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"Der Puckenhof" nimmt Kinder mit Förderbedarf auf

Ein zweites Zuhause – das aber auf Zeit - 19.12.2012 07:00 Uhr

Im Puckenhof kümmert man sich um Kinder, die Schwierigkeiten im Alltag haben. Dazu wäre auch Bogenschießen optimal geeignet – doch noch fehlt das nötige Equipment. © Michael Müller


Wer in Buckenhof (Kreis Erlangen-Höchstadt) nach dem Puckenhof fragt, wird schnell kundig. Kein Wunder, denn eine der ersten diakonischen Einrichtungen in Bayern gibt es dort schon seit über 160 Jahren. Und sie hat eine große Entwicklung durchgemacht – von einer Erziehungsanstalt zu einer modernen Organisation, in der Kinder und Jugendliche mit sozial-emotionalem und heilpädagogischem Förderbedarf besondere Unterstützung erfahren. Für die zwölfjährige Sabine (Name geändert) ist es einfach ein Ort, „an dem ich mich sehr wohl fühle, wie zu Hause“.

So lautet auch das Motto der traditionsreichen Einrichtung, erläutert Eckart Reinl-Mehl, Abteilungsleiter der stationären Hilfen im Puckenhof: „Zweites Zuhause auf Zeit.“ Sabine wohnt seit über zwei Jahren in einer der Wohngruppen der Einrichtung. „Hier habe ich viele Möglichkeiten, kann Sachen machen, die ich daheim nicht gemacht habe, weil ich mich nicht getraut habe.“ Dem Mädchen mit den langen Haaren fällt es am Anfang nicht leicht, darüber zu sprechen, warum sie jetzt im Puckenhof wohnt. Sie erzählt dann von Problemen, die sie daheim mit ihren Eltern hatte. Sabine hat sich im Elternhaus immer mehr innerlich abgeschottet, hat mit der Familie kaum noch gesprochen.

Es ist oft nicht einfach, herauszufinden, was die Ursache und was die Folge eines auffälligen Verhaltens bei Kindern ist. Manchmal sind es bestimmte Ereignisse, schwierige Konfliktstrategien in Familien oder auch psychische Störungen der Kinder, die sowohl Kinder als auch deren Familien an die Grenzen bringen. In so einem Fall ist oft der Puckenhof die richtige Adresse.

„Wir können eine umfänglichere sozial-emotionale und heilpädagogische Förderung gewähren, als es in den Familien möglich ist“, erläutert Reinl-Mehl. Er weiß aus Erfahrung, wie schwer vielen Eltern der Schritt fällt, ihr Kind seiner Einrichtung anzuvertrauen: „Viele haben das Gefühl, dass sie als Eltern versagt haben. Wir wollen ihnen dieses Gefühl nehmen. Die Tatsache, dass Hilfe benötigt wird, ist noch lange kein Indikator dafür, dass sie schlechte Eltern sind.“ Die Zusammenarbeit mit den Eltern wird im Puckenhof großgeschrieben.

Aufmerksamkeit, Zuwendung, Zeit, Konsequenz: Mit viel Einsatz und Empathie meistern die Puckenhof-Mitarbeiter die alltäglichen großen und kleinen Herausforderungen zusammen mit den Kindern. „Wir wollen gute Gefährten – keine Eltern oder Kumpels – an der Seite der Kinder sein, damit sie sich gut entwickeln können“, so Reinl-Mehl.

So sehr sich die Mitarbeiter darüber auch freuen, wenn Kinder und Jugendliche sich im Puckenhof wohl fühlen, ewig sollen sie hier nicht bleiben, betont der Abteilungsleiter der stationären Hilfen: „Wir streben eine Rückführung in die Familie an.“ In der alltäglichen Arbeit versuche man, den Kindern so viel Normalität zu lassen wie möglich und so viel Förderung zu gewähren wie nötig. Zusammen einkaufen gehen, die hauswirtschaftlichen Aufgaben aufteilen – all das gehört zum Alltag im Puckenhof dazu.

Markus (Name geändert) gefällt einiges am Puckenhof, zum Beispiel der geregelte Tagesablauf in seiner Wohngruppe. „Am Anfang hatte ich ein bisschen Heimweh, aber jetzt freue ich mich, wenn ich am Sonntag von daheim hierherfahre, weil ich wieder meine Freunde sehen kann“, sagt der Elfjährige. Er ist noch kein ganzes Jahr hier und ist inzwischen sowohl der Wohngruppen- als auch der Heimsprecher. Darauf ist er sehr stolz: „Da weiß man, dass man gemocht wird.“ Positiv findet Markus auch die Veränderungen in seinem Verhalten: „Früher hatte ich immer wieder Ausraster in der Schule, hier habe ich gelernt, mich besser zu benehmen. Ich gehe nicht mehr auf Frontalkampf, halte mich zurück.“

Unterstützung vom Puckenhof erfahren insgesamt rund 500 Kinder und deren Familien: Neben verschiedenen stationären Hilfen betreibt die Einrichtung eine Schule mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung, mehrere heilpädagogische Tagesstätten und bietet ein breites Angebot an ambulanten Hilfen. Vielfältig ist auch das Freizeitangebot für die Kinder. Gerade ist die Einrichtung dabei, das Projekt „Bogenschießen“ zu starten. Es gibt schon einen Mitarbeiter, der die fachliche Kompetenz und persönliche Erfahrungen im Bogenschießen mitbringt und auch andere Mitarbeiter für das Projekt fit macht.

Im Sommer können die Schießscheiben auf dem großen Puckenhof-Gelände Platz finden. Aber auch im Winter sollte dem Bogenschießen nichts im Wege stehen. „Ein Verein würde uns seine Räume dafür zur Verfügung stellen“, so Reinl-Mehl. Er ist davon überzeugt, dass das Projekt den Kindern gut tun wird: „Bogenschießen bildet eine gute Kombination aus körperlicher Betätigung und Konzentration.“

Der evangelische Jugendhilfeverbund „Der Puckenhof“ freut sich über jede Spende. Spendenkonto: Der Puckenhof e.V., Sparkasse Erlangen, Konto-Nr. 17000866, BLZ 76350000. Nähere Informationen erteilt Eckart Reinl-Mehl unter Tel. 09131/535335.  

Von Ella Schindler

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