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Der HC Erlangen will von der Stadt nichts geschenkt

Ausbau der Karl-Heinz-Hiersemann-Halle durch deutlich höhere Hallenmiete refinanzierbar - 26.01.2013 07:00 Uhr

ERLANGEN  - Im Rahmen der Haushaltsberatungen wird in den nächsten Tagen eine wichtige Weiche für den HC Erlangen gestellt: Nur wenn die Kosten für einen bundesligatauglichen Ausbau der Hiersemann-Halle jetzt in den kommunalen Etat eingestellt werden hat der Bundesliga-Handballsport in Erlangen eine Zukunft. Das hat HC-Aufsichtsratschef Carsten Bissel im EN-Gespräch betont.

Die Handball-Euphorie in Erlangen ist groß, Aufsichtsratschef Carsten Bissel (Mitte, weißes Hemd) und HC-Manager Paul Weber (li. daneben) leben das vor. Jetzt hofft man, dass der Ausbau der Hiersemann-Halle Grünes Licht bekommt.
Die Handball-Euphorie in Erlangen ist groß, Aufsichtsratschef Carsten Bissel (Mitte, weißes Hemd) und HC-Manager Paul Weber (li. daneben) leben das vor. Jetzt hofft man, dass der Ausbau der Hiersemann-Halle Grünes Licht bekommt.
Foto: Harald Sippel
Die Handball-Euphorie in Erlangen ist groß, Aufsichtsratschef Carsten Bissel (Mitte, weißes Hemd) und HC-Manager Paul Weber (li. daneben) leben das vor. Jetzt hofft man, dass der Ausbau der Hiersemann-Halle Grünes Licht bekommt.
Die Handball-Euphorie in Erlangen ist groß, Aufsichtsratschef Carsten Bissel (Mitte, weißes Hemd) und HC-Manager Paul Weber (li. daneben) leben das vor. Jetzt hofft man, dass der Ausbau der Hiersemann-Halle Grünes Licht bekommt.
Foto: Harald Sippel

Der Aufstieg in die 1. Bundesliga ist für die Erlanger Handballer ab der nächsten Saison das erklärte Ziel. Doch das ist untrennbar mit einer Halle verbunden, die den Statuten der Handball-Bundesliga (HBL) entspricht. Insbesondere zwei Vorgaben sind hier zu erfüllen: Die Halle muss 2200 Zuschauerplätze bieten und diese müssen an beiden Längsseiten des Spielfeldes vorhanden sein. In einem Schreiben von HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann, das der Redaktion vorliegt, stellt dieser ausdrücklich klar, dass es von diesen Vorgaben keine Ausnahmen gibt. So war zum Beispiel in der laufenden Saison der VfL Gummersbach gezwungen eine weitere Längstribüne zu errichten, obwohl die Halle ohnehin nur noch diese Saison bespielt wird.

Bissel sieht deshalb Handlungsbedarf. Man könne nicht abwarten, bis der Aufstieg einmal feststeht, denn dann könne man nicht mehr reagieren. Die Zeit vom Saisonende im Mai bis zum Start im September reiche da nicht. „Wenn ein Aufstieg aber von vorneherein unmöglich ist, dann ist auch der Leistungssportgedanke beerdigt“, so Bissel. Man könne keinem Spieler klarmachen, dass man in der Liga nur noch Freundschaftsspiele bestreite, die lediglich so viele Punkte bringen müssen bzw. dürfen, dass Abstieg und Aufstieg vermieden werden. „Die Leidenschaft wäre dann weg.“ So etwas würden nur Spieler mitmachen, die dafür entsprechend Geld bekommen. „Aber dafür stehen wir nicht. Und das können wir allen unseren Helfern, den Sponsoren und dem Team nicht vermitteln.“ Deshalb sei auch die Zeit bis zum Bau einer neuen Halle nicht zu überbrücken. Und ein Wegzug aus Erlangen würde die Identifikation mit der Stadt gefährden: „Wir sind doch nicht angetreten, um eine ,HC Metropolregion‘ ins Leben zu rufen“, so Bissel.

Kleinster gemeinsamer Nenner

Umso wichtiger ist es Bissel klarzustellen, dass der HCE von der Stadt nichts geschenkt haben will. „Wir sind mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner einverstanden, also mit der für die Stadt kostengünstigsten Lösung.“ Und das sei ein Ausbau der Hiersemann-Halle.

