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Die Vier, das sind die fränkischen Pfarrer Helmut Spaeth aus Bad Windsheim, Alexander Seidel aus Gollhofen, Klaus Lindner aus Gülchsheim sowie Richard Tröge aus Segnitz mit ihrem „Fränkischen Kirchenkabarett“.
Um Autoschalter für Kirchenbesucher, Seelsorge-Homeservice und Erotik-Messen geht es unter anderem in ihrem rund zweieinhalbstündigen Programm. Zu Beginn gibt sich das Quartett etwas zurückhaltend, ja sogar unsicher, denn „ein Auftritt vor so vielen Menschen, das sind wir aus der Kirche nicht gewohnt“. Von mangelndem Selbstvertrauen ist FKK allerdings im weiteren Verlauf des Abends so weit entfernt wie manche Entscheidung der Kirchenoberen von ihren Gläubigen. Gnadenlos beackern sie das weite Feld von Amtskirche, Kirchengemeinde und machen auch vor ihren Amtsbrüdern nicht Halt.
Überhaupt Amtskirche: Halbe Pfarreien, leere Pfarrhäuser und die Leute auf dem Land, die nicht so schnell weniger werden wie die Pfarrer. In Gesprächen zur Problematik der halben Pfarrstellen reifte bei den Kabarettisten die Erkenntnis, dass ein Pfarrer besser von oben nach unten statt horizontal geteilt werden sollte. Sonst bekomme die eine Gemeinde den „hellen Kopf und die andere den Arsch“. Schließlich entwickelten sie die ultimative Lösung für das Dekanat Uffenheim - das Pfarrauto. Dieses kommt jede Woche einmal in die Dörfer und bietet so auf die Schnelle einen Gottesdienst, eine Trauung oder Taufe an, und dies alles im Auto, versteht sich.
Ob eine Hotline für Kircheneintrittswillige, die katholischen Glaubensbrüder in der ersten Reihe oder das Bierchen bei der Kirchenvorstandssitzung – „gesuffn hemmer doch scho bei der Landjugend“ –, das Fränkische Kirchenkabarett zeigt sich rücksichtslos, nimmt kein Blatt vor den Mund und verschont weder sein Publikum noch die Kirchenhierarchie.
Natürlich sollen die Kirchen auch wieder mit mehr Leben erfüllt werden. Wie wäre es beispielsweise mit der Einführung von frommen Karten mit Rabattsystem nach dem Motto „zehn Andachten besuchen, ein Abendmahl umsonst“. Oder ein Autoschalter für besonders Eilige oder ein Kirchencasting mit „Deutschland sucht den Superpfarr“. Eine Predigt via Webcam aus dem Pfarrhaus auf den heimischen Computer übertragen könnte zeigen, dass die Landpfarrer voll auf der Höhe der Zeit sind. Allerdings sollten eifrige Internet-Nutzer darauf achten, sich bei der Online-Predigt keine „Kirchentrojaner“ einzufangen. Sonst erfährt der Pfarrer von den besuchten anzüglichen Seiten und bittet per E-Mail zur Beichte.
Auch die Kirchenschläfer bleiben den Pfarrkabarettisten natürlich nicht verborgen. Die verschiedensten Arten haben sie schon ausgemacht, angefangen beim „Heckschnarcher“ mit dem Kopf im Nacken über den „Sozialschläfer“ mit dem Kopf an der Schulter des Banknachbarn bis zum „gebeugten Frontschnarcher“.
Auch singt sich das Quartett mit einer „Ode auf die Situation im Landeskirchamt“ den Frust über so manche Entscheidung von der Seele: „Droben in München muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen.“ Die vier Pfarrer nehmen kein Blatt vor den Mund, sie denken quer auf eine Art und Weise, die das Publikum zu spontanen Beifallsstürmen hinreißt, die kein Auge trocken lässt. Und das wiederum sei auch eine Art der Seelsorge, denn „was sich liebt, das neckt sich“, wie sie selbst ihre Haltung zur Kirche beschreiben.
Die drei Landpfarrer und ein Stadtpfarrer – sie haben es einfach drauf. Das hat sich inzwischen sogar bis Nürnberg herumgesprochen. Der Bayerische Rundfunk hatte eigens ein Kamerateam nach Mörlbach entsandt, um das Programm aufzuzeichnen.
