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Brutaler Überfall in Fürth: Täter muss lange in Haft

Geschwätziger Knastkumpel hatte mit Vermögen geprahlt - und lieferte so Spur - 04.12.2018 05:31 Uhr

Für die TV–Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" wurde der Raubüberfall in Fürth von Schauspielern nachgestellt. Nun wurden die Täter verurteilt. © ZDF


Es klingelte, eine Frau öffnete am 2. November 2016 im Fürther Stadtteil Eigenes Heim gegen 17 Uhr ihre Tür. "Sie war zur falschen Zeit am falschen Ort", sagt Anwalt Michael Spengler zwei Jahre später im Landgericht Nürnberg-Fürth. Was den Opfern widerfahren sei, sei "der absolute Horror", meint der Moderator in einer Folge der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" - mit Schauspielern wurde der brutale Raubüberfall nachgestellt. Und dank eines Hinweises eines Fernsehzuschauers, der die Sendung damals gesehen hatte, und einer DNA-Spur, konnten die Räuber geschnappt werden.

Als die Fürtherin, damals 50 Jahre alt, die Tür öffnete, standen zwei Männer vor ihr und gaben sich als Polizisten aus. Sie wurde sofort misstrauisch - doch ihr Widerstand wurde kaltblütig gebrochen. Sie und ihre damals 22-jährige Tochter wurden mit Klebeband und Kabelbindern gefesselt und geknebelt, dann geschlagen und mit Füßen getreten.

Der Tag, an dem das Zuhause plötzlich keines mehr ist

Die Frau und ihre Tochter, so schildert Anwalt Spengler, der die Frau heute als Nebenkläger im Gerichtssaal vertritt, wären später gerne umgezogen. Denn ihr Zuhause war seit jenem Abend plötzlich kein Zuhause mehr. Statt Sicherheit und Geborgenheit zu empfinden, fürchten sie sich in den eigenen vier Wänden, die Folgen des Überfalls haben sie noch nicht verarbeitet. Die Tochter hätte in ihrem Beruf mehr Verantwortung übernehmen können - doch dazu müsste sie in den frühen Morgenstunden aus dem Haus, wenn es noch dunkel ist. Sie sagte ab, denn das wagt sie nicht. Und einen Umzug können sich die Frauen nicht leisten.

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Die 2. Strafkammer hat gerade die beiden Männer, die für dieses Leid verantwortlich sind, verurteilt: Ömer T. (26) und sein Bruder Tahir T. (Namen der Betroffenen geändert) sind schuldig des schweren Raubes und der gefährlichen Körperverletzung, außerdem der Freiheitsberaubung. Neun Jahre verhängten die Richter gegen Ömer T., Tahir T. (34) muss sechs Jahre Freiheitsstrafe verbüßen, die Richter weisen ihn auch in eine Entziehungsanstalt ein.

Mann saß in der Straubinger JVA

Er habe seinen Bruder zu der Tat überredet, sagt Ömer T.; er selbst geriet schon als Kind mit dem Gesetz in Konflikt, kassierte Jugendarreste und hat nun, als 26-Jähriger, zehn Vorstrafen auf dem Kerbholz - zuletzt wurde er wegen eines Banküberfalls zu acht Jahren verurteilt. Er saß in der JVA Straubing, Bayerns Hochsicherheitsgefängnis für schwere Straftäter.

Dort lernt der Mann, der aus dem Großraum München stammt, den Ehemann des späteren Raubopfers kennen - auch dieser saß in Haft und prahlte damit, zu Hause ein Vermögen aufzubewahren.

Lottogewinn im Tresor

Dieses Geld wollte Ömer T. und machte seinen Bruder zum Komplizen. Dieser soll zunächst mehr Skrupel gehegt haben. Doch als Ömer T. behauptete, dass das Geld aus Drogengeschäften stamme - tatsächlich war es ein Lottogewinn - und die überfallenen Angehörigen bestimmt keine Strafanzeige erstatten würden, war er dabei. Geldnot hatte er ohnehin: Er plagte sich damals im Gemüseladen der Eltern und hatte aufgrund seiner Drogensucht und seiner Leidenschaft für Sportwetten einen Schuldenberg angehäuft. Bis heute kennt er nicht einmal die Höhe seiner Schulden.

An jenem Abend gab die Fürtherin das Geldversteck preis - auch weil Ömer T. drohte, die Frauen die ganze Nacht zu vergewaltigen. Mit 52.000 Euro Beute flüchteten die Männer. Ömer T. war damals Freigänger. Bevor er an jenem Abend zurück in seine Einrichtung fuhr, ging er in ein Wettbüro und setzte 100 Euro auf ein Fußballspiel.

Der Staatsanwalt hält ihn für eine menschliche Zeitbombe. Weil Raub und Erpressung Ömer T. bereits hinter Gitter brachten, forderte der Ankläger "Haft nach der Haft": Zehn Jahre und drei Monate Freiheitsstrafe soll, so der Antrag des Staatsanwalts, Ömer T. verbüßen. Und danach sollte er eingesperrt bleiben - in der Sicherungsverwahrung. Die Richter sind diesem Antrag nicht gefolgt. 

Ulrike Löw E-Mail

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