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Dort, aber auch in Reusch, Ickelheim, Ergersheim und Creglingen hat er Fotos erstellen lassen, aus denen er Zahlen und Buchstaben gewinnt. Seit 20 Jahren beschäftigt er sich mit Kirchenkunst, nicht als Historiker wie er betont, sondern als Ingenieur. Sein Handwerk hat er an der TU München und beim Militär gelernt. Viel Geld hat er schon in sein Hobby investiert, das bald Kunsthistorikern verlässliche Daten zur Entstehung von Werken zwischen 1400 und 1600 und deren Künstlern liefern soll. Wie seine Messmethode genau aussieht, ist noch ein Geheimnis. Er will sie als Patent anmelden.
Für objektiv und eindeutig hält der Techniker seine Erkenntnisse. Er meint, dem Kunsthistoriker dadurch einen Schritt voraus zu sein, komme der doch nur im Vergleich mit anderen Kunstwerken und durch Quellenstudium zu Ergebnissen. „Ich gehe den direkten Weg und gewinne die Daten direkt aus den Bildern“, sagt Schulze. Einige Kunstfälschungen habe er so schon entdeckt, meint er.
In Archiven schaut er auch nach, stellt seine Erkenntnisse in einen historischen und theologischen Kontext. Seinen eigenen Daten vertraut er aber weit mehr. Auf die schöne Wiebelsheimer Dorfkirche hatte ihn Georg Dietlein aufmerksam gemacht. Für den dortigen Altar hat Schulze mit seiner Methode ein Entstehungsdatum gewonnen. Große Teile davon sollen 1493/94 in der Werkstatt von Michl Erhardt und Hans Holbein in Ulm gefertigt worden sein.
Der 1966 vom Landesamt für Denkmalpflege herausgegebene Band zum hiesigen Landkreis geht von Hans Schäufelein und einem Mitarbeiter als Künstler aus. 1531, so sagt Schulze, wurden Teile neugestaltet, weil der Altar im Bauernkrieg beschädigt worden war und zu etwa dieser Zeit kam er wohl auch nach Wiebelsheim. Angefertigt wurde er angeblich für das Benediktinerkloster Auhausen in der Diözese Eichstätt.
Auch in Kirchenkunstführern ist vermerkt, dass Wiebelsheim damals zum Besitz des Klosters gehörte. Heute sieht der Altar anders aus als damals, ist sich der Techniker sicher. 1598 erhielt er wohl einen reformatorischen Aufbau, vermutet Schulze.
Ursprünglich, so meint er, müsste oben ein gekreuzigter Christus abgebildet gewesen sein. Auf die Herkunft aus dem Benediktinerkloster weisen noch heute die beiden großen Figuren auf den beiden aufgeklappten Altarflügeln hin: links der Ordensreformator Benedikt von Aniane und rechts der Heilige Bernhard von Clairvaux, ebenfalls ein klösterlicher Reformator.
Zum ersten Mal veröffentlichen will Jürgen Schulze Teile seiner Forschungen Ende nächsten Jahres. Und zwar zum Isenheimer Altar. Dann will er auch seine Messmethode erklären und sich dem Urteil der kunsthistorischen Fachwelt stellen.
