-10°C
Samstag, 04.02. - 13:37 Uhr
Druckversion

Das Erlanger Poetenfest im E-Book Zeitalter

Wenn die Seiten noch rascheln: Diskussion über die Zukunft der Buchbranche - 29.08. 14:12 Uhr

ERLANGEN  - Elektronische Bücher und Lesegeräte stellen den Buchmarkt vor neue Herausforderungen. Beim 30. Erlanger Poetenfest diskutierten die Autoren Peter Glaser und Markus Albers über die Branche im Zeitalter der Digitalisierung und das Machtgefälle zwischen Autor und Verlag.


Das gute alte Buch behauptet sich tapfer gegen die neuen E-Books.
Das gute alte Buch behauptet sich tapfer gegen die neuen E-Books.
Foto: colourbox.com

Bildschirm statt Papier, Klicken statt Umblättern: Die zunehmende Digitalisierung machte in diesem Jahr auch vor dem 30. Erlanger Poetenfest nicht halt. Im gut gefüllten oberen Foyer des Markgrafentheaters sprachen die Autoren Peter Glaser und Markus Albers über E-Books und Lesegeräte. In der Entwicklung elektronischer Bücher sehen sie neue Möglichkeiten, aber auch neue
Herausforderungen für den Buchmarkt.

In der derzeitigen digitalen Umbruchphase könne sich das Machtgefälle zwischen Autor, Verlag und Buchhandel stark verschieben, erklärte der Journalist und Autor Albers. Er hat sein neues Buch „Meconomy“ selbst als E-Book veröffentlicht und dabei vollständig auf die Hilfe eines Verlags verzichtet. „Man hat zwar das
unternehmerische Risiko, aber wenn es läuft, dann kriege ich auch mehr davon“, erläuterte er.

Während Autoren mit Verlag nur rund 10 Prozent des Bucherlöses erhalten, könne er durch die selbstständige elektronische Veröffentlichung zwischen 30 und fast 100 Prozent einnehmen. „Das bedeutet mehr Macht und mehr Transparenz für den Autor“, so Albers. Darüber hinaus bekämen auch Bücher mit geringerer Auflage oder kleinerer Leserschaft eine Chance. Doch viele Autoren seien mit diesem aufwendigen wirtschaftlichen Prozess überfordert, entgegnete der Schriftsteller, Blogger und Ingeborg Bachmann-Preisträger Peter Glaser. „Das ist nicht jedermanns Sache. Viele brauchen die Betreuung und den Druck durch den
Verleger.“

Mehr Literatur, weniger Technik

Nach Glasers Ansicht wird das gedruckte Buch weiterhin Bestand haben. Es sei über 500 Jahre nach seiner Erfindung durch Johannes Gutenberg in Schönheit und Handhabung nicht mehr zu verbessern. Jetzt entstünden neue Genres mit multimedialen Inhalten. „Bei jeder neuen Technologie gab es solche Umbruchphasen und Diskussionen“, sagte Albers. Künftig werde es bei Texten, ähnlich wie in der Musikbranche, verschiedene Arten geben, einen Inhalt zu konsumieren. „Den Lesern wird damit der Zugang zu den Texten vereinfacht.“

Auf die Frage ins bunt gemischte Publikum, wer schon einmal ein E-Book gelesen oder gekauft habe, meldeten sich nur wenige. Daran sei zu sehen, dass die digitale Entwicklung der Bücher noch in den Kinderschuhen steckt, sagte Albers. Problematisch sei derzeit vor allem der Preis für ein E-Book, der oft genauso hoch wie beim gedruckten Buch ist. Hinzu kämen die gewöhnungsbedürftige Handhabung und die unübersichtliche Anzahl verschiedener Lesegeräte. „Bei der
ganzen Diskussion sollte es bald wieder mehr um Literatur gehen und  weniger um die Technik“, forderte Glaser.

In diesem Jahr tummelten sich im Erlanger Schlossgarten trotz heftiger Regenschauer zahlreiche Literaturfreunde aller Altersklassen, um die Lesungen auf mehreren Podien unter freiem Himmel zu verfolgen. Zum Teil mit Regenjacken und -schirmen, aber auch mit Sonnenbrillen ausgestattet, lauschten sie auf Bierbänken und Holzstühlen den Auszügen aus Neuerscheinungen der deutschen
Gegenwartsliteratur. Für Kinder und Jugendliche gab es Lesungen auf dem Jungen Podium, eine Bilderbuch-Lesewiese und eine Druckwerkstatt.

Das viertägige Literaturfest feierte in diesem Jahr sein 30- jähriges Bestehen und zog rund 10 000 Besucher nach Erlangen. Unter den rund 70 eingeladenen Autoren, Schriftstellern und Publizisten waren unter anderen Norbert Gstrein, Thomas Hettche, Thomas Lehr, Michael Kleeberg, Peter Wawerzinek und Judith Zander.

Video zum Thema
Insgesamt 70 Autoren, Schriftsteller und Publizisten werden beim diesjährigen Erlanger Poetenfest erwartet. Zeit auf 30 Jahre Geschichte zurückzublicken. Wir haben den Initiator des Literaturfestivals besucht.

 





Zum Thema
Poetenfest
Seit:
1980
Turnus:
jährlich (1992 ausgefallen)

Termin:
25. bis 28. August 2011
Kurzbeschreibung:
Auf dem beliebten und gut besuchten Erlanger Literatur-Festival treffen sich Schriftsteller, Literaturkritiker und Publizisten zu Lesungen und Gesprächen.
Veranstalter:
Stadt Erlangen
Besucher:
rund 12.000 im Jahr 2011