch einige Zeit. Denn gerade wird das Badhaus aus Wendelstein aufgebaut, das im Herbst 2020 fertig sein soll. 2019 will man jedoch mit den Planungen für den Synagogenaufbau beginnen. Der SPD-Antrag zum Aufbau der Synagoge im Freilandmuseum wurde in der Haushaltssitzung des Bezirkstages kurz vor Weihnachten beschlossen. Somit werden 2019 zur Planung und Konzepterstellung zum Wiederaufbau 100 000 Euro bereitgestellt. 2021 könnten nach Mays Worten die Gründungsarbeiten beginnen. Da es ein relativ kleines Gebäude ist, könnte es 2022 aufgebaut sein. Aber: "Der Teufel steckt im Detail", weiß May aus Erfahrung mit anderen Aufbauarbeiten.

Der Aufbau des Badhauses dauert laut May so lange, weil es wieder Badhaus werden soll. Bei der ehemaligen Synagoge dagegen wird es schneller gehen, weil sie Ausstellungsraum werden soll. Zu den Kosten des Aufbaus hält May sich derzeit noch bedeckt. Verlässlichere Aussagen könne man dann zeitnah zum Aufbau machen.

Auffällig am Synagogengebäude ist das schlichte Erscheinungsbild, das es kaum von einem Bauernhaus unterscheidet. Deswegen passt sie laut May vom Aussehen her auch hervorragend neben das Schulhaus aus Pfaffenhofen. Dort soll sie auf der bisherigen Grünfläche im Jahr 2022 dann stehen, womit das Freilandmuseum den Besuchern ein weiteres bedeutendes Stück Geschichte zugänglich macht. 

GERHARD KRÄMER

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