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Völkerwanderung in Reblagen: Der "WeinWanderTag"

Alle Generationen und deutschen Dialekte waren in Ipsheim vertreten - 03.09.2017 19:07 Uhr

Weinbauvorstand Rudolf Fähnlein, Königin Anna, stellvertretende Oberbürgermeisterin Lilli Vicedom, Weinbauminister Christian Schmidt, Bürgermeister Frank Müller, MdL Hans Herold und Bezirksrat Marco Kistner (v. l.) eröffneten den Ipsheimer "WeinWanderTag". © Harald Munzinger


Waren die Weinnester zum Teil noch bei strömendem Regen eingerichtet worden, lachte die Sonne vom Frankenhimmel auf das muntere Geschehen in den 30 Hektar großen Rebanlagen, durch die Abertausend Gäste in einem endlos scheinenden Besucherstrom wanderten. In fröhlichen Runden waren alle Generationen anzutreffen und deutschen Dialekte zu hören. Dass darunter auch deutlich vernehmbar der sächsische war, freute Weinbauvorstand Rudolf Fähnlein, der an der Spitze der Gästegruppe auch aus Schwarzenberg die stellvertretende Oberbürgermeisterin Lilli Vicedom aus der Partnergemeinde Erla Crandorf willkommen hieß.

Dass sie - von Nenzenheim stammend – meinte, dass der Iphöfer Wein der Beste sei, wurde ihr dieser Fauxpas mit der Höflichkeit des Gastgebers verziehen und umgehend vom Ipsheimer MdL Hans Herold korrigiert: "Die besten Weine kommen inzwischen von der Mittelfränkischen Bocksbeutelstraße". Der Frankenwein sei mit hohen Qualitäten "so gut wie noch nie", meinte Weinbauminister Christian Schmidt bei der "Blitzvisite" als Schirmherr des "WeinWanderTages" bei dessen Eröffnung an der "Sonnenuhr". Die sollte das strahlende Symbol des Tages und der Hoffnungsträger zugleich für sonnige Herbsttage bis zur Hauptlese Mitte September sein.

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"WeinWanderTag": Winzer freuen sich über tausende Besucher

Wie es einst Goethe beschrieb, erlebten die Weinberg-Wanderer in Ipsheim Franken als "gesegnet Land". Der Weinbauverein und die Winzer freuten sich über zahllose Besucher in bester Laune bis in den frühen Abend hinein.


"Auf mehr Wetterunbill einstellen"

Der Bundeslandwirtschaftsminister war beim Blick zurück auf die Frostnächte im April mit damals befürchteten höheren Ernteausfällen überzeugt, dass man sich "auf mehr Wetterunbill einstellen" und auch vorbereiten müsse. Im Fall der Weinberge wäre dies gegen Frostschäden mit der Vereisung von Blüten durch aufgesprühtes Wasser oder "Fluggeräten" zur Verwirbelung wärmerer Luftschichten möglich. Die US-Army hatte im Frühjahr entsprechende Einsätze wegen der Lärmemission und aus Haftungsgründen abgelehnt.

Minister Schmidt deutete neue Möglichkeiten zur Unterstützung der Winzer an, deren Arbeit übers ganze Jahr zur Hege und Pflege der Lagen und Weine er würdigte und erklärte, dass man sich auch über Verbesserungen der Vermarktung und zur Stärkung der "Initiative ländliche Entwicklung" Gedanken mache. Mit MdL Herold und zahlreichen von Bürgermeister Frank Müller willkommen geheißenen WeinWanderern stimmte Christian Schmidt überein, dass einem beim Blick über die Rebanlagen in die Windsheim Bucht "das Herz aufgeht". Der Landtagsabgeordnete Hans Herold schwärmte über die Schönheit der fränkischen Landschaft, für die sich viele Menschen - wie etwa im Weinbauverein Ipsheim - ehrenamtlich einsetzten, was höchste Anerkennung verdiene.

"Weinloverstreet" von Nest zu Nest

Die zollte er auch dem "WeinWanderTagen" als seit 22 Jahren "großartige Ereignisse". Dass man sich diese ohne den Ipsheimer Musikverein unter der Leitung von Harry Eckart nicht vorstellen könne, stimmte er mit Weinbauvorstand Rudolf Fähnlein überein, der den Musikern denn auch in einer langen Begrüßungsliste den gebührenden Platz einräumte. Bezirksrat Marco Kistner meinte, dass man für "Frankens Mehrregion" dankbar sein müsse, der "WeinWanderTag" mit für ein Mehr an Genüssen und Abwechslung stehe und "nach mehr schmeckt".

Weinkönigin Anna Putz verlieh ihm das Prädikat der "Weinloverstreet", in der die Gäste schöne Stunden beim Genuss der Weine und vielfältigen kulinarischen Spezialitäten sowie musikalischer Unterhaltung verbringen und bei gemütlichen Wanderungen den Blick an das weitausladende Aischtal erleben sollten: "Genuss mit Weitblick" eben, wie es das Motto des Tages sein sollte, an dem auch Gelegenheit gegeben war, bei einer Führung mit Ehrenmitglied Rolf Kilian Interessantes über den Wein und die Burg Hoheneck zu erfahren, die der Lage ihren klangvollen Namen gab.

Kreativ und innovativ

So staunte man in großer Gruppe, dass der Weinbau 916 erstmals im Ortsteil Eichelberg mit dem abzugebenden Zehnt erwähnt ist, um die Jahrhundertwende mit den aus Amerika eingeschleppten Krankheiten samt Reblaus nahezu zum Erliegen kam und mit Einführung der Spritzmittel in den 1920-er Jahren wieder aufblühte.

Waren es einst kleinere Parzellen, die für den Haustrunk bewirtschaftet wurden, eröffnete die 1984 abgeschlossene und sieben Millionen Mark teure Weinbergsbereinigung den Winzern neue Perspektiven. Dass man diese kreativ und innovativ zu nutzen wusste, belegt Ipsheims heutige Bedeutung im fränkischen Weinbau ebenso wie die "Völkerwanderung" durch die Lagen mit den einladenden Weinnestern.

Schon am Freitag, 8. September, rücken Gemeinde und Winzer erneut in den Fokus der Region, wenn Königin Anna das dreitätige Weinfest am Kuhwasen eröffnet. 

Harald J. Munzinger E-Mail

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