12°

Freitag, 22.06.2018

|

Brückenbauer mit Kunstträumen

Günter Rocznik betreibt die Galerie "Zwischenraum 20" und will ein "Kunsthaus" - 03.04.2018 18:00 Uhr

Günter Rocznik in der Ausstellung in seiner Galerie unterm Dach in der Bismarckstraße 20 in Forth. © Dieter Köchel


Eine normale Galerie aufzuziehen, habe ihn nicht interessiert, "ich mag es, unter widrigen Umständen zu arbeiten", betont er.

Günter Rocznik wuchs in Bayreuth auf und verbrachte dort seine Schulzeit. Nach Zivildienst und Studium der Sozialpädagogik in Würzburg, folgten Arbeitsstellen in Nürnberg (Drogenberatungsstelle), Erlangen (Drogenpräventionsprojekt) und später in Schweinfurt (Geschäftsführer des Ausländerbeirates). Außerdem gab er an einem Gymnasium Kunstunterricht. Er renovierte alte Häuser, handelte mit Antiquitäten und Kunst. 1988 eröffnete er seine erste Galerie, gründete den Arbeitskreis Kunst & Kultur und veranstaltete zahlreiche Kunstprojekte (Künstler im Exil in Zusammenarbeit mit Günter Seufert, Kunst im Amt) und Ausstellungen. Von damals bis 2013 wurden ca. 100 Veranstaltungen durchgeführt.

In der Zeit von 2000 bis 2013 arbeitete er mit der Pianistin und Musikpädagogin Gudrun Brückner zusammen. In der Alten Schuhfabrik in Pfarrweisach (Nordbayern) entstand ein interdisziplinäres und vielfältiges Programm. 2012/13 setzte sich Günter Rocznik in seinen Krankheitsbildern mit sich selbst auseinander. Zum 60. Geburtstag gab eine umfassende Retrospektive und die Präsentation der Ausstellung "Hinschauen-Wegschauen: Gemeinsam gegen Rechtsextremismus".

2014 lebte und arbeitete Rocznik auch in der Nähe von Salzburg. Seitdem benutzt er auch den Namen "Nick Rosch" als Pseudonym. "Willkommen im Abendland" ist eine Werkschau" der Arbeiten dieser Zeit, die gleichzeitig aktuell (Sept. 2015) auf die Situation der Flüchtlinge an der Saalachbrücke zwischen Freilassing und Salzburg eingeht.

Ja und jetzt lebt und arbeitet er inmitten von Flüchtlingen, für ihn in der Tat teils widrige Umstände. "Manchmal war es nachts schon ziemlich laut", beschreibt Günter Rocznik seine Zeit mit Asylsuchenden im Haus. Wie die Flüchtlinge sieht er sich gleichwohl auch als Gast im Haus der Diakonie. Inzwischen aber hat er, der er seine Aufgabe als Mittler zwischen Eckenhaider Bevölkerung und Asylsuchenden sieht, sich daran gewöhnt, dass immer wieder mal Erwachsene ankommen und ihn fragen, ob er für sie ein amtliches Schreiben lesen oder für sie einen Anruf tätigen könne. Die meisten der Flüchtlinge seien freundliche Menschen. "Es ist eine ganz normale Nachbarschaft", sagt er in seiner ruhigen, leisen Art, "und ich beginne, mich ganzheitlich wohlzufühlen".

Noch viele Pläne

Wie so vieles in seinem Leben sieht er das Projekt Kunstschaffen im Asylheim als zeitlich begrenzt. Zwei bis drei Jahre wollte er hier verbringen, eigentlich nicht länger. Denn Günter Rocznik hat noch viel vor. Seit geraumer Zeit ist er auf der Suche nach einem geeigneten Domizil für sein Konzept eines "Kunsthauses" auf dem Land.

Denn so begründet er, "Kreativität und Kultur sind der Schlüssel für die individuelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung und eine Art Motor einer lebendigen Gemeinschaft." Deshalb sei es wichtig, dass sich kulturelle Angebote und Schwerpunkte nicht auf urbane Ballungsräume beschränken.

Im Mittelpunkt der Arbeit des Kunsthauses stehe die Bildende Kunst: Malerei, Grafik, Bildhauerei und Objektkunst. Die Entwicklung der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts wird durch die Verbindung von Archiv, Sammlung und (zeitgenössischer) Ausstellung adäquat dargestellt. Rocznik stellt sich drei Ausstellungsbereiche vor; ein Bereich soll aktuellen themenzentrierten Ausstellungen, kulturellen Veranstaltungen, Symposien, Work-Shops etc. Platz bieten, ein zweiter eine Gemäldesammlung "Klassische Moderne" (umfangreiche Kunstsammlung von namhaften Malern des frühen 20. Jahrhunderts) bergen. Last not least schwebt ihm ein dritter Bereich vor als "Kreuzmuseum". Günter Rocznik selbst hat ein umfangreiches Oeuvre dem Thema Kreuz gewidmet, in dem er einen säkular-kritischen Blick auf die Symbolik des Kreuzes wirft. Das ist auch zu sehen in der derzeitigen Ausstellung im Dachgeschoss der Bismarckstraße 20 in Forth.

Das Kunsthaus soll außerdem Raum bieten für Kommunikation, für Atelier/Werkstatt, Lager, Wohnraum/ Küche. Themen könnten neben der Kunst vom 19. bis zum 21. Jahrhundert sein "Kunst und Gesellschaft", "Kunst und Therapie", "Die Rolle der Kunst im Alltag", aber auch die Förderung von jungen Künstlern in der Region, musikalische Improvisation und Lesungen.

Das könnte stattfinden in Häusern (auch leerstehend), großen Wohnungen, Läden und Freiflächen, Gewerbeimmobilien (auch alt), Lagerhäusern, landwirtschaftlichen Anwesen etc. Die Fantasie kennt keine Grenzen. Ob Kauf oder Pacht ist für Rocznik offen. Jedenfalls: Die Suche hat begonnen.

ZDie Ausstellung "Sehn-Sucht-Bild"ist jeden Mittwoch von 16 bis 20 Uhr in der Galerie ZwischenRaum 20, Bismarckstraße 20, In Eckental-Forth zu sehen (Nicht in den Ferien). Die Ausstellung dauert bis 30. Mai.

"Kunst auf dem Land

braucht Förderung" 

DIETER KÖCHEL

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Eckental