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Flüchtlinge in Bamberg: Wie kann man helfen?

Die Stadt sieht sich der zusätzlichen Herausforderung gewachsen - 01.09.2015 15:47 Uhr

In acht Wohngebäuden der "Flynn-Housing-Area" auf dem ehemaligen US-Militärgelände werden ab Septemberg 2015 bis zu 1500 Asylbewerber aus dem Balkan untergebracht. © Markus Raupach


Frau Siebenhaar, die Aktion "Bamberg hilft" wurde von der Stadt ins Leben gerufen. Wie genau kam sie zustande?

"Wir erleben aktuell die größte Flüchtlingswelle seit dem Zweiten Weltkrieg, manche sprechen sogar von einer regelrechten Völkerwanderung. Angesichts dieser Herausforderung schien es Oberbürgermeister Andreas Starke wichtig, die virale Wahrnehmung für das Thema zu stärken und die Unterstützung in der Bevölkerung zu bündeln. Dazu bekam er Unterstützung aus der Politik, etwa vom Bezirkstagspräsidenten Günther Denzler und Landrat Johann Kalb. Zudem beteiligen sich die Kirchen. So haben etwa Dekan Hans-Martin Lechner und auch Erzbischof Ludwig Schick dazu klare Worte gefunden und signalisiert: Wer hier Hilfe braucht, wird sie auch bekommen."

Wie sieht der Weg für die Asylbewerber aus, wenn sie hier ankommen? Was ist ihre erste Anlaufstelle?

"Grundsätzlich ist dafür die Regierung Oberfranken zuständig. Dort werden die Menschen zunächst registriert und dann nach dem sogenannten Königssteiner Schlüssel auf die Städte und Gemeinden und Kommunen verteilt. In Bamberg gibt es für sie Gemeinschaftsunterkünfte in dezentraler Lage."

Unter den etwa 600 Flüchtlingen, die bisher hier leben, sind auch einige unbegleitete Jugendliche. Wie wird speziell auf deren Bedürfnisse eingegangen?

"Es gibt verschiedene Organisationen vor Ort, die sich um die ca. 90 minderjährigen Flüchtlinge in Bamberg kümmern. Das sind vor allem die Caritas, der Verein "Freund statt Fremd" und die Arbeiterwohlfahrt. Die Mitarbeiter unterstützen die Asylanten bei Behördengängen und bieten Deutschkurse an. Um sie ins das Bildungssystem zu integrieren, gibt es jedoch noch einiges zu tun, vor allem müssen noch weitere Kindergarten- und Schulplätze geschaffen werden."

In letzter Zeit gibt es immer wieder Berichte über Übergriffe auf Asylbewerber. Merken Sie auch etwas von dem Widerstand gegen die Migranten?

"Es gab ja im vergangenen Jahr zwei Kundgebungen von sogenannten "besorgten Bürgern". Doch solange den 100 Demonstranten, die zum Großteil gar nicht aus Bamberg kamen bis zu 4000 Bürger entgegenstehen, ist mir nicht bange um die Stadt. Es gibt jedoch eine zunehmende Verunsicherung bei den Menschen und damit einen wachsenden rechtspopulistischen Rand, wie auch die Gründung der Partei 'die Rechten' zeigt. Gerade hier sind auch die Medien als Übersetzer politischer Botschaften gefragt, keine zusätzlichen Ängste zu schüren."

Mitte September werden 1500 weitere Asylbewerber in Bamberg eintreffen. Denken Sie, auch im Hinblick darauf, dass Bamberg dem gewachsen ist?

"Ja, davon bin ich überzeugt, aber wir müssen die Ärmel hochkrempeln, um das zu schaffen."

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So können Sie sich engagieren:

Es existiert momentan noch keinen direkten Ansprechpartner für Flüchtlings-und Asylfragen in Bamberg, jedoch arbeitet die Stadtverwaltung laut Ulrike Siebenhaar daran, eine zentrale Anlaufstelle einzurichten, an die sich Asylsuchende wenden können. Bürger, die helfen möchten, können dies über verschiedene Organisationen tun, erläutert die Pressesprecherin: Die Caritas, die Arbeiterwohlfahrt und "Freund statt fremd" nehmen Geld- und Sachspenden entgegen.

Benötigt werden unter anderem Fahrräder für die unkomplizierte Mobilität, Kleider und Möbel. Essens- und Spielzeuggaben sollten jedoch erst mit den Hilfsorganisationen abgesprochen werden. Generell sei es in jedem Fall sinnvoll, sich bei den Einrichtungen zu erkundigen, wo momentan Bedarf besteht und welche Güter konkret benötigt werden, betont Ulrike Siebenhaar.

Kontakte:

Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg e.V.
Obere Königstraße 4b
Tel.: 0951 8604-0
E-Mail: info@caritas-bamberg.de

Arbeiterwohlfahrt KV Bamberg Stadt und Land e.V.
Hauptsmoorstr. 26 a
Tel: 0951 40 74 - 0
E-Mail: info@awo-bamberg.de

Freund statt fremd e.V.
Markusplatz 1
E-Mail: kontakt@freundstattfremd.de

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Elena Rauschert

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