Diese müsse ohnehin saniert werden, die Frage sei nur, in welchem Umfang. Die derzeit veranschlagten 2,7 Millionen Euro (netto) beinhalten ein ganzes Paket. Laut Bissel lassen sich die Maßnahmen zu je einem Drittel als notwendig für den Handball, als ohnehin notwendig und für beide nützlich aufteilen – auch was die Kosten angeht. Um den Bundesliga-Handball in der Halle weiter betreiben zu können seien lediglich die neuen Tribünen erforderlich. Dieser Anteil ist laut Bissel mit 1 Million Euro veranschlagt worden und beinhaltet bereits den Abriss der alten Konstruktion und Aufbewahrungsmöglichkeiten für die neue. Boden, Beleuchtung, Lüftung oder sanitäre Anlagen kämen wiederum allen Nutzern zugute.

Alles was mit dem Tribünenausbau zusammenhänge wolle der HCE auch selbst bezahlen. „Aber wir können keine Million auf den Tisch legen. Das kann auch keiner unserer Sponsoren“, so Bissel. „Aber wir können ratierlich etwas leisten und der Stadt so den Sanierungsaufwand erstatten.“ In Gesprächen mit dem Oberbürgermeister habe man eine Lösung gefunden. So will der HCE über 20 Jahre 50000 Euro Hallenmiete an die Stadt bezahlen – das ist mehr als das Vierfache der aktuellen Miete – und so die Ausbaukosten refinanzieren. Im Gegenzug sollen die Namensrechte für die Halle an den HCE abgetreten werden, der damit seine Mehrkosten abfedern könnte. „Notfalls werden wir an anderen Ecken sparen, um den Umbau zu finanzieren“, sagt Bissel.

Außerdem passe der Ausbau der Hiersemann-Halle zum HCE und zu Erlangen: „Wir brauchen keinen Handball-Palast. Die Hiersemann-Halle mit ihrer einzigartigen Stimmung ist quasi die St.-Pauli-Lösung.“ Beim HCE hofft man nun, dass der Vorschlag im Stadtrat Grünes Licht bekommt – „schließlich haben wir die Stadt noch nie um etwas gebeten“, so Bissel. „Noch nicht einmal als wir in der Existenzkrise steckten.“

Halle ohne Handball

Dass mit dem Ausbau keine – dringend notwendigen – neuen Hallenflächen geschaffen werden sieht auch der HC-Aufsichtsratschef. Doch ohne den Klotz am Bein eventuell eine ganz große, handballtaugliche Lösung finden zu müssen, könne man sich nun auf eine zuschussfähige Vereins- und Schulsporthalle konzentrieren, so Bissel. Diese liege nach der Erfahrung je nach Ausstattung bei 2,5 bis 3 Millionen Euro, nach Abzug der Fördermittel seien noch rund 1 bis 1,5 Millionen Euro zu finanzieren. Und hier stehe der HCE – diesmal der Verein, nicht die Bundesliga-Gesellschaft – bereit, sich über die Hallenmiete wiederum an der Refinanzierung zu beteiligen. 30000 Euro zahlt der HCE e.V. ohnehin schon jährlich an Mieten. Auch über diese Lösung hat Bissel bereits Gespräche mit der Stadt und mit anderen Vereinen geführt. 

NICOLE FORSTNER


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Zum Thema
HC Erlangen
Gründungsdatum:
11.4.2002



Kurzbeschreibung:
Der HC Erlangen setzt die lange Geschichte des Erlanger Handballs fort. Die traditionsreichen Vereine TV 48 Erlangen und TB 88 Erlangen schlossen sich 1983 zur HG Erlangen zusammen und legten damit den Grundstein für den heutigen Erfolg. Die Konkurrenz von der CSG Erlangen stieg 1989 in die 2. Liga auf, die HG folgte 1996. 2001 fusionierten beide Vereine zum HC Erlangen, der sich bis zum Abstieg 2004 in der 2. Handball-Bundesliga halten konnte. 2008 gelang unter Frank Bergemann, der bis heute im Amt ist, der Wiederaufstieg. 2010/2011 schaffte der HCE die Qualifikation für die eingleisige 2. Bundesliga, 2011/2012 scheiterten die Erlanger nur denkbar knapp am sensationellen Aufstieg in die 1. Liga. Seine Heimspiele trägt der HCE in der Karl-Heinz-Hiersemann-Halle aus.