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Das KZ in Flossenbürg: Bilder des ewigen Schreckens

Heute ist der Holocaust-Gedenktag - und er ist wichtiger denn je - 27.01.2017 06:00 Uhr

Während die Zwangsarbeiter im Steinbruch Burgberg unter schlimmsten Bedingungen schuften mussten, bewacht ein wärter der SS-Totenkopfbrigade die Menschen. © Bundesarchiv Berlin


Jährlich werden die Zeitzeugen des Holocausts, dem wahrscheinlich größten Verbrechen des 20. Jahrhundert, weniger. Umso wichtiger sind die Orte, an denen die Gräueltaten der Nationalsozialisten geschahen, da ist Jörg Skribeleit sicher. Er ist Leiter der KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg - und hat die schrecklichen Bilder beinahe täglich vor Augen.

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Kampf ums Überleben: Das Konzentrationslager in Flossenbürg

Zu den schlimmsten Zeiten waren im Konzentrationlager Flossenbürg im Landkreis Neustadt an der Waldnaab bis zu 100.000 Häftlinge untergebracht. Doch der SS-Stab nutzte die Inhaftierten um die Wirtschaft im dritten Reich anzukurbeln - im Granit-Steinbruch rund um den Burgberg schufteten sich etliche Häftlinge zu Tode.


Der 27. Januar ist Holocaust-Gedenktag, auch in Flossenbürg. "An unserem Befreiungstag waren im letzten Jahr mehr als 20 ehemalige Häftlinge dabei, dieses Mal sind es deutlich unter zehn", sagt Skribeleit im Gespräch mit den Nürnberger Nachrichten. Denn Jahrzehnte nach dem Holocaust gibt es nur noch wenige Überlebende, die ihre Geschichten erzählen können.

Damit der Holocaust auch nach dem Tod der Zeitzeugen im Bewusstsein der Menschen bleibt, sind gesellschaftliche Debatten notwenig, erklärt Skribeleit. Für ihn sind Gedenkstätten wie die in Flossenbürg wichtig, um an den Schrecken zu erinnern. Doch gerade im Ausland, in der Ukraine und in Polen, sieht der Leiter der Oberpfälzer Gedenkstätte Verbesserungsbedarf: "Die Stätten von Massenerschießungen sind in der Regel keine Gedenkstätten."

Mitte Januar hatte AfD-Politiker Björn Höcke das Mahnmal in Berlin ein "Denkmal der Schande" genannt und Entrüstung geerntet. Doch wenn rechte Politiker den Holocaust leugnen, erlebt Jörg Skribeleit einen ganz besonderen Effekt: die Gedenkstätten verzeichnen in Folge dessen steigende Besucherzahlen.

Für Jörg Skribeleit ist es auch weiterhin wichtig an Deutschlands dunkle Vergangenheit zu erinnern, um nicht nur die positiven Ereignisse der deutschen Geschichte zu betrachten. Erinnerungen an die dunklen Kapitel, wie KZ-Denkstätten "sind Beweise dafür, dass sich diese Geschichte wirklich ereignet hat, resümiert Skribeleit.

Momentan gibt es in den Gedenkstätten so viele Besucher, wie nie zuvor, doch das erzeugt bei Leiter Skribeleit auch Sorge: "Da stellt sich eher die Frage, ob bei diesen Massen noch eine vernünftige und dem Ort angemessene Erinnerungsarbeit möglich ist." 

als/Martin Müller

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