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Das „Volk“ der fast 10.000 akademischen Bürger in Erlangen, Nürnberg und Bayreuth war schon immer unberechenbar, um so mehr, je größer die angesprochenen Fachschaften sind. Nur sehr selten kam der Durchschnitt über eine Beteiligung von 50 Prozent hinaus, und das nur dann, wenn die Werbetrommel entsprechend gerührt wurde. Das Barometer der Prozente schwanke seit dem Jahre 1959 zwischen 46,9, 43,1, 24,1, und 50,44 Prozent. Das vergangene Jahr stellte also seit langer Zeit einen Rekord dar. Und diese Spitze wollen die Verantwortlichen des gegenwärtigen Wahlganges auch halten, wenn nicht sogar übertreffen.
Zunächst wurden vor dem Kollegienhaus, vor dem Studentenhaus und an anderen Stellen des Universitätsbereiches Plakatständer aufgestellt, die nicht nur auf die Bedeutung der Selbstverwaltung hinweisen, sondern auch mit einer bunten Mischung von Ankündigungen über Vorträge, Diskussionen und Studentenreisen auch den Zusammenhang zur praktischen Arbeit zeigen. Am Abend kam dann am Kollegienhaus noch die Hauptattraktion dazu: die Prozentthermometer, die bis zum Freitag täglich die jeweilige Beteiligung anzeigen und bei Dunkelheit angestrahlt werden.
Zwischen 11.30 und 13.30 Uhr hatte vor dem Studentenhaus ein Lautsprecherwagen Premiere, der auch an den kommenden Tagen eingesetzt werden soll. „Gönnen Sie sich das freudige Gefühl, gewählt zu haben“, klang es da in die manchmal etwas tauben Ohren. In der Mensa aber verbreitete sich als Anspielung auf die „Wahlbonbons“ das geflügelte Wort: „Wählen ist süß . . .“
Die Mensa war allerdings auch Schauplatz einer andren Propaganda. Ein Flugblatt empfahl eine Reihe von Kandidaten für eine „Koalition der Nichtkorporierten“: Im Gegensatz zu ähnlichen Beispielen aus früheren Jahren nicht anonym, sondern von drei Studenten unterzeichnet. Mangels anderer Unterscheidungsmerkmale spielte die Zugehörigkeit zu Verbindungen auch in den Kandidatenvorstellungen vor den Hauptvorlesungen eine Rolle. Indessen sind es nicht nur die „Wilden“, wie man in früheren Jahren die keiner Vereinigung angehörenden Kommilitonen nannte, sondern auch Angehörige konfessioneller oder politisch interessierter Studentengruppen, die sich auf solche Weise bemerkbar machen.
Die Wahlhelfer mit den Urnen waren bereits sehr früh zu Stelle, um noch vor den Vorlesungen die Arbeit zu beginnen. Zahlreiche Trupps zogen zu den einzelnen Universitätsgebäuden und stellten sich dort auf. Der Erfolg war zunächst nicht überwältigend, weil viele den Studentenausweis nicht bei sich trugen, der bei der Wahl abgestempelt werden muss.
Immerhin konnten, als am Nachmittag die Bilanz des ersten Tages gezogen und der Arbeitsplan für die nächsten Tage erörtert wurde, etwa die Pharmazeuten bereits 15 Prozent melden, die allerdings von jeher zu den eifrigsten Wählern gehörten. Im Vorjahr erzielten sie 60,3 Prozent. Insgesamt rechnete man am Abend immerhin schon mit einer durchschnittlichen Beteiligung von knapp zehn Prozent, nach dem ersten der fünf Wahltage. Den lebhaftesten Andrang hatten in der Mittagszeit die in der Mensa stationierten Helfer zu bewältigen. Dort gab es zuweilen „Schlangen“.