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„Der Literatur wollte er sein Leben widmen“ lautet der erste Satz im vorliegenden Band. Die tragikomische Hauptrolle in der so begonnenen Geschichte spielt ein biederer, leicht verklemmter kommunaler Beamter, der sich seiner literarischen Berufung erst in reiferen Jahren bewusst geworden ist. Während eines Studien-Aufenthalts in Klagenfurt, wo er der Verleihung des renommierten Bachmann-Preises beizuwohnen gedenkt, trifft der Möchtegern-Dichter eine bereits namhafte Verfasserin an-spruchsvoll-unterhaltsamer Prosa.
Zu seinem freudigen Erstaunen erweist sich die berühmte Kollegin als recht zugänglich. Bald hat sie den Anfänger nicht nur in die Hintergründe des Literaturbetriebes, sondern auch in die feineren Techniken der körperlichen Liebe eingeweiht. Allerdings verschweigt sie ihrem Schüler, dass die Selbstlosigkeit zu den unter Künstlern am wenigsten verbreiteten Tugenden gehört. Das erfährt der schriftstellernde Beamte aus der Provinz erst nach dem Erscheinen des neuesten Buches seiner vermeintlichen Geliebten.
Klaus Gasseleder, Jahrgang 1945, Gymnasiallehrer a.D. und seit den frühen 80er Jahren schriftstellerisch tätig, beleuchtet mit ironischem Augenzwinkern die Höhenflüge und Bauchlandungen von Menschen, die ihm in vieler Hinsicht ähneln. So erzählt er zum Beispiel genüsslich von einem seiner ehemaligen Lehrerkollegen, der auf groteske Weise zum Opfer seines übertriebenen pädagogischen Eifers wurde.
Gasseleder ist der Chronist einer Welt, in der Ambitionen und Möglichkeiten immer weiter auseinanderdriften. Er dokumentiert (mit mancher satirischer Zuspitzung), dass auch unter den Gebildeten und Kultivierten in aller Regel die eitle Dickfelligkeit triumphiert, während die gelegentlichen Manifestationen edlerer Absichten unversehens einen fatalen Zug ins Peinliche und Lächerliche entwickeln. Schlicht unappetitliche Züge offenbart eine selbsternannte Elite in Gasseleders Beschreibungen kleinstädtischer Kultur-Events.
Neben derart eindeutig satirischen Texten enthält das neue Buch auch ein paar literarisch ausgeschmückte Berichte von allerlei Pleiten und Pannen. Detailfreudig ausgemalt werden mehr oder minder absurde Situationen, in denen sich alles gegen einen Menschen zu verschwören scheint: die Familie, der Beruf, das Wetter. Sogar die toten Dinge verweigern sich ihm plötzlich mit tückischer Hartnäckigkeit.
Bei Gasseleder bestehen die meisten Betroffenen solche Abenteuer des Alltags mit erstaunlicher Gelassenheit. In seinem tiefsten Innern glaubt der Autor halt – trotz alledem – an einen guten, entwicklungsfähigen Kern im Menschen.
Klaus Gasseleder: Wie wird man ein berühmter Autor? Und andere Geschichten von der Liebe und der Schriftstellerei, Verlag Books on Demand, 150 Seiten, 14 Euro.
