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Über 200.000 Kilometer für ein Pfund Honig

Imkermeister Jürgen Groß hält Vortrag in Weigenheim - Landwirtschaft kann viel für Bienenvölker tun - 19.09.2013 09:27 Uhr

Die Aktivitäten eines Bienenvolkes im Verlauf eines Jahres erläuterte Jürgen Groß an­hand einer Grafik. © Hans-Bernd Glanz


Thema seines Vortrages bei den Arbeitstagungen der Land­frauen in Rauschenberg und Weigen­heim (die WZ berichtete) war das Spannungsfeld Landwirtschaft und Imkerei. Rund 50 Millionen Blüten besucht ein Bienenvolk im Jahr. Dabei sam­melt es zwischen 15 und 20 Kilo­gramm Pollenkörner. 137 Tage herrscht Winterruhe im Stock, weiß der Imker. Im Gegensatz zu Hum­meln und Wespen überwintern sie als Volk, im Frühjahr können dann „20.000 Einzeltiere gleich losmar­schieren“. Eine einzelne Imme müsste für 500 Gramm Honig –„kein Futter, sondern Treibstoff für die Bienen“ – fünf Mal um den Globus fliegen.

Enormer ökonomischer Nutzen

Beeindruckende Zahlen aus der Welt dieser Tiere, die in der Ertrags­tabelle der Nutztiere nach Rindern und Schweinen den dritten Platz be­legen, berichtete Groß. Den ökonomi­schen Nutzen der Bestäubung durch Insekten beziffern Forscher auf rund 150 Milliarden Euro. Alleine für in­sektenbestäubte Feldfrüchte haben sie 761 Euro je Tonne errechnet. Mitt­lerweile sind die Bienen so friedlich, dass man zumindest die aus der Triesdorfer Zucht stammenden Nach­kommen „täglich streicheln und ein­mal in der Woche sogar küssen kann“, sagte Jürgen Groß in seinem kurzweiligen Vortrag.

Den beeindruckenden Daten über die Leistungsfähigkeit der kleinen Honigsammler stellte Groß andere Zahlen gegenüber. Der Imker zitierte aus einer Studie eines EU-For­schungsprojektes, nach der in den vergangenen 25 Jahren die Vielfalt der Bienen und der von ihnen be­stäubten Blütenpflanzen „signifikant zurückgegangen“ ist. Eine Rolle spie­le dabei die Landwirtschaft. Einer­seits sei eine Vielfalt von Lebensräu­men für die Tier- und Pflanzenwelt erst durch eben diese entstanden. An­dererseits sei die Biodiversität durch Monokulturen und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gefährdet, ei­nige Arten würden dadurch sogar aussterben.

Blühende Randstreifen

Diese Aussagen will Jürgen Groß so nicht unterschreiben. Bei den Ortsbäuerinnen nannte er noch ande­re Gründe. Die Ursachen seien viel­schichtig, eine Rolle spielten bei­spielsweise neben Bebauung und Entwässerung die Beseitigung von Sonderstandorten wie Mooren. Nicht zuletzt werden Weizen, Mais oder Zuckerrüben angebaut, weil sie nach­gefragt sind. Der Bienen-Fachmann hatte jedoch Beispiele mitgebracht, wie sich die ökonomischen Not­wendigkeiten eines bäuerlichen Be­triebes und der Schutz der Bienen in Einklang bringen lassen. Untersaa­ten unter Mais, Getreide oder Son­nenblumen blühen dann, wenn Obst­bäume, Löwenzahn und andere Frühtrachten verblüht sind und Zwischenfrüchte noch auf sich war­ten lassen.

Und letztlich helfen auch blühende Ackerrandstreifen und Blühflächen den Bienen. Hier wie dort gilt: „Je wilder desto besser“. Den Ortsbäuerinnen empfahl der Im­ker, die Fenstersimse anstelle von Geranien mit anderen Blühpflanzen zu schmücken. BBV-Vizepräsident Günther Felß­ner, der im Anschluss das Wort er­griff, nannte den Vortrag des Imker­meisters beispielgebend und kon­struktiv. „So redet man miteinan­der“, so gehe man - durchaus auch kritisch - miteinander um, meinte er.

Ehrenkreisbäuerin Christa Götz for­derte ihre Berufskolleginnen auf, als Ortsbäuerin „mit dem Gemeinderat, mit dem Bürgermeister“ zu reden, da­mit weitere Blühflächen entstehen. Vorbild seien die Obst- und Garten­bauvereine und Stadtgärtnereien, die auf Initiative des Gartenbaukreisver­bandes eine Vorreiterrolle spielen. 

gla

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