Freitag, 22.03.2019

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Verschollener Käfer lebt im Windsheimer Wald

Bei Forschungsprojekt über Totholzbewohner: Pantherbock und weitere geschützte Arten, die auf der Roten Liste stehen, gefunden - 13.03.2019 13:23 Uhr

Rusticoclytus pantherinus, genannt Pantherbock: Diesen extrem seltenen Käfer gibt es nur an zwei Orten in Bayern, einer davon ist nun nachgewiesenermaßen der Bad Windsheimer Stadtwald. © Fotos: Sebastian Vogel


In diesen Rohren, die derzeit in der Station der Uni Würzburg in Fabrikschleichach stehen, sind die Holzstücke gelagert.


Einmal im Monat nimmt Doktorand Sebastian Vogel die 42 unterschiedlichen Baumarten, von denen Astbündel aus dem Gebieten Gräf, Kehrenberg und dem südwestlichen Teil des Ickelheimer Waldes in 20 Zentimeter langen Kunststoffröhren lagern, unter die Lupe. Alle Käfer, die in den Röhren zu finden sind, werden erfasst, alles penibel dokumentiert. Ziel des Forschungsprojektes, bei dem auch Stadtförster Sven Finnberg eng beteiligt ist, ist auch die Optimierung von Naturschutzkonzepten im Wald. Am Ende sollen einfache, praxistaugliche Empfehlungen für den Schutz totholzbewohnender Arten in Wirtschaftswäldern gegeben werden. Ein "sehr, sehr schöner Fund nebenbei", wie es Sebastian Vogel nennt, waren nun drei "echte Höhepunkt-Käfer": Rusticoclytus pantherinus (Pantherbock), Agrilus guerini (Guerins Schmal-Prachtkäfer) und Leptophloeus juniperi (Wacholder-Halsplattkäfer). Bestimmt wurden die Arten von Käfer-Experte Heinz Bussler, der aufgrund der Artenvielfalt dort oft im Bad Windsheimer Stadtwald zu finden ist.

"Bislang haben wir bereits 97 Arten xylobionter Käfer mit über 24 000 Individuen", berichtet Sebastian Vogel auf Nachfrage der Windsheimer Zeitung. Darunter neun Erstnachweise für das Gebiet. Bei dem Forschungsprojekt wurden wie berichtet im März 2017 Astbündel von 42 Baumarten für ein Jahr ausgebracht. "Fast alle Arten, die dort natürlich vorkommen und dazu noch ein paar, die dort später gepflanzt wurden", erklärt Vogel. Eine Hälfte wurde in der Sonne aufgestellt, die andere im Schatten. Käfer, andere Insekten, Pilze und Bakterien konnten das Holz besiedeln. Im Februar 2018 wurden die Astbündel zur ökologischen Station in Fabrikschleichach gebracht und in die "Zuchtröhre" gelegt. Noch bis Ende 2019 werden xylobionte Organismen ausgezüchtet.

Herausfinden will das Team um Sebastian Vogel auch, ob und wenn ja welchen Einfluss die Baumart auf xylobionte Käfer hat. Laut Sebastian Vogel wurden zwar schon Vergleiche vorgenommen, diese hätten jedoch meist nur zwischen Laub- und Nadelbäumen oder sehr wenigen Baumarten stattgefunden. Die jetzt verwendete Baumartenzahl mache das Experiment einzigartig in Europa und temperaten Waldökosystemen.

Des Weiteren wird erforscht, wie sehr sich baumartspezifische Eigenschaften wie Chemie, physikalische Parameter oder Biogeographie auf Gemeinschaften totholzbewohnender Käfer auswirken, auch um Rückschlüsse für den Naturschutz und den Erhalt der Artenvielfalt zu ziehen.

"Ein Abschluss des Projekts mit finaler Auswertung ist bis Ende 2019 vorgesehen", teilt Sebastian Vogel mit. Bis dahin werden wohl auch noch zehn bis 20 weitere Käferarten auftauchen, schätzt der Naturschutz-Experte. Besonders spannend sind für die Forscher die Erstnachweise, von denen das Projekt bislang bereits neun Arten für den Bad Windsheimer Stadtwald hervorgebracht hat. "Das Gebiet ist schon speziell", sagt Sebastian Vogel. Etwas überrascht sei gewesen, als Heinz Bussler den Pantherbock identifizierte, der zur Familie der Bockkäfer gehört und etwa zehn bis 20 Millimeter groß ist. Gefunden wurde der Pantherbock ausschließlich an Salweiden, er ist in Deutschland "sehr selten", sagt Vogel. In den vergangenen 100 Jahren habe es bayernweit nur Nachweise in Ebenhausen und Bad Windsheim gegeben, daher wird er auf der Roten Liste in der höchsten Gefährdungskategorie null eingestuft, deutschlandweit ist es Rote-Liste-Kategorie eins, also vom Aussterben bedroht. 

STEFAN BLANK

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