|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Buchstaben, Zeichen, Sterne sind auf seine Haut gestochen. Wenn Evgeny Nikitin die Ärmel seines T-Shirts hochkrempelt, lugen die Tattoos hervor. „Im Spiegel sehe ich sie nicht mehr“, sagt der russische Bassbariton, der demnächst als „Fliegender Holländer“ erstmals in Bayreuth auf der Bühne stehen wird.
Zwei Jahre, nachdem ihn Katharina Wagner und Christian Thielemann für die Rolle auserkoren haben, erobert Nikitin den Grünen Hügel für die einzige Neuproduktion der diesjährigen Wagner-Festspiele. „Es muss gelingen, es wird ein Erfolg“, redet sich der 38-Jährige Mut zu beim Gespräch in Berlin im Juni.
Wenige Tage zuvor stand er in St. Petersburg für „Boris Godunow“ von Modest Mussorgski auf der Bühne. Das sei nicht sehr schlau gewesen, anderthalb Monate Knochenarbeit: „Ich bin kaum ausgeruht.“ Doch dann rafft er sich auf: „In diesem Beruf musst du Risiken eingehen – oder du trinkst nie Champagner.“ Das meint Nikitin allerdings nur bildlich. „Ich bevorzuge härtere Sachen.“
Von Murmansk am nördlichen Polarkreis („Dort, wo Harrison Ford den U-Boot-Film “K-19“ gedreht hat“) bis in den fränkischen Wald: Evgeny Nikitin redet manchmal so, als staune er über seine eigene Biografie. Es war nicht unbedingt die Oper, die für ihn bestimmt war. Sein Vater, ein Chordirektor, hatte zwar sein Talent gespürt und gefördert. Doch an der Musikschule lernte der junge Evgeny zunächst Schlagzeug.
Die ersten Auftritte seines Lebens absolvierte Nikitin in der Sparte Heavy Metal, die YouTube-Videos zeigen ihn in dunklen Räumen in Lederkluft. „Die Zeit als Schlagzeuger in der Metal-Band war entscheidend, um Rhythmus zu lernen“, sagt Nikitin. „Und es war sehr, sehr entspannend.“
Am Petersburger Konservatorium, wo auch Anna Netrebko gelernt hat, habe er dann zunächst den Wind der Konkurrenz gespürt. Dreimal bewarb er sich am Mariinski-Theater, bis es endlich klappte. Doch dann waren es immer nur Nebenrollen – „äußerst langweilig“.
Bis Waleri Gergijew, Petersburger Opernchef und Herrscher über Russlands Musikleben, ihn vor einer US-Tournee anwies, sich für die Hauptrolle von „Ruslan und Ludmilla“ vorzubereiten. Das sei „eine mörderische Partie“ gewesen, sagt er. Doch er bestand sie im Alter von 24 Jahren mit Bravour – oder, wie es mit Nikitin-Understatement heißt: „Die Kritiker haben mich wenigstens nicht in Grund und Boden geschrieben.“ Es war sein Durchbruch, er sang die Rolle in aller Welt, dann folgte „der Holländer“.
Ihm fehle diese dunkle, russische Stimmfarbe, sagt er. Für die deutschen Heldentenöre habe er aber genau das richtige, weichere Timbre. Kritiker loben seine deutliche Aussprache. Ob Pogner in der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“, Fasolt im „Rheingold“ oder Amfortas in „Parsifal“ – Nikitin ist zu einem der weltweit gefragtesten Wagner-Sänger aufgestiegen.
In München und in Berlin hat er schon große Erfolge gefeiert, vielleicht auch, weil er den Rat eines Kollegen ignorierte, nämlich Verdi nie in Italien und Wagner nie in Deutschland zu singen. „Für mich ist das uninteressant. Dann bleibst du stehen und entwickelst dich nicht weiter.“
In Bayreuth ist Nikitin jetzt in der Höhle des Löwen angekommen. „Ich werde mein Ding machen, hart arbeiten und um nichts Anderes kümmern – bis nach der Premiere am 25. Juli.“
|