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Dürre, Hitze, wenig Futter: Fränkische Milchbauern in Not

Heu-Einbußen von etwa 50 Prozent belasten Landwirte - 01.08.2018 05:57 Uhr

Marion Fischer, hier mit ihrem Mann Peter, ist Kreisbäuerin des Bauernverbands für den Landkreis Nürnberger Land. Den Milchviehhaltern macht die anhaltende Dürre einige Sorgen. © Foto: privat


Wie angespannt ist die Situation aktuell auf Ihrem Hof?

Marion Fischer: Sehr angespannt, würde ich sagen. Dieses Jahr ist wirklich extrem. Das haben wir schon im Mai gemerkt, als wir das erste Gras geschnitten haben. Da haben wir gedacht, wenn es nicht bald regnet, ist nicht mehr viel zu retten. Mittlerweile ist schon sehr viel kaputtgegangen.

Das bedeutet genau?

Fischer: Wir haben zum Beispiel um die Hälfte weniger Heu als sonst. Auch mit dem Silo wird es eng. Normalerweise machen wir im Jahr vier Gras-Schnitte, das werden wir diesmal nicht schaffen. Die wirklichen Auswirkungen bekommen wir aber erst nächstes Jahr zu spüren. Momentan haben wir ja noch das Futter vom letzten Jahr. Jetzt machen wir uns Gedanken, wie wir nächstes Jahr die Tiere satt bekommen sollen.

Und, wird das funktionieren?

Fischer: Ja, das ist die große Frage. Ich denke beim Getreide wird es klappen. Normalerweise verkaufen wir einen Teil von unserer Gersten- und Haferernte. Das können wir diesmal nicht. Aber mit dem Heu und dem Silo wird sich das vielleicht nur so regeln lassen, indem wir unseren Bestand reduzieren müssen.

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Das heißt dann schlachten? Einige Höfe haben schon Tiere geschlachtet wegen des Futtermangels.

Fischer: Nein, schlachten nicht gleich unbedingt. Es gibt ja auch die natürliche Auslese. Natürlich wird ganz normal geschlachtet, aber eine spezielle Notschlachtung haben wir nicht vor. Ich glaube, das ist immer der allerletzte Ausweg für einen Landwirt.

Kein Geld fürs Getreide, weniger Tiere. Das hört sich nach ziemlich großen finanziellen Verlusten an. Wenn man bedenkt, dass der Milchpreis mit aktuell 34 Cent netto auch nicht gerade hoch ist, kann das ja schon existenzbedrohend werden.

Fischer: Das stimmt. An unsere persönliche Existenz geht es aber zum Glück nicht. Wir werden das durchstehen können. Mein Mann hat den Hof von seinen Eltern übernommen, dadurch haben wir wenig Fremdkosten. Wir werden es natürlich finanziell merken, weil wir weniger Milch liefern werden. Aber es wird uns nicht in den Ruin stürzen. Bei Betrieben, die Kredite bedienen müssen und viele Mitarbeiter haben, sieht das aber schon anders aus.

Wie wird sich das auf das Milchangebot auswirken?

Fischer: Ich denke, dass mehrere Betriebe ihren Bestand reduzieren. Und so oder so bringen die Kühe mit weniger Futter auch weniger Milch. Aber es gibt ja keinen deutschen oder europäischen Markt, sondern einen Weltmarkt. Selbst wenn es also in ganz Deutschland weniger Milch gibt, wird das von anderen Ländern ausgeglichen. Für den Literpreis bringt es uns also nichts.

Keine leichten Zeiten. Haben Sie schon mal daran gedacht aufzuhören?

Fischer: Das ist schwierig. Vor drei Jahren haben wir erst einen Melkroboter gekauft, also eine Investition in die Zukunft. Erst danach wurde die Lage so viel schlechter. Wir haben dann oft überlegt, ob das der richtige Schritt war. Aber jetzt ist er da, wir werden ihn nicht gleich lahmlegen. Mittelfristig wird es den Hof noch geben, langfristig ist es noch sehr ungewiss. Alleine schon wegen der Nachfolge. Wer will sich das schon antun?

Verstehe. Den Sommer mögen Sie dann eher nicht?

Fischer: Aus persönlicher Sicht ist das mein Traum. Mir kann es nie zu heiß sein. Und normalerweise können wir die heißen Tage nie genießen, weil wir dann besonders viel arbeiten. In diesem Jahr ist es eh immer trocken, da können wir dann auch mal was unternehmen.

Aber obwohl ich Regen nicht mag, freue ich mich so darauf. Wenn etwas so lange fehlt, weiß man erst mal, was das eigentlich bedeutet. 

Interview: Kim Ankermann

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