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Tolle Tipps für Tiere an Silvester

Rückzugsmöglichkeiten, die Nähe des Besitzers und Medikamente können den Jahreswechsel erleichtern - 31.12.2018 08:26 Uhr

Würden Silvester gerne auslassen: Alaska (links) und Luise, die derzeit im Bad Windsheimer Hundehaus leben. © Nico Christgau


"Über 90 Prozent der Kommunikation läuft nonverbal ab", erklärt Tierärztin Dr. Jutta Backert-Isert. Das bedeutet: Zeigt der Hundebesitzer Angst, überträgt er diese auf das Tier. Stattdessen solle das Herrchen dem Vierbeiner mitteilen: "Ich bin dein Beschützer, dir passiert nichts." Bevor die Knallerei beginnt, sollte der Hundehalter noch einmal ausführlich Gassi gehen und schon am Nachmittag und frühen Abend beböllerte Gebiete meiden. Notfalls solle er mit dem Auto ein Stück "rausfahren".

"Man soll den Hund bei sich haben, nicht allein in ein Zimmer sperren", rät Backert-Isert, Musik oder der laufende Fernseher könnten mögliche Geräusche von außen übertönen und wichtig sei vor allem, dass sich das Herrchen "ganz normal" verhält. Für besonders schreckhafte und ängstliche Hunde und Katzen gibt es "Medikamente auf Aminosäurebasis, die die Angstspitzen nehmen". Auch Pheromone, also Duftstoffe, oder homöopathische Mittel könnten helfen, den Tieren ein wohliges Gefühl zu geben. Zusätzlich könne man sein Tier mit Leckereien oder dem Liebingsfressen verwöhnen. Kleinere Tiere wie Hamster oder Kaninchen verkriechen sich zwar, diese zeigten ihre Angst jedoch nicht so sehr, sagt Backert-Isert. Bei Vögeln könne es beispielsweise helfen, den Käfig abzudecken.

Melanie Harttung, eine der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen im Hundehaus, geht mit den derzeit drei dort untergebrachten Hunden an Silvester nicht mehr so spät Gassi. "Ein Sicherheitsgeschirr mit drei Bändern kann ich jedem empfehlen", sagt Melanie Harttung.

Dr. Jutta Backert-Isert mit Pensionskatze Aslan, die für einige Tage bei ihr zu Gast ist. © Nico Christgau


"Da ist es relativ ruhig", erklärt sie, vor zwei Jahren sei jedoch auch vor dem Tierheim an der Walkmühle geböllert worden. Die Hunde seien zwar allein über Nacht, doch die Schleusen seien geschlossen, sodass die Hunde nicht nach draußen können. Tierbesitzern rät sie, ebenso wie Backert-Isert, die Gassirunde etwas früher anzusetzen, Freigängerkatzen nicht nach draußen zu lassen und eine "Rückzugsmöglichkeit in der Wohnung einzurichten." Außerdem solle niemand sein Haustier alleine lassen und selbst auf Böller verzichten.

Während im Hundehaus derzeit wenig los ist, ist das Katzenhaus voll: 24 Katzen tummeln sich dort, drei von ihnen sind Pensionstiere, sagt Susanne Endress, Tierheimbeauftragte im Katzenhaus. "Wir machen das Freigehege zu", um die Geräuschkulisse möglichst klein zu halten, und Endress beziehungsweise ihre Kollegen werden die Rollos runter- und das Licht anlassen. Außerdem haben die Fellnasen genügend Möglichkeiten, sich zu "verkrabbeln und verkriechen", die meisten seien in Einzelboxen untergebracht, damit sie in dieser Stresssituation nicht aufeinander losgehen.

Vor Weihnachten seien weniger Katzen hergegeben worden, denn: "Lebendige Weihnachtsgeschenke vermitteln wir nicht", sagt Endress, damit haben die Verantwortlichen schlechte Erfahrungen gemacht und die Stubentiger seien schon vor Silvester wieder im Heim gelandet. Deswegen gebe es derzeit auch keine Öffnungszeiten, erst wieder ab 7. Januar.

"Silvester ist ein fürchterlicher Stress für alle Tiere", meint Dr. Annette Volkamer, Tierärztin und Vorsitzende des Tierschutzvereins Bad Windsheim. Sie selbst bleibt an Silvester zu Hause bei ihrem Hund und rät dazu, das Haus möglichst zu verdunkeln. Etwas skeptisch ist sie, was ein laufendes Radio oder Fernseher betrifft: "Das ist nicht einfach, auch da schießen sie." 

Nico Christgau

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