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Abschiebungsbescheid trotz Ausbildung in Erlangen

Eqbal hat ein neues Leben begonnen und soll jetzt zurück nach Afghanistan - 19.02.2017 12:00 Uhr

Eqbal Totakhel ist vor über einem Jahr nach Deutschland gekommen und hat im September letzten Jahres seine Ausbildung in einer Bäckerei angefangen. Jetzt soll er abgeschoben werden. © Foto: Harald Sippel


Als unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling kam Eqbal Totakhel im Oktober 2015 nach Deutschland. Nachdem er zuerst in Passau aufgenommen wurde, ging es nach kurzer Zeit weiter nach Fürth. Dort ging er sechs Monate zur Schule, um Deutsch zu lernen. "In den Sommerferien habe ich dann in Nürnberg zwei Wochen lang ein Praktikum in einer Bäckerei gemacht und danach zwei weitere Wochen hier in Guldens Bergstube", erzählt der 19-Jährige.

Daraufhin bekam er in der Erlanger Bäckerei einen Ausbildungsplatz angeboten und fing im September 2016 an. "Eqbal ist einer der besten Azubis. Er nutzt seine Chance, ist motiviert und gewillt, so dass er später mal auf eigenen Beinen stehen kann", sagt Bäckermeister Jonas Bornitzky.

Kurze Zeit nach seiner Anhörung Anfang Januar bekam Eqbal einen Abschiebungsbescheid und hatte zwei Wochen Zeit, Klage einzureichen. "Ich habe mit meinem Betreuer eine Anwältin aufgesucht. Sie hat gesagt ich solle weiter in die Schule und zur Arbeit gehen und mich nicht zu sehr stressen, weil ich im Recht bin", sagt Eqbal. Trotzdem weiß er im Moment noch nicht, wie es weitergeht und ob er bleiben kann.

Regierung sucht Schlupflöcher

Die "3 plus 2 Regelung" des Bundesintegrationsgesetzes gewährt Flüchtlingen ein fünfjähriges Bleiberecht, das sich aus drei Jahren Ausbildung und zwei Jahren Arbeit zusammensetzt. "Die bayerische Staatsregierung versucht, dieses Gesetz aber so eng wie möglich auszulegen und Schlupflöcher zu finden, damit umso weniger Menschen in den Genuss der Regelung kommen", sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Alexandra Hiersemann. Sie fordert von der Staatsregierung, das Gesetz korrekt anzuwenden.

Denn nicht nur die Flüchtlinge werden durch die Umgehungsversuche in eine unsichere Lage gebracht, auch die Wirtschaft leidet darunter, wenn Arbeitgeber nicht sicher sein können, ob ihre Arbeitskräfte im Betrieb bleiben können.

Auch Bäckermeister Jonas Bornitzky macht sich Sorgen um seinen Auszubildenden, der seine Arbeit hervorragend mache und auf jeden Fall in der Bäckerei bleiben solle. Eqbal fühlt sich an seinem Arbeitsplatz wohl. "Ich komme sehr gerne hierher und verstehe mich mit allen Kollegen gut. Generell gefällt mir die Freundlichkeit in Deutschland und, dass es klare Regeln gibt", sagt der 19-Jährige. In seiner Freizeit treibt Eqbal gerne Sport.

Er hat letztes Jahr schwimmen gelernt und ist zum Boxtraining gegangen. In Nürnberg spielt er Kricket und möchte demnächst ins Fitnessstudio gehen. Inzwischen lebt er alleine in einer Wohnung, wo er gerne kocht und backt. "An seinen freien Tagen ruft er mich oft an und fragt nach Backrezepten", lacht Bornitzky.

Eqbals Situation ist kein Einzelfall. Vor allem für Menschen aus Afghanistan ist es momentan schwierig, in Deutschland zu bleiben, da es weitere Einschränkungen seitens der Landesregierung gab. "Seit Dezember hat sich die Situation für arbeitswillige Flüchtlinge noch weiter verschärft, da nun generelle Arbeitsverbote gegen ganze Herkunftsländer von der Staatsregierung ausgesprochen wurden", so Hiersemann. Diese Maßnahmen verhindern die Integration der Asylbewerber sowie die Arbeit von Ehrenamtlichen und nehmen Betrieben ihre Arbeitskräfte weg. 

MINA NOVALIC

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