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Buß- und Bettag: Die meisten Bayern müssen arbeiten

Nur wenige Menschen im Freistaat haben am 22. November frei - 21.11.2017 09:18 Uhr

Der Buß- und Bettag gilt in der evangelischen Kirche als Tag der Besinnung und Neuorientierung. © Federico Gambarini/dpa


Der Buß- und Bettag (dieses Jahr der 22. November) ist in Bayern weder ein Feiertag noch ein gewöhnlicher Werktag, sondern eine Art Zwischenlösung: Das bayerische Gesetz über den Schutz der Sonn- und Feiertage listet ihn als sogenannten stillen Tag. Das heißt, dass Unterhaltungsveranstaltungen und, im Fall des Buß- und Bettags, auch Sportveranstaltungen verboten sind. Weitere stille Tage sind zum Beispiel Karfreitag oder Allerheiligen - nur, dass die meisten Arbeitnehmer an diesen Tagen frei bekommen.

Bis 1995 war das auch am Buß- und Bettag so. Der evangelische Gedenktag, der jedes Jahr im November auf den Mittwoch vor dem Totensonntag fällt, war damals in ganz Deutschland gesetzlicher Feiertag. Er wurde abgeschafft, als die Pflegeversicherung eingeführt wurde. So sollte die Mehrbelastung der Arbeitgeber ausgeglichen werden.

Nur in Sachsen gibt es frei

Seitdem ist der Buß- und Bettag bundesweit ein staatlich "geschützter" Feiertag. Nur Sachsen hat die ursprüngliche Regelung beibehalten, hier ruht die Arbeit auch dieses Jahr am 22. November. Die Feiertagsregelung ist Ländersache.

Im Rest der Republik genießen nur die Schüler uneingeschränkt das Privileg eines freien Tages. Auch das ist in Bayern durch das Feiertagsgesetz abgedeckt: In Artikel 4 ist dort festgelegt, dass der Unterricht an allen Schulen entfällt. Für die Eltern ist das häufig ein Problem. Sie müssen für den Bußtag nach Betreuungsmöglichkeiten außerhalb der Schule suchen oder sich einen Tag frei nehmen.

Nur evangelischen Arbeitnehmern spricht das Gesetz prinzipiell das Recht zu, an dem Gedenktag der Arbeit fernzubleiben. Einen etwaigen Lohnausfall müssen sie dann aber in Kauf nehmen.

Sonderregelung für Lehrer

Bei den Lehrern sieht es noch einmal anders aus: Sie haben zwar unterrichtsfrei, aber nicht dienstfrei, heißt es beim Kultursministerium. Um das Dilemma zu lösen, dass die Lehrkräfte arbeiten sollen, obwohl keine Schüler da sind, wird an vielen Schulen ein Pädagogischer Tag mit verschiedenen Veranstaltungen abgehalten.

An Universitäten wie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist der Buß- und Bettag ein normaler Werktag. Allerdings steht auch hier evangelischen Mitarbeitern prinzipiell das Recht zu, von der Arbeit fernzubleiben, soweit betriebliche Gründe das zulassen. Das komme aber nur im Einzelfall vor, heißt es bei der FAU-Pressestelle.

Geschäfte haben geöffnet - bis auf wenige Ausnahmen

Weil der Buß- und Bettag kein Feiertag ist, haben die Geschäfte eigentlich geöffnet. Allerdings nicht überall: Manche Gemeinden sträuben sich dagegen, den Feiertag aufzugeben. So bleiben zum Beispiel in Gollhofen im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim alle gemeindlichen Einrichtungen geschlossen. "Der Buß- und Bettag war schon immer ein wichtiger Feiertag für uns", erklärt der erste Bürgermeister Heinrich Klein, "das haben wir einfach beibehalten."

Auch in Burk im Landkreis Ansbach ruht die Arbeit vielerorts. "Die meisten Geschäfte haben zu", sagt Bürgermeister Otto Beck, auch die Gemeinde ist geschlossen. Dafür können die Bürger an diesem Tag vormittags oder abends Gottesdienste oder ein Buß- und Bettagskonzert besuchen.

Tag der Besinnung und Neuorientierung

Einen festen Termin für den Buß- und Bettag gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Die evangelische Kirche legte damals den Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres, dem Ewigkeits- oder Totensonntag, als Feiertag fest. Er dient zur Besinnung und zur Reflexion über individuelle und gesellschaftliche Themen wie Ausländerhass, Umweltzerstörung oder Ausgrenzung. Viele evangelische Gemeinden halten zu diesem Zweck Gottesdienste ab. Besinnung, kritische Lebensbilanz und Neuorientierung stehen im Mittelpunkt. 

Julia Ruhnau nordbayern.de E-Mail

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