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Sie war eine preußische Prinzessin und hätte ursprünglich den englischen Thronfolger heiraten sollen. Doch Wilhelmine (1709-1758), die Schwester von Friedrich dem Großen, wurde nach vielen Wirrungen am Potsdamer Hof schließlich „nur“ Markgräfin von Bayreuth. Doch die fränkische Provinz blühte auf dank Wilhelmine: Sie lockte viele Künstler nach Bayreuth und ließ unter anderem ein Opernhaus von Weltrang bauen.
In den kommenden Tagen soll die Entscheidung fallen, ob dieses Markgräfliche Opernhaus zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wird. Das Komitee tagt vom 24. Juni bis zum 6. Juli in St. Petersburg – in einer prachtvollen Stadt also, die Wilhelmine sicher inspiriert hätte. Ein gutes Omen also? Zu den Chancen will sich die Bayerische Schlösserverwaltung als verantwortliche Organisation für die Bewerbung nicht äußern. Als zweiter deutscher Bewerber geht die kurfürstliche Sommerresidenz Schwetzingen (Baden-Württemberg) ins Rennen.
Als „einzigartiges Monument barocker Theaterkultur“ preisen die Experten der Schlösserverwaltung das Opernhaus in der offiziellen Bewerbung. „Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth verkörpert in außergewöhnlicher Vollendung und Erhaltung den Typus des höfischen Opernhauses und Festraumes des 18. Jahrhunderts, der neben dem Schloss- und Kirchenbau wichtigsten Repräsentationsplattform der absolutistischen Gesellschaft.“ Nirgends sonst finde sich noch ein solches authentisches Zeugnis. Um die Fest- und Opernkultur des Barock zu erfassen, müsse man meist auf Text- und Bildquellen zurückgreifen. Denn: Brände waren in Theaterräumen nicht selten in einer Zeit, in der es noch kein elektrisches Licht gab, und auf der Bühne mit Kerzen und Öllampen hantiert wurde. Später wurden auch viele Häuser umgebaut und anderen Stilen, Sehgewohnheiten und Aufführungsmoden angepasst.
Bayreuth aber blieb ein Barockjuwel – mit aufwendigen Deckenmalereien, Verzierungen und Säulen. Auch von den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs blieb das Opernhaus verschont. Einst lockte Wilhelmines Prachtbau, für den sie den damals führenden Theaterarchitekten Giuseppe Galli Bibiena engagiert hatte, auch Richard Wagner (1813-1883) nach Bayreuth. Der heute weltberühmte Komponist wollte seinen „Ring“ hier aufführen, doch das Haus schien ihm dann doch nicht passend. In Bayreuth blieb er aber trotzdem – und errichtete dort mit Unterstützung des bayerischen Königs Ludwig II. sein Festspielhaus.
Mit einem Unesco-Welterbetitel für das Markgräfliche Opernhaus aus dem 18. Jahrhundert könnte die Stadt sich aus der historischen Dominanz des Komponisten etwas befreien. „Wir erhoffen uns Impulse“, sagte Manuel Becher, Geschäftsführer der Bayreuth-Marketing- und Tourismus-GmbH. Das gelte vor allem für die Monate außerhalb der Festspielzeit. „Für viele Menschen verschwindet Bayreuth ja am Ende der Festspiele am 28. August von der Landkarte.“
Sollte Bayreuth in St. Petersburg Erfolg haben und künftig zu dem illustren Kreis der Welterbestätten gehören, dann ist das Vergnügen für Kulturinteressierte und Touristen aber nur kurz – denn es steht eine umfangreiche Sanierung des Opernhauses bevor, die Kosten dafür beziffert der Freistaat auf 19 Millionen Euro. Ein Zugang zum Gebäude dürfte zunächst nur sehr eingeschränkt möglich sein, ein Abschluss der Arbeiten wird bis 2016 erwartet.
Dabei zeigt ein Blick in die Nachbarstadt Bamberg, dass das Unesco-Label ein Gästemagnet ist. „Welterbe ist ein Zugpferd“, sagt der Bamberger Tourismus-Chef Andreas Christel. Zwar darf sich in Bamberg die komplette Altstadt Weltkulturerbe nennen, während es in Bayreuth nur ein Gebäude wäre – trotzdem ist Christel offen dafür, dass die dann drei möglichen Welterbestätten in Franken eng zusammenarbeiten. Schließlich ist auch die Würzburger Residenz Weltkulturerbe. „Das dürfte ein zusätzliches Interesse am Reisegebiet Franken geben. Ich kann mir durchaus vorstellen, Kooperationen zu schnüren“, sagt Christel.
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