Samstag, 17.11.2018

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SPD mahnt Barrierefreiheit am Bahnhof Steinach an

Sozialdemokratische Politiker beklagen langsamen Ausbau und erinnern Seehofer an seine Versprechen - 17.06.2017 14:53 Uhr

Harry Scheuenstuhl, stellvertretender Landrat Bernd Schnizlein, Ronald Reichenberg, Burgbernheims SPD-Vorsitzender Karl-Otto Mollwitz, Markus Rinderspacher, Emil Kötzel und der Vorsitzender der SPD Rothenburg, Christoph Rösch (von links), machen sich ein Bild vom barrierereichen Bahnhof in Steinach. © Katrin Müller


Eigentlich ist es Aufgabe der Deutschen Bahn, die Bahnhöfe für alle Menschen erreichbar zu machen. 2013 hat Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in seiner Regierungserklärung das Ziel vorgegeben, Bayern bis 2023 im öffentlichen Raum und im Öffentlichen Personennahverkehr barrierefrei zu gestalten. Das Konzept Bayern barrierefrei 2023 wurde erarbeitet.

Bisher sei noch nicht viel geschehen, kritisierte Rinderspacher. "Wenn es in dem Tempo wie bisher weitergeht, sind wir in 140 Jahren fertig", sagte Rinderspacher und präsentierte Zahlen: Etwa 1000 Bahnhöfe gibt es in Bayern, 520 davon müssen barrierefrei ausgebaut werden. Das sei laut Rinderspacher nicht nur für Menschen mit Handicap sondern auch für Familien, die beispielsweise Kinderwägen dabei hätten, dringend erforderlich. Nur über etliche Treppen sind die Gleise in Steinach zu erreichen. "Für Rollstuhlfahrer ist es hier zu Ende", sagt Scheuenstuhl bei der Besichtigung.

Dass sich selbst Radfahrer schwer tun, davon können sich die Politiker gleich selbst ein Bild machen, als die Regionalbahn Richtung Ansbach hält und eine Frau beim Hochheben ihres Gefährtes gefährlich ins Wanken gerät. Eine Mitarbeiterin aus Scheuenstuhls Büro steht daneben und hilft der Frau.

In Mittelfranken sind es 71 Haltestellen, die umgebaut werden müssten, betonte Rinderspacher. Dazu zählen die an der Strecke Neustadt-Steinach inklusive der beiden Endstationen. Von den zwölf Bahnhöfen, die bis 2021 mit Mitteln der Staatskasse ausgebaut werden, liegen laut Rinderspacher die meisten in Mittelfranken. "Die anderen schauen mit dem Ofenrohr ins Gebirge", sagte Rinderspacher.

2500 bis 5000 Passagiere steigen täglich in Steinach ein und aus. Das spreche seiner Meinung nach für einen schnellstmöglichen Ausbau des Bahnhofs. Zumal ein solcher "gar nicht so teuer" sei, drei bis zehn Millionen Euro, schätzt Rinderspacher – je nach notwendigem Aufwand. Zumal man etwa 1,3 Milliarden Euro mehr zur Verfügung habe, die man nach der Neuregelung beim Länderfinanzausgleich spare.

Das wäre auch für Kurgäste, die nach Bad Windsheim weiterreisen wollten, wichtig, betonte Bezirksrat Ronald Reichenberg. Immer wieder werde er angesprochen, dass selbst "normale Touristen" Probleme hätten, mit ihren schweren Koffern die Treppen zu den Gleisen oder zum Bahnhofsgebäude zu passieren. Dieses verfügt laut Gallmersgartens Bürgermeister Emil Kötzel nicht mal über Toiletten, obwohl der Bahnhof "zentral im Herzen Europas" gelegen sei und, wie die rund 40 stets überfüllten Parkplätze zeigten, von Pendlern aus der ganzen Umgebung genutzt werde. Auch der letzte verbliebene Fahrdienstleiter werde, sobald das Stellwerk elektronisch umgestellt ist, nicht mehr gebraucht, sagte Kötzel. "Früher haben hier mal 40, 50 Mann geschafft. Die Zeiten sind vorbei."

Doch was kann und wird die SPD tun? "Wir werden weiter politischen Druck ausüben und den Ministerpräsidenten an sein Versprechen erinnern", sagt Rinderspacher auf Nachfrage der Windsheimer Zeitung. 

KATRIN MÜLLER

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