-1°

Mittwoch, 21.02. - 21:53 Uhr

|

Schneller ins Netz: Internetausbau nimmt Fahrt auf

Telekom rüstet mit Glasfaser nach - trotzdem bleiben Versorgungslücken - 20.01.2018 17:01 Uhr

Wo immer im Stadtgebiet und den Ortsteilen Tiefbauarbeiten anstehen, werden Leerrohre für Glasfaserkabel verlegt. Dieses Bild entstand im Kastanienweg in Bad Windsheim. © Stefan Blank


Im Dezember erhielt die Stadt den Zuwendungsbescheid für Errichtung und Betrieb einer sogenannten Hochgeschwindigkeits-Breitbandinfrastruktur in Lenkersheim-Nord sowie in den Neubaugebieten Am Gänswasen in Külsheim und An der Lach in Ickelheim. Im Frühjahr soll nun der Rest folgen.

Besagte Gebiete waren in den dritten Förderantrag aufgenommen worden, für den die Stadt nun den Förderbescheid erhielt. Laut Bürgermeister Bernhard Kisch hat die Stadt bereits Kontakt mit der Telekom aufgenommen, welche der wirtschaftlichste Bieter war und die Breitbanderschließung umsetzen wird. Wie Stadtwerkeleiter Thomas Hartlehnert ergänzte, habe man den Antrag im Mai 2017 gestellt, nach fünf Monaten eine Antwort erhalten und Ende 2017 die Förderzusage bekommen. Noch im Januar soll der Ausbauvertrag geschlossen werden.

Dieser werde zwar bezüglich der vollständigen Umsetzung eine Laufzeit von zwei Jahren statt des bislang üblichen einen Jahres beinhalten, dafür aber "mit Sanktionsmöglichkeiten" ausgestattet sein. Zudem gingen die Telekom-Verantwortlichen "davon aus, dass es schneller geht", sagt Thomas Hartlehnert.

Realität sieht oft noch anders aus

Aktuell sieht es  so aus, dass die Haushalte in Rüdisbronn, Lenkersheim, Wiebelsheim, Erkenbrechtshofen, Oberntief und Unterntief ab sofort sogenannte VDSL-Bandbreiten (VDSL steht für Very High Speed Digital Subscriber Line) bei der Telekom in Auftrag geben können. Glasfaser wird bis zu Verteilerkästen verlegt, von dort bis ins Haus werden zur Übertragung die alten, bestehenden Kupferkabel genutzt. Bandbreiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) seien "ab sofort" möglich, kündigte die Telekom vor Weihnachten an.

Stichprobenartige Prüfungen beim entsprechenden Internetservice der Telekom ergeben freilich ein anderes Bild. Hier werden für viele Adressen in den genannten Ortsteilen maximale Übertragungsraten von 16 Mbit/s angegeben, hier und da sind es maximal 50 Mbit/s. Nach Angaben der Telekom werden die "schnellen Bandbreiten" in Berolzheim noch in diesem Monat zur Verfügung stehen. In Humprechtsau sind bereits die Leerrohre verlegt und Glasfaserkabel eingeblasen.

Mit diesen Kabeln soll das Internet schneller werden. © Stefan Blank


Das Dorf ist zwar damit als erster Ortsteil komplett an Glasfaser angeschlossen, allerdings fehlen noch Haus- und Telefonanschlüsse. Ab dem Frühjahr soll alles betriebsbereit und buchbar sein. Auch in jenen Gebieten der Stadt, in denen die Telekom einen eigenwirtschaftlichen Ausbau betrieb beziehungsweise betreibt – wie berichtet gehören dazu nach einem zwischenzeitlichen Rückzieher des Unternehmens auch Ickelheim und Külsheim –, ist nach Telekom-Angaben "der Großteil der VDSL-Vectoring-Technik in Betrieb". Somit hätten rund 700 Haushalte im Stadtgebiet Zugang zu schnellem Internet.

