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Auch Bubenreuth hatte einst ein Wasserschöpfrad

Nur noch wenige der Bewässerungsanlagen, Gemeinschaft Möhrendorf pflegt die Tradition weiter - 17.08.2018 15:00 Uhr

Ein Blickfang sind die zehn verbliebenen Wasserräder auf Möhrendorfer und Kleinseebacher Gemarkung. © Foto.: Harald Hofmann


Josef Stöhr schrieb seinerzeit zum Bubenreuther Rad: "Die Räder sind benannt nach den Eigentümern oder nach der Flurbezeichnung. Auch Bubenreuther Landwirte besaßen ein Wasserrad, das sogenannte "Bubenreuther Rad", das zuletzt von Heinrich Weisel, Hans Paulus und Ludwig Egersdörfer gemeinsam für die Bewässerung ihrer Wiesen bis 1965 eingesetzt und unterhalten wurde."

Der Standort nördlich der Stadt Erlangen erwies sich auf Dauer als ungünstig. Unrat und Treibgut sorgten immer wieder für Beschädigungen und machten aufwendige Reparaturen notwendig. Deshalb entschieden sich die Besitzer 1965 zum den Kauf einer Pumpe, die mit einem Dieselmotor betrieben und bei Bedarf eingesetzt wurde.

Wie historisch bedeutsam die Wasserschöpfräder waren, wird nicht zuletzt darin dokumentiert, dass die Wappen der Gemeinde Möhrendorf und des Landkreises Erlangen-Höchstadt ein Wasserschöpfrad aufweisen. Aus Vorderasien kommend soll es Wasserschöpfräder in Deutschen Landen schon seit dem 12. Jahrhundert gegeben haben.

Nachzuweisen sind Wasserräder laut Stöhr hierzulande erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Festlegung von Wasserrechten. Dabei blieb die Verbreitung der Wasserräder offenkundig weitgehend auf Franken beschränkt. Im 18. Jahrhundert, so Stöhr, habe es im Rednitz-Regnitzgebiet zwischen Schwabach und Forchheim auf einer Strecke von 35 Kilometern rund 250 solcher Schöpfräder gegeben, "die stöhnend das bisschen Wasser der Rednitz auf die dürren Wiesen" leiteten, wie ein Zeitgenosse berichtet.

Im Landratsamt in Erlangen ist die "Baiersdorfer Wasserordnung auf dem Regnitzflusse" niedergelegt. Derzufolge überwachte ein eigenes Wassergericht Bau, Unterhalt und "rechtmäßige Benützung der Bewässerungsanlage". Festgelegt war auch, dass die Wasserräder von 1. Mai bis 30. September laufen durften. Wasserrechtliche Regelungen garantierten, dass bei besonderer Trockenheit das vorhandene Flusswasser gerecht verteilt wurde.

Früher schon 1100 Mark

Dabei war so ein Wasserschöpfrad nie ganz billig. Schon 1864 kostete laut einer alten Rechnung eine solche Wasserschöpfanlage zirka 1100 Mark, 1962 musste man dafür zwischen 15 000 und 18 000 Mark hinblättern.

Das Einsetzen der Wasserschöpfräder im Frühling wurde schon früher sehr festlich begangen. In einem von Stöhr zitierten Bericht heißt es: "Beim Setzen der Radstatt sangen die Zimmerleute das Schlegellied. Die Radberechtigten sparten dabei nicht mit Bier und ausreichenden Vespern. War das Rad fertig, wurde es unter Musik in Gang gesetzt.

Heute sind auf Möhrendorfer Gemeindegebiet noch zehn Wasserräder erhalten. Jedes der zehn Räder hat einen "Kümmerer", die allesamt in der Wasserradgemeinschaft Möhrendorf zusammengeschlossen sind. Als Paten bemühen sie sich um den Erhalt und die Pflege, den alljährlichen Einbau und Abbau der Wasserschöpfanlagen.

Quelle : "Die Geschichte der Gemeinde Bubenreuth, Hrsg. Gemeinde Bubenreuth. 

Dieter Köchel Redaktion Erlangen E-Mail

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