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30. Januar 1963: Geisterstädte schlafen dem Frühling entgegen

In vielen Stadtteilen hält der Winter den Wohnungsbau auf - 30.01.2013 06:34 Uhr

ERLANGEN  - Eine Pause der Besinnung, eine schöpferische Pause hat der Winter im Wachstum der Stadt Erlangen erzwungen. Sommer für Sommer breitet die Stadt ihre Arme, ihre Finger weiter aus. Jedes Jahr im Winter muß sie Atem holen. Denn Wachsen tut weh, zumindest im Geldbeutel.

In diesen Tagen, da die alljährliche Eiszeit ihrem Zenit zustrebt, bieten die jüngsten „Ableger“ Erlangens ein außerordentlich eindrucksvolles Bild. Noch nie war so etwas in diesem Ausmaße zu beobachten.

Im letzten Jahr sind viele neue Wohnhäuser begonnen worden. Der frühe Winter hat hier einen weißen Trennungsstrich geschrieben. Die Neubauviertel liegen stumm und vom Schnee „verweißt“ da. Lange Straßenzüge aus Häuser-Skeletten, Schemen einer unwirklichen Welt und doch Zeugnisse eines lebendigen Wachstums, sind zum Verharren genötigt. Hier sieht es aus wie in einer Geisterstadt.

Nur eines fehlt: Der Mensch

Es ist ein merkwürdiger Widerspruch, der sich in diesem Bild, das man besonders in der Nähe der Heinrich-Hertz-Straße in Bruck sehen kann, dem Betrachter andeutet. Man geht viele hundert Meter weit durch eine ungewohnte Stadt. Alles was dazu gehört, ist da: Ziegel, Fenster, Dächer, asphaltierte Straße, Kanalisation. Nur eines fehlt, damit es eine wirkliche Stadt werde: der Mensch.

In Bruck beginnt der Zauber dieses Widerspruchs schon in der Schwedlerstraße, jenem schlangengleichen Straßenzug, der sich wie die Heinrich-Hertz-Straße am südlichsten Ende Erlangens am Stadtrand entlangwindet. In den künftigen Vorgärten der Häuserschlucht stehen Absperr-Blöcke. Sie schlafen unter dem Schnee. Hinter den Fensterscheiben scheint eine sinnlose Finsternis zu lauern.

Berg- und Talfahrt im ersten Gang

Ein einsamer Spaziergänger, der erstaunten Auges diese Unwirklichkeit betrachtet, läßt die Totenstille hier besonders deutlich spürbar werden. An einigen der Bauten starren leere Fensterhöhlen den Betrachter an. Folgt man dem Straßenzug weiter um eine Ecke, steht man vor zwei Hochhäusern. Neun Stockwerke sind zu zählen, und ganz offenbar haben die Häuser ihren „Höhepunkt“ noch nicht erreicht. Ein paar Häuserecken weiter taucht, von Bäumen verdeckt, und scheinbar zum Greifen nahe — der Kirchturm von Eltersdorf auf. Die Grenzen zwischen Stadt und den Nachbargemeinden beginnen sich zu verwischen.

Was wird das hier werden, wenn alles fertig ist? Ein Stadtviertel mit eigener Note, das ist gewiß. Sechs Blöcke entstehen hier, Bauherr ist die Gewobau-Gesellschaft, in jedem der Blöcke werden 24 Wohnungen vorhanden sein. Insgesamt 144 Wohnungen und zwei große Blöcke einer Firma mit schätzungsweise 80 Weiteren Wohnungen — das ist für Erlangen schon ein kleines Stadtviertel ...

Planungen über den Haufen geworfen

Wie viele neue Stadtviertel dieser Art langsam, Stein für Stein zusammengezimmert werden, wieviele kleine Gespenster-Stadtviertel jetzt durch den Winter träumen, zeigt ein Überblick über die Vorhaben der Gewobau. Am Fürstenweg, von den Autofahrern am nördlichen Ortseingang von Bruck auf der Ostseite zu sehen, stehen drei Blöcke im Rohbau. Sie umfassen 76 Wohnungen. Weitere 24 Wohnungen sind an der Isarstraße im Bau.

Sobald der Winter die weiße Pracht schmelzen läßt und die Temperaturen ein Arbeiten im Freien wieder erlauben, will die Gewobau mit den Vorbereitungen für nicht weniger als 364 Wohnungen beginnen. Davon sind 168 an der Isarstraße vorgesehen. Weitere 160 Wohnungen sind an der Walburgastraße im Osten von Büchenbach geplant. An der Jakob-Nein-Straße und Dompfaffstraße ist mit den ersten Arbeiten für 18, an der Marienstraße mit dem Ausheben von Baugruben für ebenfalls 18 Wohnungen zu rechnen... 

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