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Zu wenige Pfarrer für zu viele Pfarreien

Reiner Redlingshöfer nahm Abschied von seinen sechs Tiefgrund-Gemeinden - 21.09. 11:22 Uhr

KÜLSHEIM   - „Ich habe immer ver­sucht, der Stimme Gottes Raum zu geben.“ Dies sagte Pfarrer Reiner Redlingshöfer bei seiner Verabschie­dung in Külsheim. Vor gut sechs Jah­ren war der Geistliche nach Lenkers­heim gekommen, seit März 2008 be­treute er die damals neu gegründete Tiefgrundpfarrei mit ihren sechs Ge­meinden – eine nicht immer leichte Aufgabe. Mitte September war er zur Kirchengemeinde Paul Gerhardt in Stein gewechselt.

Von Pfarrer Redlingshöfer und seiner Frau Tina verabschiedeten sich die Gläubigen in einem Festgottesdienst in der Walburgakirche.
Von Pfarrer Redlingshöfer und seiner Frau Tina verabschiedeten sich die Gläubigen in einem Festgottesdienst in der Walburgakirche.
Foto: Privat
Von Pfarrer Redlingshöfer und seiner Frau Tina verabschiedeten sich die Gläubigen in einem Festgottesdienst in der Walburgakirche.
Von Pfarrer Redlingshöfer und seiner Frau Tina verabschiedeten sich die Gläubigen in einem Festgottesdienst in der Walburgakirche.
Foto: Privat

Voll besetzt war die Walburgakir­che am vergangenen Sonntag: Ge­meindeglieder, Freunde und Kolle­gen waren gekommen, um sich von Pfarrer Reiner Redlingshöfer und sei­ner Frau Tina zu verabschieden. In seiner Predigt betonte er die Bedeu­tung der Familie, die zu Jesu Zeiten noch größer war. Denn Familien bo­ten Schutzräume, nicht nur soziale sondern auch wirtschaftliche. Sie wa­ren aber vor allem Ordnungsmächte, die für ihre Mitglieder vieles be­stimmten. Auch heute sei vieles im Leben geregelt. So gebe es eine „unge­schriebene Dorfordnung“, dass der Kirchengang einfach „dazu gehöre“. Allerdings könnten Regelungen und Strukturen der Verkündigung auch im Wege stehen, machte der Geistli­che auf ein Problem aufmerksam: Es gibt zu wenige Pfarrer für zu viele Pfarreien.


 

Falsche Distanz

Aus diesem Grund musste Red­lingshöfer versuchen, die Arbeit in sechs Gemeinden zu bewältigen. So konnte nicht wie gewohnt an Weih­nachten in allen Gemeinden zur glei­chen Uhrzeit Christvesper gefeiert werden. Aber Redlingshöfer machte auch deutlich: „Wer aus Frust über Veränderungen auf Distanz geht, der verpasst das Wesentliche.“ Und das Wesentliche sei nun einmal die christ­liche Botschaft. Auch zu Zeiten Jesu seien viele auf Distanz zu Christus ge­gangen. Denn seine Worte seien etwas Neues und für manche schwer ver­ständlich gewesen.

In seinen Gemeinden habe er im­mer versucht, der Stimme Gottes Raum zu geben, Ohren und Herzen zu öffnen, blickte Redlingshöfer zurück. Er habe intensive Augenblicke er­lebt, wenn er gesehen hat, wie sich diese Stimme entfaltet - in Gottes­diensten, bei Hochzeiten, Geburtsta­gen, aber auch in schweren Stunden. Denn „nicht Ordnungen und Struktu­ren sind das Entscheidende – sondern immer wieder neu auf Gottes Stimme zu hören.“

An Dekanin Gisela Bornowski war es, Reiner Redlingshöfer im Gottes­dienst zu verabschiedete und von sei­nen Aufgaben als Tiefgrund-Pfarrer zu entpflichten. Dafür hatte sie ein besonderes Bibelzitat ausgewählt, nämlich den Trauspruch des jungen Ehepaars Redlingshöfer - es hatte auf den Tag genau vor einem Jahr gehei­ratet. „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr allein lenkt seinen Schritt.“ Viele Gemein­deglieder hätten gehofft, dass ihr Pfarrer länger bleibe. Vor allem die Hochzeit habe Hoffnungen geweckt, da Tina Redlingshöfer aus einer Tief­grund- Gemeinde stammt.

Veränderungen und Rückschläge

Doch viele hätten es sich leichter vorgestellt, sechs Kirchengemeinden zu verwalten, den Tiefgrund zu verei­nen. Unter Redlingshöfer sei viel ge­wachsen, habe sich viel verändert, er­klärte die Dekanin. Sie verhehlte nicht, das es dabei auch Rückschläge und Missverständnisse gegeben hat. Insgesamt sei es aber eine „gute Zeit“ mit Redlingshöfer gewesen, aller­dings viel zu kurz, betonte die Geistli­che, für die er nicht nur ein guter Pre­diger, sondern vor allem auch ein gu­ter Seelsorger und Manager war.

Wie es mit den sechs Gemeinden ge­nau weiter gehe, ob eine längere Va­kanz folge, wisse man noch nicht, sag­te Gisela Bornowski. Sie sei aber zu­tiefst überzeugt, dass Gott einen Weg kennt, lenkt und begleitet. Auch wenn es „Schritt für Schritt geht - mit Umwegen, aber auch weiten Fort­schritten“.

Geistlicher hinterlässt Lücke

Hans Herold betonte in seinen Ab­schiedsworten, Redlingshöfer habe „Spuren hinterlassen“, sei ein „greif­barer Seelsoger“ gewesen. Er dankte auch den vielen Ehrenamtlichen, die bei dem „großen Kraftakt“, der Ver­waltung von sechs Kirchengemein­den, geholfen hatten. Auch Winds­heims Bürgermeister Ralf Ledertheil wünschte Redlingshöfer weiterhin viel Erfolg und dankte ihm für die ko­operative Zusammenarbeit. Der Pfar­rer werde „eine große Lücke“ hinter­lassen, bedauerte er ebenso wie Ips­heims Bürgermeister Frank Müller.

Pfarrer Günter Bauer aus Ergers­heim hielt eine „R-Rede“ für Reiner Redlingshöfer, weil „die Franken das R so schön rollen“. Er beschrieb sei­nen scheidenden Kollegen als redlich, regsam, rücksichtsvoll, rational, re­aktionsschnell und rekordverdäch­tig. Vor allem gebühre ihm aber Re­spekt. Dazu gab es auch R-Geschenke wie Rosen und Rotwein.

Auch Hartmut Assel vom Deka­natsausschuss zollte ihm seine Wert­schätzung für die „neuen Formen des Zusammenwirkens“. Erna Rienecker vom Kirchenvorstand hätte Pfarrer Redlingshöfer „gerne noch behalten“. Sichtlich gerührt verabschiedete sie sich auch von Tina Redlingshöfer, die in der Pfarrei als Organistin wirkte.

Reiner Redlingshöfer dankte ab­schließend den Gemeindegliedern, vor allem aber den 36 Kirchenvorste­hern, für die vertrauensvolle und in­tensive Zusammenarbeit. Sechs Jah­re sei er nun als Pfarrer tätig, quasi eine „Legislaturperiode“, wie es in sei­nem früheren Tätigkeitsfeld, der Poli­tik, heiße. „Man sagt doch, die erste Periode ist die Beste. Danach fallen die Politiker ab. Das wollte ich ihnen ersparen.“ 



CHRISTINA SCHIEWE

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