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Voll besetzt war die Walburgakirche am vergangenen Sonntag: Gemeindeglieder, Freunde und Kollegen waren gekommen, um sich von Pfarrer Reiner Redlingshöfer und seiner Frau Tina zu verabschieden. In seiner Predigt betonte er die Bedeutung der Familie, die zu Jesu Zeiten noch größer war. Denn Familien boten Schutzräume, nicht nur soziale sondern auch wirtschaftliche. Sie waren aber vor allem Ordnungsmächte, die für ihre Mitglieder vieles bestimmten. Auch heute sei vieles im Leben geregelt. So gebe es eine „ungeschriebene Dorfordnung“, dass der Kirchengang einfach „dazu gehöre“. Allerdings könnten Regelungen und Strukturen der Verkündigung auch im Wege stehen, machte der Geistliche auf ein Problem aufmerksam: Es gibt zu wenige Pfarrer für zu viele Pfarreien.
Aus diesem Grund musste Redlingshöfer versuchen, die Arbeit in sechs Gemeinden zu bewältigen. So konnte nicht wie gewohnt an Weihnachten in allen Gemeinden zur gleichen Uhrzeit Christvesper gefeiert werden. Aber Redlingshöfer machte auch deutlich: „Wer aus Frust über Veränderungen auf Distanz geht, der verpasst das Wesentliche.“ Und das Wesentliche sei nun einmal die christliche Botschaft. Auch zu Zeiten Jesu seien viele auf Distanz zu Christus gegangen. Denn seine Worte seien etwas Neues und für manche schwer verständlich gewesen.
In seinen Gemeinden habe er immer versucht, der Stimme Gottes Raum zu geben, Ohren und Herzen zu öffnen, blickte Redlingshöfer zurück. Er habe intensive Augenblicke erlebt, wenn er gesehen hat, wie sich diese Stimme entfaltet - in Gottesdiensten, bei Hochzeiten, Geburtstagen, aber auch in schweren Stunden. Denn „nicht Ordnungen und Strukturen sind das Entscheidende – sondern immer wieder neu auf Gottes Stimme zu hören.“
An Dekanin Gisela Bornowski war es, Reiner Redlingshöfer im Gottesdienst zu verabschiedete und von seinen Aufgaben als Tiefgrund-Pfarrer zu entpflichten. Dafür hatte sie ein besonderes Bibelzitat ausgewählt, nämlich den Trauspruch des jungen Ehepaars Redlingshöfer - es hatte auf den Tag genau vor einem Jahr geheiratet. „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr allein lenkt seinen Schritt.“ Viele Gemeindeglieder hätten gehofft, dass ihr Pfarrer länger bleibe. Vor allem die Hochzeit habe Hoffnungen geweckt, da Tina Redlingshöfer aus einer Tiefgrund- Gemeinde stammt.
Doch viele hätten es sich leichter vorgestellt, sechs Kirchengemeinden zu verwalten, den Tiefgrund zu vereinen. Unter Redlingshöfer sei viel gewachsen, habe sich viel verändert, erklärte die Dekanin. Sie verhehlte nicht, das es dabei auch Rückschläge und Missverständnisse gegeben hat. Insgesamt sei es aber eine „gute Zeit“ mit Redlingshöfer gewesen, allerdings viel zu kurz, betonte die Geistliche, für die er nicht nur ein guter Prediger, sondern vor allem auch ein guter Seelsorger und Manager war.
Wie es mit den sechs Gemeinden genau weiter gehe, ob eine längere Vakanz folge, wisse man noch nicht, sagte Gisela Bornowski. Sie sei aber zutiefst überzeugt, dass Gott einen Weg kennt, lenkt und begleitet. Auch wenn es „Schritt für Schritt geht - mit Umwegen, aber auch weiten Fortschritten“.
Hans Herold betonte in seinen Abschiedsworten, Redlingshöfer habe „Spuren hinterlassen“, sei ein „greifbarer Seelsoger“ gewesen. Er dankte auch den vielen Ehrenamtlichen, die bei dem „großen Kraftakt“, der Verwaltung von sechs Kirchengemeinden, geholfen hatten. Auch Windsheims Bürgermeister Ralf Ledertheil wünschte Redlingshöfer weiterhin viel Erfolg und dankte ihm für die kooperative Zusammenarbeit. Der Pfarrer werde „eine große Lücke“ hinterlassen, bedauerte er ebenso wie Ipsheims Bürgermeister Frank Müller.
Pfarrer Günter Bauer aus Ergersheim hielt eine „R-Rede“ für Reiner Redlingshöfer, weil „die Franken das R so schön rollen“. Er beschrieb seinen scheidenden Kollegen als redlich, regsam, rücksichtsvoll, rational, reaktionsschnell und rekordverdächtig. Vor allem gebühre ihm aber Respekt. Dazu gab es auch R-Geschenke wie Rosen und Rotwein.
Auch Hartmut Assel vom Dekanatsausschuss zollte ihm seine Wertschätzung für die „neuen Formen des Zusammenwirkens“. Erna Rienecker vom Kirchenvorstand hätte Pfarrer Redlingshöfer „gerne noch behalten“. Sichtlich gerührt verabschiedete sie sich auch von Tina Redlingshöfer, die in der Pfarrei als Organistin wirkte.
Reiner Redlingshöfer dankte abschließend den Gemeindegliedern, vor allem aber den 36 Kirchenvorstehern, für die vertrauensvolle und intensive Zusammenarbeit. Sechs Jahre sei er nun als Pfarrer tätig, quasi eine „Legislaturperiode“, wie es in seinem früheren Tätigkeitsfeld, der Politik, heiße. „Man sagt doch, die erste Periode ist die Beste. Danach fallen die Politiker ab. Das wollte ich ihnen ersparen.“
