Montag, 24.09.2018

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Wahrzeichen in Gefahr: Fäulnis bei Ahorn am Kurpark

Baum ist 200 Jahre alt und wird streng kontrolliert - 12.01.2018 06:35 Uhr

Zahlreiche Stahl- und Kunststoffseile sichern die Stammlinge des Ahorns. © Stefan Blank


Gerrit Lorrmann steht vor dem Riesen-Ahorn und streckt seinen Arm durch eine Öffnung ins Innere des Stamms. Der untere Teil des Baums ist nahezu komplett hohl. Auf die Frage "Welches ist denn das größte Problem des Baumes?" antwortet Lorrmann lachend: "Welches Problem hat er nicht?"

Rund 200 Jahre ist der Spitzahorn mit einem Stammumfang von rund 4,20 Metern und einem Durchmesser von etwa 1,33 Metern alt. Vom Seerosenbrunnen aus macht er einen imposanten Eindruck. Doch bei genauer Betrachtung sind Stangen und Verbindungsteile zwischen den Ästen nicht übersehbar.

Baum regelmäßig unter der Lupe

Vor etwa fünf Jahren hat Diplom-Biologe Rainer Gerber den Baum genauer unter die Lupe genommen, seitdem begutachtet er den alleinstehenden Riesen regelmäßig. Das Problem mit dem Faulen ist älter. Schon vor Jahrzehnten wurde der Hauptstamm "verbolzt", wie Lorrmann erklärt. Sprich, es wurden Gewindestangen montiert, die das Holz zusammenhalten. Da auch die Stammlinge deutlich sichtbar angefault sind, "besteht die Gefahr, dass einige nach außen wegbrechen", sagt Lorrmann.

Mit einer Größe von 28 Metern ist der Spitzahorn wohl der bedeutendste Baum des Kurparks. Doch Fäulnis macht ihm zu schaffen. © Fotos: Stefan Blank


"Ohne Sicherung würden sie es bei Sturmstärke nicht schaffen." Rund ein Dutzend Stahlseile und Kunststoff-Sicherungen in der Krone – "das Konstrukt hält den Baum zusammen", sagt Lorrmann. Doch wie heikel die Lage ist, wurde erst vor wenigen Wochen wieder deutlich. Der Baumpflege-Experte und sein Kollege Markus Stange rückten an, weil eine der Kunststoff-Sicherungen, die etwas locker hängen, unter Spannung stand. Der nördlichste Stammling hatte sich weiter nach außen bewegt. Nun werden nach und nach alle Kronen-Sicherungen ausgetauscht und die Äste gekürzt und ausgelichtet, also kleine Äste entfernt, um die Belastung bei Wind zu verringern.

Das Ziel ist klar: "Wir versuchen ihn so lange wie möglich zu erhalten. Scheuen keine Kosten und Mühen. Dafür muss er aber stand- und bruchsicher sein." Jedes Unwetter ist aber ein Test. "Wenn er einen Orkan überleben würde, wüssten wir, dass alles noch gut ist", sagt Lorrmann und schiebt mit traurigem Unterton hinterher: "Sollte das einmal nicht mehr der Fall sein, also Stämmlinge rausbrechen, wären wir gezwungen, ihn zu fällen." Und der Kurpark würde eines seiner Wahrzeichen verlieren. 

Stefan Blank

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