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Bubenreuth: Streichbögen mit "Fröschen" aus Acryl

Neuheit auf dem Saiteninstrument entwickelt — Kostspielige Handarbeit - 17.09.2015 06:00 Uhr

Bubenreuther Innovation: Streichbogen mit Acrylfrosch © Foto: Heinz Reiß


Bei Mahrs neuem Streichbogenmodell ist der Frosch, darunter versteht man den unteren Teil des Bogens mit der Spannvorrichtung für die Haare, nicht aus traditionellem Ebenholz, sondern aus Acryl mit eingelegten Goldstreifen. Diese Materialwahl beinhaltet zwei Vorteile. Zum einem schont man das immer schwieriger zu erhaltende Tropenholz und zum anderen ist der Acrylfrosch leichter als Ebenholz. Die Acryl-Verarbeitung mit eingelegten Streifen ist aber eine andere, als die Verarbeitung von reinem Ebenholz; diese technischen Feinheiten will Geigenbaumeister Mahr natürlich nicht preis geben.

Die Entwicklung des Bogens ist mit dem Streichinstrumentenbau untrennbar verbunden. 900 n. Chr. werden im mittelasiatischen und arabischen Raum die ersten Bögen, welche die Form des gleichnamigen Jagdgerätes aufweisen, verwendet. Bis ins späte 16. Jahrhundert sind Verbesserungen am Bogen erkennbar. Die ersten mit Namen signierten Bögen tauchen um 1740 auf. Duchaine ritzte seinen Namen in großen Lettern ins Stangenende und gilt als erster Bogenmacher. Francois Tourte vervollständigte zwischen 1750 und 1800 den Bogen zu seiner heutigen Form. Der Frosch ist seit Tourte aus einem „hartem“ Holz, überwiegend aus Ebenholz.

Über ein Jahr Entwicklungszeit investierte Walter Mahr zusammen mit dem Bogenbaumeister Vladimir Havlik in die Verarbeitung des Frosches aus Polymethylmethacrylat. PMMA ermöglicht eine gute spanabhebende Bearbeitung, lässt sich sehr gut mit CO22-Lasern schneiden oder gravieren und ist kratzunempfindlich. Verbindungen durch Kleben oder Schweißen sind möglich. Es ist gut einfärbbar, witterungs- und alterungsbeständig und beständig gegen Schweiß.

Mit all diesen Merkmalen ließ Mahr den neuen Bogen von renommierten Musikern testen. Nachdem schon im Frosch das edelste Material Gold verwendet wird, ergänzten die Instrumentenbauer den Bogen noch dadurch, dass alle Metallteile aus 18 Karat Gold bestehen.

Die Geigen-, Viola- und Cellobögen werden in Handarbeit erstellt. Die Produktion liegt bei vier bis fünf Bögen pro Jahr, die Lieferzeit beträgt drei bis vier Monate. Auf Grund des hohen Materialwertes kostet der Bogen eine Stange Geld, zwischen 3500 und 4500 Euro muss der Kunde auf den Tisch legen. 

HEINZ REISS

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