Montag, 19.11.2018

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Teure Auflagen zwingen Schweinehalter zum Aufgeben

Zehn Prozent weniger Mäster im Fleischerzeugerring organisiert - 15.12.2016 14:11 Uhr

Immer weniger Landwirte in der Region verdienen ihr Geld in der Ferkelerzeugung oder Schweinemast. © Tamara Elias


Wie der fachliche Betreuer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach, Willy Fließer, bei der Jahresversammlung berichte­te, hatten lange Zeit die größeren Be­triebe ihre Bestände aufgestockt und aufgefangen, was mit der Aufgabe von kleineren Betrieben verloren ging. Doch jetzt gingen in der Schwei­nemast die Tierzahlen gegenüber dem Vorjahr von über 350.000 um 14.000 Tiere zurück. In der Ferkeler­zeugung setzte der Abwärtstrend schon vor sieben Jahren ein, als in den Ställen der Mitglieder des Rings noch über 30.000 Zuchtsauen gehalten wurden; jetzt sind es nur noch 20.297.

Die Hälfte des Rückgangs um rund 5000 Tiere entfiel dabei auf 2015. Verluste von über zwei Prozent Wie am Rande der Veranstaltung berichtet wurde, geben inzwischen nicht nur kleinere Betriebe auf, son­dern auch solche mit 200 Sauen. Ne­ben der ökonomischen Situation, nach der Stallbau-Investitionen nicht mehr zu amortisieren sind, gaben verschärfte Vorschriften zum Medi­kamenteneinsatz den letzten Anstoß zur Betriebsaufgabe. Die Auflagen hinsichtlich von Medikamenten in der Tierhaltung sind laut Fließer un­ter anderem Grund dafür, dass die Verluste auf zwei Prozent anstiegen.

"Nationale Lö­sungen sind oft unrealistisch"

Denn infolge des verschärften Arz­neimittelgesetzes überlege ein Land­wirt dreimal, ob er ein krankes Tier behandele oder es verenden lasse. Angesichts der schwierigen Situa­tion in der Schweinehaltung waren die Besucher gespannt, was ihnen Dr. Theodor Weber zu "Herausforderun­gen und Perspektiven für Veredlungs­betriebe" zu sagen hatte. Der in Geb­sattel geborene, gefragte Redner hat­te seine Beamtenkarriere am Land­wirtschaftsamt in Neustadt begonnen und war über die Landesanstalt für Betriebswirtschaft, bayerische Staats­kanzlei und EU-Kommission zum Mi­nisterialdirigent am Landwirtschafts­ministerium aufgestiegen. Einleitend hatte Dieter Förster (Neuherberg) als Vorsitzender des Er­zeugerrings festgestellt, dass die Tierhalter zu neuen und von der Ge­sellschaft geforderten Wegen bereit seien.

Doch wo bleiben die Familien, wenn der Weg hin zu noch größeren Einheiten führe? Das was aktuell hinsichtlich Stallhaltung gefordert werde, verursache nach seinen Wor­ten Mehrkosten von 45 Cent pro Kilogramm Mast­schwein. Weber geht da­von aus, dass die Lebensmitteler­zeugung auch in Zukunft mit Landbe­wirtschaftung verbunden sein werde. Schweinefleisch habe seit Langem bei der Ernährung eine wesentliche Rolle gespielt und das werde auch künftig so sein. Oft geforderte nationale Lö­sungen hörten sich gut an, seien aber nicht realistisch, sagte Weber, weil Wohlstand und Beschäftigung offene Grenzen brauchten. Als weltweites Problem sieht er die Verstädterung an. Dabei werde Bayern international als Lehrbeispiel für deren Vermei­dung angesehen.

"Die Ernährung ist sicherer, je mehr Betriebe es gibt."

Was die künftige Erlössituation an­geht, vermutet Weber, dass mehr als ein Inflationsausgleich bei den Schweinepreisen nicht drin sein wer­de. Er rechnet auch damit, dass viele politische Entscheider Gelder aus der Agrarpolitik umschichten wollen. Dabei geht er davon aus, dass die Entwicklung mehr vom Markt und der Gesellschaft und nicht von der Politik bestimmt wird. Der Referent glaubt, dass die Städter grundsätz­lich die Nähe zum Verbraucher suchen und mehr Transpa­renz wollen.

Hier biete die Digitali­sierung mit der Übermittlung von Fotos und Informationen gute Chan­cen, betonte Weber. Darin bestehe eine gewisse Möglichkeit, den ver­kürzten Informationen in den Mas­senmedien entgegen zu wirken. Denn: "Die Ernährung ist sicherer, je mehr Betriebe es gibt.", sagte Weber. Verabschiedet wurde Fritz Bayer aus Gödersklingen, der 35 Jahre so­wie Helmut Reuter aus Wallersdorf, der 31 Jahre lang Ringberater für Ferkelerzeugerbetriebe des Fleisch­erzeugerringes in Mittelfranken war. Als neue Ringberater vorgestellt wurden Simone Karnoll, Christina Pohl, Jochen Neuner und Brian We­ber. 

Fritz Arnold

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