Montag, 10.12.2018

|

zum Thema

Buttersäure-Anschläge auf Bordelle: Angeklagte gestehen

Hauptverdächtiger hat sich im Prozess bisher noch nicht zu Vorwürfen geäußert - 29.04.2018 16:22 Uhr

Im Prozess um mehrere Anschläge im Rotlichtmilieu hat sich der Hauptverdächtige bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. © Nicolas Armer


Vermummte Männer dringen mit Äxten in ein Bordell ein und schlagen alles kurz und klein. Einer von ihnen verspritzt auf dem Gang eine Flüssigkeit. Als die Männer weg sind, läuft eine junge Frau in Unterwäsche aus einem der Zimmer. Plötzlich hält sie sich die Hände vor Mund und Nase und rennt zurück.

Was man in dem Überwachungsvideo nicht sieht: Bei der Flüssigkeit handelt es sich um Buttersäure – eine ätzende Substanz, die penetrant nach Erbrochenem stinkt. Noch heute, eineinhalb Jahre später, stinkt es in dem Haus. Im Januar 2017 legten die Männer mit weiteren Komplizen im selben Gebäude Feuer. Ein Zimmer brannte völlig aus. In einem Video sieht man zwei Frauen aus einem Fenster im Erdgeschoss in den Schnee springen – barfuß und nur mit einem Bademantel bekleidet.

Werbeplakat für FKK-Club vor Schule aufgehängt

Nun müssen sich sieben Männer vor dem Landgericht Bamberg verantworten. Die sechs Täter, alle zwischen 25 und 27 Jahre alt, geben weitestgehend zu, was die Staatsanwaltschaft ihnen zur Last legt. Der Mann, der all die Anschläge in Auftrag gegeben haben soll, schweigt dagegen: Ewald W., 55 Jahre alt, kahlrasiert, grauer Vollbart, ist eine Bamberger Rotlicht-Größe. Laut einem Kripobeamten, der 20 Jahre lang im Milieu der Domstadt ermittelte, stieg W. Anfang der 90er Jahre in die Prostitution ein.

Vor acht Jahren eröffnete W. in der Bistumsstadt den angeblich größten Sex-Club Frankens. Wenig später sorgte er für Empörung, indem er gegenüber einer Schule ein großflächiges Werbeplakat für seinen 1500 Quadratmeter großen FKK-Club anbringen ließ. Lange hielt sich das Etablissement nicht. Ein anderes Bordell betrieb W. aber weiter. Im Jahr 2015 tat er sich mit dem heute 26-jährigen Dominic D. zusammen, den er später zu den besagten Anschlägen gedrängt haben soll. D. tat sich dafür mit weiteren Männern zusammen, die er von Drogengeschäften her kannte.

Brandanschlag traf Unbeteiligten

Außer den Buttersäure- und Brandanschlägen warfen die Männer, angeblich ebenfalls auf Befehl von Ewald W., einen Molotow-Cocktail auf das Auto von W.s Bruder. Ziel eines zweiten Anschlags war das Auto des Wettbewerbers aus dem Laubanger, doch wegen einer Verwechslung brannte stattdessen der Wagen eines unbeteiligten Sozialarbeiters aus. Dominic D. sagte aus, W. habe ihn, den Neuling im Gewerbe, angewiesen, den Frauen gegenüber dominant und als "Macher" aufzutreten. Zu den Anschlägen habe W. ihn jeweils angestiftet und gesagt: "Das mit der Buttersäure haben wir früher schon gemacht."

Tatsächlich berichtet der langjährige Rotlicht-Experte der Bamberger Kripo, dass es in den vergangenen 20 Jahren immer wieder solch übelriechende Attacken auf Etablissements in der Stadt gegeben hatte. "Ein Bordell wird dadurch mindestens ein halbes Jahr lang unbenutzbar." Aufgeklärt wurden die Anschläge nie.

Stadt Schloss zahlreiche Prostituierten-Wohnungen

Eine Häufung der Buttersäure-Angriffe verzeichnete die Polizei im Jahr 2010 – im selben Jahr, als Ewald W. seinen großen Sex-Club eröffnete und bei der Stadt einen Wildwuchs an illegalen "Modellwohnungen" beklagte. So werden Appartements in Mehrparteienhäusern bezeichnet, in denen Prostituierte ihre Dienste anbieten. Als das städtische Bauamt zahlreiche Modellwohnungen schließen ließ, hörten die Anschläge auf. Seit Ewald W. wegen der Tatvorwürfe in U-Haft sitzt, führt seine Lebensgefährtin, eine Prostituierte, die Geschäfte in seinem Bordell nördlich der Bamberger Innenstadt. Das Urteil wird im Juli erwartet.  

Philipp Demling

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Bamberg