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Weltmusik unter freiem Himmel

Beim Bad Windsheim Classic bot Jacaranda Klänge, die Raum und Zeit verbinden - 24.05. 10:22 Uhr

BAD WINDSHEIM  - Den Namen ei­nes afrikanischen Baumes hat sich das Ensemble Jacaranda während ei­ner Afrika-Tournee zugelegt. Er ver­rät nichts darüber, was den Zuhörer erwartet.


Ein Konzert etwas anderer Art bot Jacaranda am Samstagabend auf dem Martin-Luther-Platz. Das Openair war Teil eins aus der Reihe Bad Windsheim Classic 2011.
Ein Konzert etwas anderer Art bot Jacaranda am Samstagabend auf dem Martin-Luther-Platz. Das Openair war Teil eins aus der Reihe Bad Windsheim Classic 2011.
Foto: Tim Hale
Ein Konzert etwas anderer Art bot Jacaranda am Samstagabend auf dem Martin-Luther-Platz. Das Openair war Teil eins aus der Reihe Bad Windsheim Classic 2011.
Ein Konzert etwas anderer Art bot Jacaranda am Samstagabend auf dem Martin-Luther-Platz. Das Openair war Teil eins aus der Reihe Bad Windsheim Classic 2011.
Foto: Tim Hale

Der Büh­nenaufbau mit den vielen Instrumen­ten verwirrt ein wenig. Selbst wenn man den Namen der Instrumente wüsste, könnte man nicht viel damit anfangen. Immerhin sind die Musi­ker allesamt Mitglied der Branden­burger Symphoniker, das beruhigt, hat dann aber mit dem, was der Abend bietet, nichts zu tun. Außer einmal vielleicht, aber dazu später.

Die ersten Töne erklingen, tiefe Tö­ne, geblasen auf zwei Alphörnern. Ei­nige Vögel verlassen zeternd ihre abendlichen Ruheplätze in den um­stehenden Bäumen am Martin-Lu­ther- Platz, dann konzentriert sich al­les auf die Bühne und die fünf Musi­ker, die in den nächsten zwei Stunden höchst Ungewöhnliches präsentieren. Sie kündigen eine musikalische Reise durch die Zeit und rund um die Welt an. Diese Beschreibung trifft das Konzert recht gut, denn an Gen­res, Gattungen, Epochen und Stilrich­tungen lässt sich die Musik von Jacar­anda nicht festmachen.

Alphorn,Saxophon,Trommeln

Derwisch, das erste Stück des Abends, beginnt mit langen, ruhigen Alphornklängen. Da scheinen Titel und Instrument schon nicht zueinan­der zu passen. Das einsetzende Saxo­phon produziert osteuropäische Klänge, das Tempo steigert sich, an­getrieben von Trommeln, bis es mit Einsatz der Luren wild tänzerisch wird. Luren sind Blasinstrumente, die auf antike Vorbilder zurückge­hen. Damit zeigt sich schon der Span­nungsbogen, den die Musik schlägt: Uralte nordische Blasinstrumente treffen auf kaum ein paar Jahrhun­derte alte, in der Schweiz gebräuchli­che Alphörner und verbinden sich mit dem vergleichsweise noch ju­gendlichen Saxophon zu einer musi­kalischen Klangeinheit, der es an Vergleichen fehlt. Die Instrumente spielen dabei nicht die ihnen typi­scherweise zugeschriebene Art von Musik. So entstehen völlig neue Klangfarben.

Irische Vorbilder

Die musikalischen Themen schei­nen der Musik der Völker zu entsprin­gen. Teilweise tun sie dies tatsäch­lich, so beispielsweise in dem Stück „Kangding Love Song“, für das ein chinesisches Volkslied für Saxophon, Horn, Alphorn, Percussion und Ma­rimba bearbeitet wurde, oder in Kar­ry- Dance, das irische Vorbilder hat, wozu die Pennywhistle hervorragend passt, erstaunlicherweise aber genau­so gut das Alpendidgeridoo.

In „Solei du midi“ spielen die Alphörner dann endlich, wie man es sich in den Schweizer Bergen vorstellt, dazu übernimmt das Vibraphon den Klang der Kuhglocken, doch bevor es dem Zuschauer zu heimelig wird, erschallt aus einem geöffneten Fenster eines Hauses am Platz die Pennywhistle und mischt mit.

Aus Bachs Musikalischem Opfer

Um auf den Anfang zurückzukom­men: In „Madrugada“ wartet ganz klassisch das Fagott mit einem The­ma aus dem „Musikalischen Opfer“ von Johann Sebastian Bach auf, zu dem das Didgeridoo einen Grund legt. Aber inzwischen erstaunt es schon niemanden mehr, wenn Wald­hörner, Alphörner, Kastagnetten und Kesselpauken hinzu kommen und der Musik eine andere Wendung geben. In „Heartbeat“ fährt das Ensemble na­hezu alles auf, worauf sich schlagen oder Geräusch erzeugen lässt: Trom­melränder, Vibraphongestell, Con­gas, Maracas, Tempelblocks, Crotales – es klingt zunächst wie das Ticken und Klingeln in einem Uhrenladen, bis die Congas schließlich kräftig den rhythmischen „Herzschlag“ hören lassen.

Keines der Stücke an diesem Abend tritt in derselben Besetzung auf, und so wird es auch keine Sekun­de langweilig. Die Musik ist oft stark rhythmisch und percussionbetont. Es gibt aber auch ruhige Stücke, wie das Lied an den Mond „Canto della Lu­na“, ein Liebeslied, das sanft auf dem Horn geblasen von perlenden, sich auf und ab bewegenden Tonfolgen auf Vibraphon und Marimba um­spielt wird. Einen wahren Wirbel ent­facht das Stück „Play with Fire“, das mit energiegeladener Percussion und virtuos gespielter Marimba einen mitreißenden Abschluss bildet.

Angklungs aus Indonesien

Doch damit noch nicht genug. Für das begeisterte Publikum gibt es eine Zugabe. Dazu holen die Musiker In­strumente hervor, die bisher noch nicht im Einsatz waren. Mit den aus Indonesien stammenden Angklungs, einfachen, eher klappernden als tö­nenden Instrumenten unterschied­lichster Stimmung, gelang es den Mu­sikern erneut, das Publikum in Er­staunen zu versetzen. Schade nur, dass junge Zuhörer an diesem Abend nahezu gar nicht vertreten waren. 



Barbara Glowatzki

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