Nach Fertigstellung von Restarbeiten in einem Teil Ickelheims sind auch dort die schnellen Bandbreiten bestellbar, im Bereich der Schwarzallee soll dies noch im ersten Quartal 2018 möglich sein. In der Bad Windsheimer Westsiedlung und im Galgenbuckgebiet hat die Telekom mittlerweile ebenfalls nachgerüstet. Sie bietet hier inzwischen VDSL-Vectoring-Technik mit mindestens 50 Mbit/s an. Eine Versorgungslücke seitens der Telekom gibt es lediglich noch zwischen der engeren Umgebung des Hauptverteilers im früheren Postgebäude in der Johanniterstraße und den "im Eigenausbau verbessert erschlossenen Außenbereichen", sagt Thomas Hartlehnert. Dort seien "noch nicht alle regulatorisch-rechtlichen Fragen geklärt, sodass hier aktuell das Vectoring noch nicht zum Einsatz kommt".

Konkurrenz durch Vodafone Kabel Deutschland

Eine Alternative zur Telekom bietet in der gesamten Kernstadt Vodafone Kabel Deutschland. Das Unternehmen hat bereits im vergangenen Jahr die Internetgeschwindigkeit seines Kabelglasfasernetzes auf bis zu 400 Mbit/s erhöht. Im Jahr 2019 soll laut Vodafone ein neuer Standard eingeführt werden, mit dem symmetrische Datenübertragungsraten für Up- und Downstream im zweistelligen Gigabitbereich möglich sein werden. Die von Kabel Deutschland eingesetzten Koaxialkabel sorgen schon jetzt über größere Entfernungen für geringere Leitungs- und damit Leistungsverluste, als diese beim Kupferkabel gegeben sind. Die Infrastruktur in puncto Breitband steht also in absehbarer Zeit komplett.

"Für Normalverbraucher sind wir damit weitgehend durch", sagt Thomas Hartlehnert. Darin eingeschlossen sei das Streaming, die zeitgleiche Übertragung von Bild- und Tondateien. Für gewerblich genutzte Anschlüsse könnten bei Bedarf Individuallösungen gefunden werden.

150.000 Euro zahlt die Stadt

Bei der Umsetzung der drei Bad Windsheimer Förderverfahren entsteht unterm Strich eine Deckungslücke von rund 727.000 Euro. Diese berechnet sich aus den Investitionskosten abzüglich der in sieben Jahren vom Anbieter zu erwartenden Einnahmen. 80 Prozent dieser Deckungslücke schließt der Freistaat Bayern, dieser steuert also gut 576.000 Euro bei. Der Eigenanteil, den die Stadt Bad Windsheim aufbringen muss, beträgt rund 150.000 Euro.

Sollten weitere Maßnahmen, etwa in Form von Nachbesserungen, bei der Breitbanderschließung nötig werden, hat die Stadt finanziell noch Spielraum, hofft Thomas Hartlehnert. Der Freistaat habe insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung und für jede Kommune eine Maximalförderung von 750.000 Euro in Aussicht gestellt. Weil landesweit noch nicht alles Geld abgerufen worden sei, die Stadt ihrerseits bislang erst eine Förderung von 576.000 Euro in Anspruch genommen habe, sei noch etwas Luft.

Vom Maximalausbau, sprich Glasfaser in jedes Haus, wie es bald in Humprechtsau angeboten werden wird, ist Bad Windsheim insgesamt aber noch weit entfernt. Dahingehende weitere Anstrengungen werden laut Thomas Hartlehnert in absehbarer Zeit auch nicht unternommen, weil man darin "derzeit keinen Sinn" sehe. Hier werde man zunächst etwaige Neu- oder Wiederauflagen von Förderprogrammen abwarten. Wo immer ohnehin aktuell Tiefbauarbeiten erfolgen, würden allerdings bereits jetzt als Speedpipes bezeichnete Leerrohre für Glasfaserleitungen verlegt.  

Günther Blank

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Bad Windsheim