Traditionell, aber nicht verstaubt, modern, aber nicht beliebig soll sie sein, die neue mittelfränkische Tracht für den Mann. Am Freitag ist sie in Nürnberg vorgestellt worden. Die Westen- und Jackenmodelle orientieren sich zwar an historischen
Vorbildern, sind aber dem heutigen Kleidungsstil angepasst worden.
„Es ist gut tragbare Kleidung, die dem modernen Kleidungsverhalten entspricht“, sagte Evelyn Gillmeister-Geisenhof, Trachten-Expertin des Bezirks Mittelfranken. Tracht sei nie etwas Statisches gewesen, sondern habe sich im Laufe der Zeit immer weiterentwickelt. Mittelfranken sei lange Zeit „ein weißer Fleck auf der Landkarte“ gewesen, wenn es um die Frage nach einer Tracht gegangen sei,
erläuterte Gillmeister-Geisenhof. Doch nun könnten auch die Männer in
Mittelfranken „die regionale Kultur in ihre Kleidung einbringen“ - und sind nicht mehr auf Mode im Landhausstil oder auf oberbayerische Lederhosen angewiesen, wenn es zum Beispiel ins Bierzelt geht.
„Damit kann man sich sehen lassen“, meinte Bezirkstagspräsident Richard Bartsch, der höchstpersönlich zusammen mit einigen Bezirksräten die Tracht präsentierte. Mit einer erneuerten mittelfränkischen Frauentracht findet Gillmeister-Geisenhof bereits seit einiger Zeit große Beachtung. Nun wolle man auch den Männern die Gelegenheit geben, sich regionaltypisch zu kleiden. Es habe schon
zahlreiche Anfragen gegeben, sagte sie.
Wer sich für eine solche Tracht entscheidet, kauft ein Unikat: In der mittelfränkischen Trachtenberatungsstelle wird Maß genommen, es existieren zwar Schnittvorlagen, doch jeder Kunde kann auch seine persönlichen Ideen und Wünsche einbringen. Genäht wird dann in Werkstätten sozialer Einrichtungen, wo vor allem Behinderte Arbeit finden. Wegen der großen Nachfrage an Trachtenkleidung habe man schon Personal aufstocken müssen, berichtete der Bezirk.
Bei den Entwürfen für die erneuerte Männertracht hat sich Gillmeister-Geisenhof für einen kurzen Gehrock entschieden. Lange Gehröcke hätten Männer früher sowieso nur bei besonderen Anlässen getragen. Bei der Weste übernahm sie aus der historischen Vorlage vor allem die enge Knopfreihe. Bei der Auswahl der Farbe und der Stoffe sei der jeweilige Träger völlig flexibel. Das gilt auch für die Hose - denn Gillmeister-Geisenhof hat überhaupt nichts dagegen, wenn die neue Männer-Tracht mit einer Jeans kombiniert wird: „Das passt auch ganz wunderbar.“