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Bamberg erinnert an den Hexenwahn

Interesse an dunklem Kapitel der Stadt ist ungebrochen - 07.10.2012 12:31 Uhr

Im Hexenturm von Zeil waren die Menschen eingesperrt, die im Hochstift Bamberg der Hexerei bezichtigt wurden. Die meisten endeten auf dem Scheiterhaufen. Heute ist ein Dokumentationszentrum im Turm untergebracht.

Im Hexenturm von Zeil waren die Menschen eingesperrt, die im Hochstift Bamberg der Hexerei bezichtigt wurden. Die meisten endeten auf dem Scheiterhaufen. Heute ist ein Dokumentationszentrum im Turm untergebracht. © dpa


An das dunkle Kapitel Hexenverfolgung erinnert in der Stadt Bamberg kaum noch ein Ort. Man muss schon die 28 Kilometer nach Zeil am Main zurücklegen, um noch ein authentisches bauliches Zeugnis vom Hexenwahn des 17. Jahrhunderts zu finden. Im Hexenturm von Zeil waren die Menschen eingesperrt, die im Hochstift Bamberg der Hexerei bezichtigt wurden. Die meisten endeten auf dem Scheiterhaufen. Heute ist ein Dokumentationszentrum im Turm untergebracht.

Auch wenn bauliche Zeugnisse in Bamberg fehlen – das Interesse am Thema Hexenverfolgung ist ungebrochen. Den ganzen Herbst lang finden etliche Sonderveranstaltungen zu dem Thema statt. Vor genau 400 Jahren begann die erste Verfolgungswelle auf dem Territorium des Fürstbischofs, das heute in etwa die Region von Kronach bis Forchheim umfasst.

An diesem Dienstag (9. Oktober) eröffnet die Staatsbibliothek eine Sonderschau mit originalen Hexenprozess-Akten. Im 19. Jahrhundert waren die Akten noch als Altpapier verkauft worden, wie Bibliothekschef Prof. Werner Taegert sagt. „Durch günstige Umstände blieben sie erhalten und gelangten in verschiedenen Partien in die damalige Königliche Bibliothek Bamberg.“

Rund 1000 Menschen fielen in Bamberg dem Wahn zum Opfer

Hexenverfolgung gab es in ganz Europa, später auch den USA. Im Hochstift Bamberg fielen rund 1000 Menschen diesem Wahn zum Opfer. Heute noch bestimmt das Thema zeitgeschichtliche Diskussionen in Bamberg. So war vor einigen Monaten die Forderung laut geworden, irgendjemand müsse sich offiziell entschuldigen für das, was den unschuldig verbrannten Menschen und deren Familien angetan worden war.

Der Erzbischof? Doch der ist eigentlich nicht der Nachfolger des Fürstbischofs, denn bei der Hexenverfolgung agierte der Kirchenmann als weltlicher Herrscher. Trotzdem formulierte Ludwig Schick zum Bistumsjubiläum 2007 eine Vergebungsbitte. Der Oberbürgermeister? Auch nicht, die Stadtoberen sind ja früher selbst Opfer der fürstbischöflichen Hexenjagd geworden.

Mit den Veranstaltungen – Vorträge, Sonderführungen, Ausstellungen - wolle man die Diskussion bewusst versachlichen, sagt Robert Zink, Leiter des Stadtarchivs: „Wir erleben, dass das Thema regelmäßig in der Öffentlichkeit eine Rolle spielt. Wir wollen aber weg von der Legendenbildung. Wir wollen Aufklärung betreiben und den momentanen Forschungsstand zeigen.“

Erst 1630 endete die Verfolgung

Bloße Denunziation genügte, um jemanden dem Verdacht der Hexerei und Zauberei auszusetzen. Durch das damals legitime Mittel der Folter wurden von den Verhafteten immer weitere Namen erpresst. Es war ein Teufelskreis. „Es entstand ein Automatismus“, sagt Zink. Drei große Wellen der Verfolgungen und Hinrichtungen zählten Historiker in Bamberg. Um 1630 endete der Wahn. Ein kaiserlicher Erlass stellte die Verfolgungspraxis im Hochstift infrage. Auch marschierten die Schweden 1632 in das fürstbischöfliche Gebiet ein. Der Herrscher hatte andere Sorgen.

Warum aber kam es zu diesem 1000-fachen Tod auf dem Scheiterhaufen? Einen eindeutigen Grund mag Zink nicht ausmachen. Eine Reihe von Missernten dürften eine Rolle gespielt haben. Die Existenz vieler Bürger war bedroht. Die Menschen machten bösen Zauber dafür verantwortlich. „Wer war schuld an erfrorenen Feldfrüchten und der toten Kuh? Die böse Nachbarin.“

Heute wisse man, dass das die Zeit der kleinen Eiszeit war. Frauenfeindlichkeit sei als Motiv ebenfalls wichtig gewesen. Oft hätten auch Neid, Eifersucht oder Familienstreitigkeiten genügt, um den Automatismus von Denunziation, Verfolgung und neuer Anschuldigung auszulösen. Und: Es war die Zeit der Gegenreformation. Der Fürstbischof könnte die Furcht vor Hexerei bewusst zum Machterhalt genutzt haben. 

Kathrin Zeilmann (dpa)

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