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Die psychische Belastung muss enorm gewesen sein. Immer wieder hatte das Paar versucht, ein Kind zu bekommen. Doch eine Schwangerschaft wollte sich einfach nicht einstellen. „Die Frau hatte Probleme mit den Eileitern“, sagt Ralf Dittrich und verweist auf einen Beitrag, der vor 25 Jahren über den Erlanger Fall in der renommierten Fachzeitschrift Lancet erschien.
Damals war der Professor zwar noch nicht am Uni-Klinikum tätig, trotzdem weiß er: „Die Erlanger waren weltweit führend auf diesem Gebiet.“ Vor allem diesen Spezialisten ist es — neben einem Quäntchen Glück und viel Geduld — zu verdanken, dass am 17. Februar eine bayerische Studentin ihren 25. Geburtstag feiern kann.
Eine künstliche Befruchtung war soeben gescheitert, dennoch gaben die Reproduktionsmediziner nicht auf. Sie hatten als Reserve für die weitere Behandlung eingefrorene Eizellen der bislang verhinderten Mutter übrig. Vier davon tauten sie auf, versuchten diese in der Petrischale mit Spermien des Vaters-in-spe zu befruchten und transferierten die sogenannten imprägnierten Eizellen per Katheter in den Unterleib der Mutter. Im zweiten Anlauf klappte es. Mit der Geburt eines Mädchens neun Monate später war die Sensation perfekt.
Die Eizelle hatte die dreimonatige Lagerung in tiefgekühltem Zustand offenbar ohne gravierende Schäden überstanden. „Anders als noch bis Mitte der 1990er Jahre hat man das Verfahren heute besser im Griff“, stellt Prof. Dittrich fest und versenkt auf Knopfdruck Röhrchen in flüssigem Stickstoff. In der Gefriermaschine werden die Eizellen pro Minute um 0,3 Grad abgekühlt, bis minus 196 Grad erreicht sind. In den 1980er Jahren benötigten die Forscher für das langsame Absenken des Gewebes noch einen umgebauten Wagenheber. Früher wie heute gilt es zu verhindern, dass sich Eiskristalle bilden. „Diese würden die Zell-Membran zerstören“, erläutert der Biologe.
Seit dem Jahr 1995 gehört er zu dem zwölfköpfigen Experten-Team, das am Uni-Klinikum für künstliche Befruchtungen zuständig ist. Jahr für Jahr wenden sich 500 Paare an die Erlanger Reproduktionsmediziner. Etwa Dreiviertel der Ratsuchenden entscheiden sich schließlich für eine Behandlung. „Der Versuch einer künstlichen Befruchtung erfolgt bei uns erst als dritter Schritt“, berichtet Dittrich. In manchen Fällen reicht es schon, den Zyklus der Frau zu beobachten, um dem Paar doch auf natürlichem Wege zu Kindern zu verhelfen.
Eine klassische Ursache für den langjährig unerfüllten Kinderwunsch sind gesundheitliche Probleme. Zunehmend machen sich aber auch gesellschaftliche Entwicklungen bemerkbar, zum Beispiel die zunehmend nach hinten verschobene Familiengründung. „Manche hätten die Schwierigkeiten nicht, wenn sie ihre Kinder im Alter von 25 Jahren bekommen hätten“, betont Dittrich.
Heutzutage können junge zahlungskräftige Frauen, die sich erst im mittleren Alter Nachwuchs wünschen, das Risiko der dann drohenden Kinderlosigkeit minimieren. „Social freezing“ nennen Experten diese ethisch-moralisch eher unumstrittene und rechtlich einwandfreie Option, sich durch eine hormonelle Stimulation vorsorglich eine Fertilizitätsreserve anzulegen. „In diesem Bereich wird ein großer Markt entstehen“, prophezeit Prof. Dittrich. Die komplette Behandlung kostet derzeit um die 5000 Euro. Die Krankenkassen beteiligen sich in der Regel nicht.
Beliebig lange können die tiefgefrorenen Eizellen bei einer eigens dafür geschaffenen Gewebebank gelagert und bei Bedarf aufgetaut werden — wenn es in die Lebensplanung passt oder endlich der richtige Partner gefunden ist.
