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Bücherverbrennung: FAU will gegen Vorurteile impfen

Gedenkveranstaltung: Auch die Lehrer können ihre Lehren daraus ziehen - 14.05.2018 11:00 Uhr

FAU-Vizepräsidentin Prof. Bärbel Kopp (am Mikrofon) sieht die Universitäten in „demokratischer Pflicht“. © Fotos: Pfrogner


Dass man zwar Bücher verbrennen könne, nicht aber die in ihnen enthaltenen Gedanken und Geschichten, nannte Erlangens Bürgermeisterin Elisabeth Preuß in ihrer Rede einen Triumph "über die grölenden Stimmen", auch wenn man nicht verkennen dürfe, dass man zwar die Freiheit nicht verbrennen, diese aber beschädigen könne, auch heute wieder "angefacht von rechter, von nationalistischer Demagogie." Die historische Bücherverbrennung müsse daran erinnern, dass selbst grundgesetzlich garantierte Freiheiten weder selbstverständlich noch gegenüber offenen und subversiven Angriffen resistent seien. Selbst der endgültig überwunden geglaubte Antisemitismus erhebe heute wieder sein Haupt.

Für die Friedrich Alexander Universität erinnerte Vizepräsidentin Prof. Bärbel Kopp daran, dass die Universität seit den 80er Jahren (also erst 40 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft) zu ihrer eigenen Geschichte auf Distanz gegangen sei, sich zu ihrer "tiefen Verstrickung" in den Ungeist des Nationalsozialismus bekannt habe.

Warnung vor "Fake News"

Als für Ausbildungsfragen zuständige Vizepräsidentin der Universität, so ihr Blick voraus, setze sie ihre Hoffnung darauf, dass Studierende neben dem Erwerb wissenschaftlicher Kenntnisse vor allem auch in die Lage versetzt werden, kritisch zu hinterfragen, billigen "Fake News" echte Inhalte entgegenzusetzen und offen und vorurteilsfrei zu argumentieren.

"Wissen in Bewegung zu setzen heißt auch, die Studierenden zum Denken und Handeln zu bewegen, auf dass sie mit Leidenschaft dafür eintreten, dass sich nie mehr eine solche Barbarei wie vor 85 Jahren wiederholt" so Kopp. Abschließend zitierte sie den Sozialphilosophen Theodor W. Adorno, der das Thema Auschwitz zum Gradmesser der Erziehung gemacht hatte.

Die Wandlung der deutschen Universitäten, die sich im 19. Jahrhundert den Idealen der Aufklärung, der unparteiischen, vorurteilsfreien und liberalen Wissenschaftlichkeit verpflichtet sahen, hin zu Stätten bornierter Intoleranz und brutaler Bücherhinrichtungen und Autorenächtungen, stellte Stadtarchivar Andreas Jakob ins Zentrum seines Vortrags. Er konnte dabei auf den in Erlangen lehrenden Ordinarius für Neuere Kirchengeschichte, Prof. Berndt Hamm, verweisen, der vor zehn Jahren schonungslos die unheilvolle Rolle der Erlanger Hochschullehrer während der Nazizeit beleuchtete und insbesondere für die schändliche Rolle der Theologen deutliche Worte gefunden hatte: "Wie konnten ausgerechnet sie, die Büchergelehrten, sich so gefügig ihr ureigenes Hochschulideal freier Wissenschaftlichkeit und kritischer Intellektualität nehmen lassen", fragte Jakob.

Zusammen mit Hamm sieht der Stadtarchivar in speziellen Erlanger Voraussetzungen Gründe für die bedingungslose Hingabe des Lehrkörpers und der Studenten an die Nazi-Ideologie", ihr Antisemitismus "war eine Grundimprägnierung der Erlanger Akademikerschaft." Die Bücherverbrennung "wider den undeutschen Geist" habe also den tiefsitzenden Wünschen der Hochschullehrer entsprochen, "die Werte von Liberalität und Toleranz haben sie schon vor 1933 nicht mitgetragen, sondern gegen sie opponiert." Zum aktuellen, oft als Kunst getarnten Antisemitismus, mahnte er: "Wenn man Grenzen nicht überschreiten will, muss man wissen, wo sie verlaufen."Den hetzerischen Originalton der 30er Jahre steuerte Schauspielerin Lea Schmocker mittels eines Megafons bei.

 

pm

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