Mittwoch, 19.12.2018

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Der Karfreitag setzt ein ganzes Schachturnier matt

Erlanger Dekane der beiden großen Konfessionen kommentieren das Verbot der Meisterschaften am stillen Feiertag - 05.04.2012

Die Mittelfränkischen Schachmeisterschaften in Weißenburg: Sie müssen wegen des Karfreitags mit einem Tag weniger auskommen. © Jan Stephan


„Das überrascht mich jetzt wirklich“, wundert sich Josef Dobeneck, katholischer Dekan, „fällt Schach denn unter Sport?“ Dobeneck hatte von den zeitlichen Einschränkungen des Schachturniers noch nichts gehört. Er könne das aus der Ferne jetzt schlecht beurteilen, das sei ein Grenzfall, meint er. Alles, was in der Öffentlichkeit laut ist, sei an den stillen Feiertagen wie Reformationstag/Allerheiligen, Ewigkeitssonntag oder eben Karfreitag nicht erlaubt. Schach sei kein lauter Sport. Und ob sich die Stille eines Feiertages am Adrenalinausstoß messen lasse...?

Die Verordnung zu den stillen Tagen werde immer mehr aufgeweicht. „Die Gesellschaft lebt heute anders, der Stellenwert der Kirche in der Gesellschaft hat sich verändert. Wir müssen uns positionieren und den Sinn dieser Feiertage öffentlich diskutieren, weil viele Menschen damit nichts mehr anfangen können.“ Dem evangelischen Dekan Peter Huschke war das Schachverbot bereits bekannt. „Die stillen Feiertage sind ein Ausdruck der christlich-jüdischen Kultur und als solche sehr wichtig. Wenn man allerdings 51 Jahre lang ein Schachturnier halten darf und dann plötzlich nicht mehr, ist das für die Menschen nicht nachvollziehbar. Mit so etwas tun wir uns als Kirchen keinen Gefallen“, ist Huschke überzeugt und plädiert für rechtzeitiges miteinander Reden, um die Interessen aller unter einen Hut zu bekommen. Schließlich werde weder ein Gottesdienstbesucher noch ein Spaziergänger durch Schachspiel in seiner Andacht gestört.

Nichtsdestotrotz seien Karfreitag und die anderen stillen Feiertage ein Gut, das man nicht aufgeben sollte. „Es gibt 365 Tage im Jahr, müssen Veranstaltungen dann unbedingt an einem solchen Tag sein?“ fragt Huschke und verweist auf ein Rockkonzert in Erlangen vor einigen Jahren, das er und sein katholischer Kollege ausnahmsweise toleriert haben, um die Verträge nicht platzen und den Veranstalter somit nicht in diese Kostenfalle laufen zu lassen. „Der Alpenverein hatte mal eine Wanderung für Karfreitag angesetzt, die auch im Kreuzfeuer der Kritik stand. Da haben wir den Verantwortlichen eine Wanderung mit Andacht vorgeschlagen, und alle waren zufrieden.“ 

Christiane benesch

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