Sonntag, 18.11.2018

|

Die Landschaft im hellen Licht

Regine Herzog erforscht im Kunstverein die Atmosphäre der Zivilisation - 10.02.2012

Blick in die Ausstellung „>atmos< >sphären<“ von Regine Herzog beim Erlanger Kunstverein. © Harald Hofmann


Ohne fotorealistischen Anspruch vermittelt ihre Malerei das Bild einer Landschaft, die vertraut scheint, zugleich aber etwas Befremdliches an sich hat. Das rührt daher, dass es sich um erfundene Landschaften handelt. Sie bestehen aus Motiven der Wirklichkeit, deren Erinnerung sie mit Hilfe der Kamera festgehalten und archiviert hat.

Regine Herzog hat ihre Ausstellung im Kunstverein mit dem Kunstwort „>atmos< >sphären<“ betitelt. Und was ihre Bilder vermitteln, ist in der Tat die Atmosphäre der kleinteiligen Landschaft Frankens und der Oberpfalz mit ihren aufgeteilten Feldern, kulissenartigen Waldstücken und immer nicht allzu weit entfernten Hügeln, dem hohen, aber niemals dominierenden Himmel darüber.

Erfunden sind bis zu einem gewissen Grad auch die Farben der Landschaft, die stärker leuchten als in der stets leicht dunstigen Wirklichkeit. Unter dem schattenlosen Licht erscheinen die Kontraste verschärft. Es gibt kein impressionistisches Verschwimmen der Konturen, sondern der Bildraum wird allein durch die Farbperspektive bestimmt, die das Verhältnis von Nähe und Ferne regelt. Selbstverständlich sind diese Landschaften nur vordergründig menschenleer. Wo immer ihre Motive angesiedelt sein mögen, handelt es sich um Kulturlandschaft, die überall von Spuren menschlicher Arbeit geprägt ist.

Die Landwirtschaft ist nicht nur in den Strohballen und den winzigen Erntemaschinen in der Bildtiefe gegenwärtig, sondern dominierend in der Aufteilung der Felder, die selbst die Bildfläche strukturiert. Überall tauchen zudem Signale der Zivilisation auf, die oft in den Vordergrund gerückt sind: Verkehrszeichen, sogar ein Spiegel und schließlich Windräder. Von denen ist Herzog offenbar so fasziniert, dass sie sogar ein minutiöses Portrait eines Windradkopfes entwirft.

Entscheidend aber ist, dass die Windräder nicht, wie es der gängigen Überzeugung entspricht, als Fremdkörper auftreten. Vielmehr befinden sie sich im Einklang mit der Landschaft und zwar Kraft der Malerei, die mit ihrer Hilfe die formale Ordnung der Bilder festigt.

Mag sein, dass in dieser Konzeption eine leicht ironische Haltung gegenüber dem Gegenstand mitspielt, im Umgang mit der menschlichen Figur bei ihren Kleinplastiken tritt sie jedenfalls offen zutage. Mit klarem Blick für das Charakteristische der jeweils verkörperten Rolle im menschlichen Leben und einem sicheren Gespür für die figurative Gestaltung erfindet sie ein Panoptikum weiblicher Lebensformen, kritisch und komisch zugleich. 

KURT JAUSLIN

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Erlangen